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Infineon-Aktie -9%: Ist der Boden jetzt schon erreicht?

Kursrutsch bei Infineon

Der Ausverkauf bei KI- und Chipwerten hat die Infineon-Aktie am Donnerstag hart getroffen. Zeitweise verlor das Papier 9,39% und rutschte von 50,67 € auf 45,91 €. Am heutigen Freitag gehört Infineon zur Mittagszeit mit einem Plus von +2,17% auf 46,95 € zu den stärksten Werten im TecDAX, obwohl der Index selbst um 1,15% nachgibt. Wenige Tage vor den Jahreszahlen stellt sich damit die Frage: Beginnt hier eine Bodenbildung, oder ist das nur eine kurze Atempause?

Regulierungsangst trifft Chipwerte

Eine schlechte Nachricht aus dem Unternehmen selbst gab es am Donnerstag nicht. Belastet haben Befürchtungen, dass die KI-Branche in den USA nach dem Wahlerfolg der Demokraten strenger reguliert werden könnte. Halbleiterwerte gerieten daraufhin reihenweise unter Druck, und Infineon wurde im Sog des Sektors mitgerissen.

Für die Aktie ist das bereits die nächste Welle dieser Art. Im Oktober hatten überraschend hohe US-Inflationsdaten und Zweifel an der Finanzierung des KI-Ausbaus die Chipwerte belastet, Ende Oktober folgte ein schwacher Ausblick von Intel. Am 6. Oktober schloss die Infineon-Aktie noch bei 64,24 €. Seitdem hat sie gut ein Viertel ihres Werts eingebüßt.

Das KI-Geschäft wächst

Operativ zeichnet Infineon ein deutlich freundlicheres Bild als der Kurs. Nach Unternehmensangaben haben mehrjährige Kapazitätsreservierungen mit KI-Kunden ein Umsatzvolumen im hohen einstelligen Milliarden-€-Bereich, teilweise mit Vorauszahlungen. Das ist für mich der wichtigste Punkt für die Aktie: Die Vorauszahlungen senken das Finanzierungsrisiko beim Ausbau der Fertigung und machen künftige Umsätze besser planbar.

Dazu kommen neue Produkte und Partnerschaften. Am Dienstag brachte Infineon die OptiMOS-7-Familie auf den Markt, Leistungshalbleiter für KI-Server. Am Montag vereinbarte der Konzern mit Qualcomm eine Zusammenarbeit für softwaredefinierte Fahrzeuge, mit Nvidia läuft eine gemeinsame Weiterentwicklung. Damit stützt sich das Wachstum auf zwei Standbeine: die Stromversorgung von Rechenzentren und das Autogeschäft. Eine schärfere KI-Regulierung würde vor allem das erste Standbein treffen, falls Rechenzentrumsbetreiber ihre Investitionen daraufhin kürzen.

Zahlen am 10. November

Am kommenden Dienstag legt Infineon die Zahlen für das vierte Geschäftsquartal von Juli bis September und für das gesamte Geschäftsjahr 2026 vor. Analysten erwarten für das Quartal im Schnitt einen Umsatz von rund 4,71 Milliarden € nach 3,94 Milliarden € im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie soll von 0,18 € auf 0,63 € steigen. Für das neue Geschäftsjahr 2027 rechnen die Experten mit rund 19,9 Milliarden € Umsatz.

JPMorgan und Jefferies bleiben zuversichtlich. JPMorgan bestätigte vor den Zahlen die Einstufung "Overweight" mit einem Kursziel von 96 €, Jefferies hält an "Buy" mit ebenfalls 96 € fest. Beide Ziele liegen gut doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs.

Bewertung deutlich gesunken

Das Geschäftsjahr von Infineon endet am 30. September. Für 2026 erwarten Analysten einen Gewinn je Aktie von 1,76 €, für 2027 von 2,84 €. Daraus ergibt sich beim aktuellen Kurs ein KGV von rund 27 für 2026 und von rund 16,5 für 2027. Gemessen an einem erwarteten Gewinnsprung von gut 60% wirkt das Niveau für 2027 moderat.

Der Chart ist angeschlagen

Charttechnisch hat der Rutsch Spuren hinterlassen. Am Donnerstag markierte die Aktie ein neues 26-Wochen-Tief, und der Kurs notiert rund 18% unter der 200-Tage-Linie bei 57,30 €. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 89,67 € fehlen knapp 48%. Seit Jahresbeginn steht am Freitagvormittag trotzdem noch ein Plus von rund 23% zu Buche.

Fazit

Aus meiner Sicht ist der Einbruch vom Donnerstag vor allem ein Stimmungsschock für die gesamte Branche. Die Erholung am Freitag ist für mich eher eine Atempause. Für eine Bodenbildung ist das Chartbild noch zu angeschlagen, zumal die Debatte über eine strengere KI-Regulierung in den USA gerade erst beginnt. Fundamental sehe ich Infineon dagegen solide aufgestellt, und die Bewertung für 2027 preist bereits einen Teil der Risiken ein.

Entscheidend wird nun sein, ob der Vorstand am 10. November einen Ausblick liefert, der die Wachstumserwartungen der Analysten für 2027 stützt. Aktionäre, die bereits investiert sind, könnten ihre Position aus diesem Grund halten. Für einen Neueinstieg sähe ich erst dann eine bessere Grundlage, wenn die Prognose überzeugt und die Aktie die Marke von 50 € zurückerobert. Bis dahin könnten Interessierte die Entwicklung von der Seitenlinie aus beobachten, denn ein enttäuschender Ausblick mit gesenkten Gewinnschätzungen würde die Bewertung schnell weniger günstig erscheinen lassen.

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