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Delivery Hero-Aktie: Vorstand gibt grünes Licht – jetzt winken noch knapp 13%

Übernahme rückt näher
Carsten Kaletta
Die milliardenschwere Übernahme von Delivery Hero durch Uber nimmt die nächste Hürde. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären nun offiziell, das Angebot über 41,50 € je Aktie anzunehmen. An der Börse notiert das Papier allerdings noch deutlich darunter. Am Donnerstagmorgen legt die Delivery-Hero-Aktie zunächst um 0,5% auf 36,75 € zu.

Vorstand und Aufsichtsrat sagen "Ja"

Die Führung von Delivery Hero stellt sich geschlossen hinter die geplante Übernahme durch Uber. Nach Prüfung der Angebotsunterlagen halten sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat die Offerte für „angemessen und fair“. Darüber hinaus liege der Zusammenschluss im besten Interesse des Unternehmens, seiner Aktionäre, Mitarbeiter und weiterer Stakeholder.

Die Empfehlung kommt nicht überraschend. Bereits bei Bekanntgabe der Transaktion Mitte Juli hatte die Delivery-Hero-Führung ihre Unterstützung signalisiert. Nun liegt nach der Prüfung des offiziellen Angebots die formelle Empfehlung vor.

Uber bietet den Aktionären 41,50 € in bar für jede Delivery-Hero-Aktie. Die Annahmefrist läuft noch bis zum 5. November.

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Knapp 13% bis zum Angebotspreis

Für Anleger wird es an dieser Stelle interessant. Während Uber 41,50 € je Aktie bietet, notiert das Papier aktuell bei lediglich rund 36,75 €. Damit liegt der Angebotspreis knapp 13% über dem derzeitigen Börsenkurs.

Dass die Aktie nicht bereits unmittelbar am Übernahmepreis notiert, hat einen Grund: Der Abschluss der Transaktion ist noch nicht sicher und wird ohnehin erst für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet. Zudem stehen unter anderem regulatorische Genehmigungen aus.

Verglichen mit dem Kursniveau vor den ersten öffentlich bekannt gewordenen Transaktionsaktivitäten ist die Offerte ohnehin üppig. Gegenüber dem unbeeinflussten Xetra-Schlusskurs vom 8. Mai entspricht der Angebotspreis einer Prämie von rund 108%. Auf den volumengewichteten Dreimonatsdurchschnittskurs bis zu diesem Zeitpunkt beträgt der Aufschlag sogar rund 127%.

Seit Jahresbeginn hat die Delivery-Hero-Aktie bereits mehr als 60% an Wert gewonnen. Ein erheblicher Teil der Rally geht auf die Übernahmefantasie zurück.

 

Uber hat die Mehrheit praktisch schon im Blick

Auch bei den Beteiligungsverhältnissen hat Uber wichtige Vorarbeit geleistet. Der US-Konzern hielt zuletzt rund 24,77% der Delivery-Hero-Aktien und verfügt über weitere Finanzinstrumente, die einem wirtschaftlichen Interesse von rund 11,74% entsprechen.

Hinzu kommt eine verbindliche Andienungszusage des Delivery-Hero-Großaktionärs Prosus für rund 16,68% der Aktien. Zusammengerechnet kommt Uber damit auf ein wirtschaftliches Interesse von mehr als 53%.

Das ist bedeutsam, denn für das Angebot gilt eine Mindestannahmeschwelle von 50% plus einer Aktie – unter Einbeziehung der bereits von Uber gehaltenen Aktien.

Ein Deal über rund 13 Milliarden €

Die Dimension der Transaktion ist beachtlich. Der Angebotspreis von 41,50 € entspricht für Delivery Hero einem vollständig verwässerten Eigenkapitalwert von rund 13 Milliarden €.

Uber will sich mit dem Zukauf vor allem im globalen Liefergeschäft deutlich verstärken. Zusammen kämen die Plattformen auf eine Präsenz in 99 Märkten. Uber verspricht sich davon nicht nur zusätzliche Reichweite, sondern auch Synergien zwischen Mobilitäts- und Lieferdiensten.

Bis zum erwarteten Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte 2027 sollen beide Unternehmen weiterhin unabhängig voneinander operieren.

14 Länder gehen an SSW Partners

Teil des komplexen Deals ist zudem eine umfangreiche Neuordnung des Delivery-Hero-Portfolios. Geschäfte in 14 Ländern, in denen sich die Aktivitäten von Delivery Hero und Uber Eats teilweise überschneiden, sollen an die New Yorker Beteiligungsgesellschaft SSW Partners verkauft werden.

Betroffen sind unter anderem Österreich, Spanien, Portugal, Polen, Schweden, Norwegen, Griechenland und die Türkei. Die Transaktion hat ein Volumen von rund 1,4 Milliarden € und steht unter der Voraussetzung, dass die Übernahme von Delivery Hero durch Uber tatsächlich vollzogen wird.

Für Uber reduziert dieser Schritt mögliche Überschneidungen in einzelnen Märkten und könnte damit auch regulatorische Hürden entschärfen.

Operativ läuft es inzwischen ebenfalls besser

Interessant ist zudem, dass Uber Delivery Hero nicht in einer Phase operativer Schwäche übernimmt. Der Berliner Konzern hatte erst in der vergangenen Woche seine Prognose für 2026 angehoben.

Im zweiten Quartal stieg der Bruttowarenwert auf vergleichbarer Basis um 11,3% auf 13,2 Milliarden €, der Umsatz legte um 17,7% auf 4 Milliarden € zu. Für das Gesamtjahr erwartet Delivery Hero inzwischen ein bereinigtes EBITDA von 960 Millionen bis 1 Milliarde €. Auch die Prognose für den Free Cashflow wurde auf mehr als 250 Millionen € erhöht.

Das Unternehmen, das über viele Jahre vor allem durch hohe Verluste auffiel, hat operativ damit deutlich an Stabilität gewonnen.

ℹ️ Delivery Hero in Kürze

  • Die Delivery Hero SE (A2E4K4) mit Sitz in Berlin betreibt eine Online-Bestell- und Lieferplattform für Mahlzeiten, Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs.
  • Die Tochterunternehmen des Konzerns betreiben unter verschiedenen Firmen- und Markennamen Online-Bestelldienste, bei denen Kunden an Restaurants und Lieferdienste vermittelt werden.
  • Delivery Hero ist weltweit tätig, hat sich jedoch aus dem deutschen Heimatmarkt weitgehend zurückgezogen.
  • Das Unternehmen ist Mitglied im MDAX und an der Börse derzeit mit 11,3 Milliarden € bewertet.

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Carsten Kaletta

Fazit

Für Delivery-Hero-Aktionäre wird die Situation zunehmend komfortabel. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen die Uber-Offerte, ein Großaktionär hat seine Aktien bereits verbindlich zugesagt und Uber kommt unter Einbeziehung seiner Beteiligung und weiterer Finanzinstrumente wirtschaftlich auf mehr als 53%. Gleichzeitig hat sich das operative Geschäft zuletzt deutlich verbessert.

Spannend bleibt vor allem die Lücke zwischen Aktienkurs und Angebotspreis: Von aktuell rund 36,75 € bis zu den gebotenen 41,50 € sind es knapp 13%. Das sieht auf den ersten Blick attraktiv aus, ist aber keineswegs risikofreie Rendite. Bis zum geplanten Abschluss in der zweiten Jahreshälfte 2027 ist es noch ein weiter Weg, regulatorische Genehmigungen stehen aus und ein Scheitern der Transaktion könnte die Aktie deutlich belasten.

Wer bereits investiert ist, kann aus meiner Sicht auf den erfolgreichen Abschluss der Übernahme setzen und dabeibleiben. Für einen Neueinstieg allein wegen der Differenz zum Angebotspreis wäre ich dagegen zurückhaltender. Knapp 13% möglicher Aufschlag sind interessant – für die lange Wartezeit und das verbleibende Übernahmerisiko aber kein Geschenk.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.