Atoss Software-Aktie: Warum so ängstlich?

Neue Geschäftszahlen
Die Atoss-Software-Aktie entwickelte sich seit Jahresbeginn sehr volatil. Die Handelsspanne reicht von rund 67 bis 120 €. Nach dem jüngsten Rückgang notiert sie am Montag aktuell bei 88,70 €. Trotz der kräftigen Erholung seit dem Tief Ende Juni bei etwa 69 € liegt sie seit Jahresbeginn noch mit rund -26% im Minus. Dabei fielen die jüngsten Geschäftszahlen durchaus positiv aus. Hier stellt sich die Frage: War der Kursrückgang übertrieben und wie viel Potenzial besteht jetzt noch?

Neue Rekorde erzielt

Nach einem guten Halbjahresergebnis fiel auch das dritte Quartal stark aus. In den ersten neun Monaten erzielte Atoss sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis neue Rekordwerte.

Der Konzernumsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12% auf 155,8 Millionen €. Getragen wurde das Wachstum vor allem vom starken Cloud-Geschäft. Hier stieg der Umsatz um 26% auf 85,2 Millionen €.

Auch die übrigen Geschäftsfelder entwickelten sich unterschiedlich. Der Umsatz mit Software legte um 14% zu, während die Erlöse aus Lizenzen und Wartung um 3% zurückgingen. Der Hardwareumsatz von rund 3 Millionen € spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Sehr erfreulich entwickelte sich die Ertragslage. Das operative EBIT stieg von 48,2 auf 57,2 Millionen €. Die EBIT-Marge erhöhte sich dadurch von 35 auf rund 37%. Auch unter dem Strich stand ein deutlicher Zuwachs: Der Nettogewinn verbesserte sich um 14% auf rund 39 Millionen €.

Positiv entwickelte sich zudem die Liquiditätssituation. Sie verbesserte sich um 26% auf 158,9 Millionen €. Hier macht sich der stark gestiegene operative Cashflow auf 75,7 Millionen positive bemerkbar.

Insgesamt sind die Geschäftszahlen hervorragend ausgefallen. Das gilt umso mehr vor dem Hintergrund der schwachen konjunkturellen Entwicklung in Deutschland und weltweit.

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Prognose angepasst

Auf Grundlage der bisherigen Geschäftsentwicklung konkretisierte Atoss Software die Jahresprognose.

Beim Umsatz rechnet das Unternehmen nun mit einem Wert im unteren Bereich der bisherigen Spanne von 210 bis 215 Millionen €.

Auf der Ergebnisseite fiel die Entwicklung dagegen besser aus als erwartet. Die prognostizierte EBIT-Marge wurde von 34 auf rund 37% angehoben.

Hier macht sich die konsequente Kostendisziplin positiv bemerkbar. Atoss wächst also nicht nur beim Umsatz, sondern verbessert gleichzeitig die Profitabilität.

Bewertung

Der jüngste Kursrückgang dürfte vor allem mit der vorsichtigeren Einschätzung der Umsatzentwicklung zusammenhängen. Das Unternehmen rechnet inzwischen nur noch mit einem Umsatz am unteren Ende der Prognosespanne von 210 bis 215 Millionen €.

Allerdings bedeutet das nicht, dass die Geschäftsentwicklung grundsätzlich schwach ist. Um das Jahresziel zu erreichen, muss der Umsatz im vierten Quartal mindestens rund 54 Millionen € erreichen. Das liegt deutlich über den Umsätzen früherer Quartale und zeigt, welche Dynamik zum Jahresende erforderlich ist.

Wichtiger ist jedoch die Ertragsentwicklung. Die Anhebung der erwarteten EBIT-Marge auf rund 37% signalisiert, dass Atoss trotz des vorsichtigeren Umsatzausblicks weiterhin sehr profitabel arbeitet.

Der Kursverlauf dürfte zudem von der allgemeinen Stimmung gegenüber Technologie- und KI-Aktien beeinflusst werden. Gerade bei kleineren Technologiewerten können sich solche Veränderungen überproportional auf die Bewertung auswirken.

Die Analysten sehen die Aktie weiterhin deutlich höher. Ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei rund 124 €. Im Hinblick auf die allgemeine Lage bei den Tech-Werten könnten sie kurzfristig nicht erreichbar sein.

ℹ️ Atoss Software in Kürze

  • Atoss Software (WKN: 510440), kurz Atoss, ist ein deutsches Softwareunternehmen mit dem Schwerpunkt Personalmanagement. Dabei bietet die Software individuelle Konfigurationsmöglichkeiten, mit dem Unternehmen den Einsatz von Personal gestalten können.
  • Die Gesellschaft ist in 52 Ländern tätig. Der Hauptsitz ist in München.
  • Die Aktie ist im TecDAX gelistet und wird mit etwa 1,4 Milliarden € bewertet.

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Fazit

Aus meiner Sicht ist der Kursrückgang nach den jüngsten Geschäftszahlen übertrieben ausgefallen. Die vorsichtigere Umsatzprognose wurde am Markt stark gewichtet, während die verbesserte Profitabilität weniger Beachtung fand. Ein Teil der Kursverluste könnte außerdem auf Gewinnmitnahmen und die schwächere Stimmung bei Technologiewerten zurückzuführen sein.

Ich halte ein erstes Kursziel von 100 € für realistisch. Auch die Dividendenrendite von aktuell rund 2,5% spricht für die Aktie.

Übrigens: KI sorgt für Disruption bei Software-Firmen. Welche Unternehmen stark betroffen sind, lest Ihr im The Unlucky Seven Report.