BASF-Aktie: Gelingt die Übernahme von Evonik?
Jobgarantien sollen den Weg für die Übernahme ebnen
Ein zentraler Punkt für die mögliche Zustimmung der RAG-Stiftung dürfte der Schutz der Beschäftigten und Produktionsstandorte sein. Auch für die Politik und die Gewerkschaften haben diese Themen einen hohen Stellenwert.
BASF-Chef Markus Kamieth äußerte sich dazu in der vergangenen Woche positiv. Er stellte in Aussicht, bestehende Vereinbarungen zum Schutz der Beschäftigten zu übernehmen. So sollen betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 ausgeschlossen bleiben. Auch bestehende Standortvereinbarungen und Tarifverträge sollen unangetastet bleiben.
Darüber hinaus soll Essen als wichtiger Unternehmensstandort erhalten bleiben. Mindestens ein Vorstandsressort sowie weitere zentrale Funktionen sollen dort angesiedelt bleiben. Auch die Chemieparks in Marl und Wesseling könnten weiter von BASF betrieben werden.
Mit diesen Zusagen greift BASF wesentliche Forderungen von Politik und Gewerkschaften auf. Das könnte die Chancen auf eine Einigung verbessern. Ob die Zusagen ausreichen, um alle Beteiligten zu überzeugen, bleibt allerdings offen.
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Übernahmepreis soll auf 24 € steigen
Ein weiterer entscheidender Punkt ist der Kaufpreis. Das erste Angebot von BASF lag laut Medienberichten bei 22,15 € je Evonik-Aktie. Evonik soll diese Offerte als zu niedrig zurückgewiesen haben.
Am 23. Oktober berichtete Reuters, BASF habe das Angebot auf 24 € je Aktie erhöht. Daraus ergibt sich ein Gesamtwert von rund 11,2 Milliarden €. BASF, Evonik und die RAG-Stiftung haben die Erhöhung bislang nicht offiziell bestätigt. Sollte sich der neue Angebotspreis bestätigen, wäre dies ein weiteres Zugeständnis an Evonik und dessen Großaktionär RAG-Stiftung.
Für BASF wäre die Transaktion allerdings eine erhebliche finanzielle Belastung. Neben dem Kaufpreis müssten auch mögliche Integrationskosten berücksichtigt werden. Entscheidend ist deshalb, ob die erwarteten Synergien langfristig einen ausreichenden Mehrwert schaffen.
Evonik verfolgt eigene Expansionspläne
Bereits vor dem Übernahmeangebot beschäftigte sich Evonik mit eigenen Wachstumsoptionen. Laut Medienberichten prüft der Essener Konzern seit Längerem eine mögliche Übernahme des US-Spezialchemieunternehmens Ashland. Diese Überlegungen sollen bereits vor dem Übernahmevorstoß von BASF begonnen haben. Eine konkrete Transaktion ist bislang nicht bestätigt.
Eine Expansion in den USA könnte für Evonik strategisch interessant sein, insbesondere angesichts der dortigen Nachfrage und der handelspolitischen Rahmenbedingungen.
Für BASF könnte ein solcher Zukauf allerdings die Übernahme komplizierter machen. Eine zusätzliche Akquisition müsste sowohl zur strategischen Ausrichtung als auch zur finanziellen Planung eines möglichen Zusammenschlusses passen.
Ob Evonik die eigenen Expansionspläne weiterverfolgt und wie weit diese fortgeschritten sind, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen.
Bewertung
BASF dürfte die Übernahme weiter vorantreiben. Die öffentlich kommunizierten Zusagen zu Arbeitsplätzen und Standorten sind ein wichtiger Schritt, um politische und gewerkschaftliche Bedenken auszuräumen.
Sollte sich die Erhöhung des Übernahmepreises auf 24 € bestätigen, wäre auch dies ein weiteres Zugeständnis an Evonik und die RAG-Stiftung.
Wirtschaftlich argumentiert BASF, dass sich die beiden Unternehmen sinnvoll ergänzen. Evonik könnte bestimmte Vorprodukte künftig günstiger aus dem BASF-Verbund beziehen. Hinzu kämen mögliche Vorteile beim Einkauf, bei der Infrastruktur und bei der Forschung.
Im Erfolgsfall könnte ein international noch schlagkräftigerer Chemiekonzern entstehen. Die Synergien sind allerdings noch nicht ausreichend konkretisiert, um den tatsächlichen Mehrwert für BASF abschließend beurteilen zu können.
Der Zusammenschluss müsste deshalb einen klaren wirtschaftlichen Mehrwert bieten. Allein eine größere Unternehmensgröße reicht dafür nicht aus.
Am 28. Oktober veröffentlicht BASF die Zahlen für das dritte Quartal. Dabei wird vor allem entscheidend sein, ob das operative Ergebnis die Markterwartungen erfüllt.
ℹ️ BASF in Kürze
- BASF (WKN: BASF11) ist der nach Umsatz größte Chemiekonzern der Welt. Er ist in den sechs Segmenten Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Surface Technologies, Nutrition & Care und Agricultural Solutions tätig.
- Neben dem Hauptwerk in Ludwigshafen am Rhein betreibt der Konzern weltweit über 230 Produktionsstandorte in mehr als 90 Ländern.
- Der 1865 gegründete Traditionskonzern ist Mitglied im DAX und aktuell an der Börse mit etwa 44,8 Milliarden € bewertet.
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Fazit
BASF macht bei der geplanten Übernahme von Evonik weitere Schritte. Die Zusagen zum Schutz der Beschäftigten und Standorte sowie die laut Medienberichten erhöhte Offerte zeigen, dass der Konzern an einer Einigung interessiert ist.
Ob die Übernahme tatsächlich gelingt, hängt insbesondere von der Reaktion des Evonik-Managements und der RAG-Stiftung ab. Eine endgültige Einigung ist bislang nicht bekannt.
Ich gehe davon aus, dass die Übernahme gelingt, sehe die wirtschaftlichen Synergien jedoch als begrenzt an. Hohe Integrationskosten könnten die Ertragslage belasten.
Im Hinblick auf die finanziellen Belastungen der Übernahme halte ich das weitere Kurspotenzial für begrenzt. Was weiterhin für die Aktie spricht, ist die Dividendenrendite von aktuell rund 4,3 %.
Passend dazu: Während viele nur auf die Dividendenrendite schauen, bieten einige Titel derzeit beides – regelmäßige Ausschüttungen und deutliches Aufwärtspotenzial. Hier findest Du zehn konkrete Kandidaten für das kommende Jahr.