Commerzbank-Aktie: Führt der Rückkauf UniCredit über 50%?
Aus 47,59% werden bereits 49,65%
Nach Abschluss der Annahmefrist hat sich UniCredit den Zugriff auf insgesamt 47,59% des Commerzbank-Kapitals gesichert. Dazu zählen direkt gehaltene Aktien, angediente Papiere und weitere Finanzinstrumente.
Bei den Stimmrechten fällt der Anteil allerdings schon jetzt höher aus. Die Commerzbank hält nach mehreren Rückkaufprogrammen 4,14% ihrer eigenen Aktien. Diese Papiere sind nicht stimmberechtigt. Dadurch entsprechen die 47,59% des Kapitals nach Angaben von UniCredit bereits 49,65% der Stimmrechte.
Die Italiener liegen damit unmittelbar unter der rechnerischen Mehrheit. Weidmanns Forderung, den Bundesanteil nicht zu verkaufen, ist vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Allerdings entscheidet nicht nur die Eigentümerstruktur darüber, wer die Bank kontrollieren kann. Ebenso wichtig ist die Anzahl der überhaupt stimmberechtigten Aktien.
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1,2 Milliarden € verändern die Rechnung
Genau hier kommt der nächste Aktienrückkauf ins Spiel. Die Commerzbank plant ein Programm im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden €. Die EZB hat bereits zugestimmt, die Freigabe der Finanzagentur steht noch aus.
Bei einem Kurs von rund 40 € könnte die Bank mit diesem Betrag etwa 30 Millionen eigene Aktien erwerben. Das entspräche rund 2,7% des derzeitigen Grundkapitals. Werden diese Aktien anschließend eingezogen und gibt UniCredit selbst keine Papiere ab, würde deren Stimmrechtsanteil rein rechnerisch auf etwas mehr als 51% steigen.
Das ist ausdrücklich keine Prognose. Der tatsächliche Effekt hängt vom durchschnittlichen Rückkaufpreis, vom ausgeschöpften Volumen, vom Verhalten UniCredits und von regulatorischen Vorgaben ab. Dennoch ist die Rechnung hochbrisant.
UniCredit selbst hatte bereits im März darauf hingewiesen, dass die laufenden Rückkäufe der Commerzbank den eigenen prozentualen Anteil automatisch erhöhen. Dies war sogar einer der genannten Gründe dafür, die Schwelle von 30% bewusst zu überschreiten.
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Ein gutes Instrument mit ungewöhnlicher Nebenwirkung
Für Aktionäre sind Rückkäufe grundsätzlich attraktiv. Die Zahl der Aktien sinkt, während sich der Gewinn und künftige Ausschüttungen auf weniger Papiere verteilen. Das jüngste Programm über 524 Millionen € wurde zu einem Durchschnittskurs von 33,45 € je Aktie abgewickelt – deutlich unter dem heutigen Niveau.
Auch finanziell kann sich die Commerzbank den nächsten Rückkauf leisten. Das starke erste Halbjahr und eine harte Kernkapitalquote von 14,4% schaffen ausreichend Spielraum. In der aktuellen Sondersituation besitzt das Instrument jedoch eine politische und strategische Nebenwirkung: Jede aus dem Streubesitz erworbene Aktie stärkt automatisch den größten Anteilseigner.
ℹ️ Commerzbank in Kürze
- Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
- Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
- Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 44,0 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Weidmanns Forderung ist richtig, greift allein aber zu kurz. Entscheidend wird sein, wie die Commerzbank ihren nächsten Aktienrückkauf ausgestaltet. Für Aktionäre bleibt die hohe Kapitalrückgabe attraktiv. Sie darf allerdings nicht unbeabsichtigt dafür sorgen, dass UniCredit die rechnerische Stimmenmehrheit praktisch durch die Hintertür erhält. Für die Commerzbank-Aktie gilt sowieso: Die anvisierte Übernahme bestimmt derzeit die weitere Richtung. Ich würde um die Marke von 40 € nicht mehr einsteigen, weil jetzt eher die Spekulation beginnt.