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Commerzbank-Aktie: Kommt jetzt der Übernahme-Endspurt!?

Neue Aussagen der CEO
Vincent Uhr
Die Commerzbank-Aktie notiert mit rund 39 € weiterhin knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Dabei rücken die überraschend starken Quartalszahlen bereits wieder in den Hintergrund. Entscheidend ist der Übernahmekampf mit UniCredit – und hier vollzieht Vorstandschefin Bettina Orlopp eine bemerkenswerte Kehrtwende.

Orlopp ändert ihren Kurs

Noch vor wenigen Monaten hatte die Commerzbank das Vorgehen der italienischen Großbank als feindlich bezeichnet und ihren Aktionären von der Annahme des Übernahmeangebots abgeraten. Nun zeigt sich Orlopp deutlich gesprächsbereiter.

Eine Zusammenführung von Geschäftsbereichen könne Synergien und zusätzlichen Wert schaffen. Commerzbank und UniCredit wollen unter anderem über die künftige Unternehmensführung, das gemeinsame Geschäftsmodell und mögliche Kosteneinsparungen sprechen. Selbst die Frage nach dem zukünftigen Hauptsitz scheint nicht mehr grundsätzlich ausgeklammert zu sein.

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Von einer besiegelten Fusion kann allerdings noch keine Rede sein. Laut Reuters fand zwar bereits ein Gespräch zwischen Orlopp und UniCredit-Chef Andrea Orcel statt. Dabei ging es jedoch zunächst um bilanzielle und organisatorische Schritte – nicht um formelle Fusionsverhandlungen.

UniCredit steht unmittelbar vor der Kontrolle

UniCredit hat sich mittlerweile Zugriff auf 47,59% des Commerzbank-Kapitals gesichert. Da eigene Aktien der Commerzbank nicht stimmberechtigt sind, entspricht dies 49,65% der Stimmrechte. Die dafür notwendigen regulatorischen Genehmigungen werden im vierten Quartal erwartet.

Damit würden die Italiener praktisch an der Schwelle zur Kontrolle stehen. Für eine uneingeschränkte Besetzung der Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat wäre allerdings eine klare Mehrheit erforderlich. Weitere Aktienkäufe oder ein verbessertes Angebot bleiben daher möglich.

Eine wichtige Rolle spielt weiterhin der Bund. Dieser hält rund 12% der Commerzbank und kritisiert das aggressive Vorgehen von UniCredit. Orcel möchte dennoch direkt mit der Bundesregierung und den Arbeitnehmervertretern verhandeln. Damit dürfte der Übernahmekampf zunehmend auf politischer Ebene entschieden werden.

Rekordzahlen stärken die Verhandlungsposition

Operativ geht die Commerzbank ausgesprochen stark in diese Gespräche. Der Nettogewinn sprang im zweiten Quartal um +94% auf 898 Millionen € und übertraf die Analystenerwartungen von 845 Millionen €.

Im gesamten ersten Halbjahr stieg der Gewinn um rund +40% auf 1,81 Milliarden €. Die Erträge legten um +7% auf 6,5 Milliarden € zu, während die Eigenkapitalrendite auf einen Rekordwert von 12,6% kletterte. Für 2026 erwartet das Management weiterhin einen Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden €. Zudem ist ein Aktienrückkauf von bis zu 1,2 Milliarden € geplant.

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Analysten bleiben uneinig

JPMorgan hob das Kursziel nach den Zahlen auf 38 € an, bleibt jedoch bei „Neutral“. Die DZ Bank sieht den fairen Wert dagegen bei 46 € und empfiehlt die Aktie zum Kauf. Deutsche Bank Research nennt 42 €.

Damit ist ein Großteil der operativen Fortschritte im aktuellen Kurs enthalten. Zusätzliche Fantasie liefert vor allem die Aussicht auf ein verbessertes Übernahmeangebot oder weitere Käufe durch UniCredit.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 44,0 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Orlopps neuer Ton markiert einen Wendepunkt, die Übernahme ist aber noch nicht final entschieden. Die starken Geschäftszahlen sichern den Kurs fundamental ab, während UniCredit für zusätzliche Fantasie sorgt. Bereits investierte Anleger sollten in der heißen Phase des Übernahmepokers investiert bleiben. Für einen Neueinstieg nahe dem 52-Wochen-Hoch ist das Verhältnis von Chance und Risiko hingegen weniger attraktiv.