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Quelle: ChatGPT

Hensoldt-Aktie: Rechtfertigen die Q3-Zahlen ein KGV von 45?

Rüstungsaktie im Check

Kurz vor den Zahlen zum dritten Quartal ist die Hensoldt-Aktie unter Druck. Am Dienstag schloss das Papier mit einem Minus von 0,17% bei 83,53 €. Damit liegt es rund 13,6% unter dem 52-Wochen-Hoch von 96,70 €. Am morgigen Donnerstag legt der Radarspezialist seine Neunmonatszahlen vor. Wenige Tage zuvor hat mwb research nach Berichten über Probleme in der Ersatzteillogistik der Bundeswehr sein Kursziel auf 60 € gesenkt. Die entscheidende Frage lautet: Kann Hensoldt mit den Quartalszahlen die Zweifel an der operativen Umsetzung ausräumen?

Störungen bei ZEBEL

Hensoldt betreibt die Zentrale Ersatzteillogistik der Bundeswehr, kurz ZEBEL. Laut Medienberichten vom Freitag kam es dort zu erheblichen Verzögerungen bei der Versorgung mit Ersatzteilen. Auslöser sollen Fehler in einer neu eingeführten Lager-Software gewesen sein. Militärische Übungen wurden demnach bei der Belieferung bevorzugt. Hensoldt führt die Probleme auf den laufenden Lagerumzug zurück. Welche finanziellen Folgen die Störungen haben, hat das Unternehmen bisher nicht beziffert.

Am selben Tag senkte mwb research das Kursziel von 62 € auf 60 € und bestätigte die Einstufung "Verkaufen". Schwerer wiegt aus meiner Sicht, dass die Analysten ihre Erwartung zurückgenommen haben, Hensoldt könnte die Umsatzprognose für 2026 anheben. Die Aktie gab am Freitag um 2,9% nach. Allerdings standen an diesem Tag mehrere deutsche Rüstungswerte unter Druck, weil Spekulationen über mögliche Friedensgespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA die Branche belasteten. Die ZEBEL-Meldung war daher nur ein Teil der Erklärung für den Kursrückgang.

Die Messlatte liegt hoch

Für 2026 plant der Vorstand mit einem Umsatz von rund 2,75 Milliarden € und einer bereinigten EBITDA-Marge von 18,5% bis 19,0%. Im ersten Quartal erzielte Hensoldt 496 Millionen €, im zweiten Quartal stiegen die Erlöse um 22,2% auf 671 Millionen €. Für das dritte Quartal erwarten Analysten im Schnitt 678 Millionen €. Trifft diese Schätzung zu, müsste das Schlussquartal rund 905 Millionen € beisteuern, damit die Prognose erreicht wird. Der Konsens für das Gesamtjahr liegt mit gut 2,81 Milliarden € bereits über der Prognose des Unternehmens.

Darin liegt das eigentliche Risiko für morgen. Der Markt hat eine leichte Übererfüllung der Jahresziele eingepreist. Für Rückhalt sorgt der Auftragsbestand, der zur Jahresmitte mit 10,36 Milliarden € erstmals über 10 Milliarden € lag.

Bewertung bleibt anspruchsvoll

Für 2026 rechnen Analysten im Schnitt mit einem Gewinn je Aktie von 1,87 €. Beim aktuellen Kurs ergibt sich daraus ein KGV von rund 45 für 2026. Auf Basis der Schätzung von 2,46 € für 2027 sinkt das KGV auf etwa 34. Ende September lag der Median vergleichbarer europäischer Rüstungskonzerne für 2026 bei knapp 28, Rheinmetall kam auf etwa 31. Hensoldt ist kein Schnäppchen mehr. Der Aufschlag ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Gewinne ab 2027 tatsächlich so stark steigen wie erwartet.

Die Analystenhäuser sind entsprechend geteilter Meinung. Kepler Cheuvreux stufte die Aktie auf "Buy" hoch, nennt ein Kursziel von 90 € und hält es für wahrscheinlich, dass Hensoldt die Ziele im dritten Quartal übertroffen hat. Deutsche Bank Research sieht den fairen Wert bei 105 €, Jefferies bei 98 €. Im Durchschnitt liegt das Kursziel der Analysten bei 94,43 €, also etwa 13% über dem Dienstagsschluss. Das mwb-Ziel von 60 € liegt dagegen rund 28% darunter.

Fazit

Ich halte die ZEBEL-Panne in erster Linie für ein Vertrauensproblem. Das Geschäftsmodell sehe ich dadurch nicht gefährdet. Solange die finanziellen Folgen offen sind, muss der Markt aber mit Unsicherheit leben, und das bei einem KGV, das kaum Spielraum für Fehler lässt. Entscheidend wird nun sein, ob der Vorstand am Donnerstag einen kräftigen Auftragseingang meldet, die Umsatzprognose zumindest bekräftigt und einen klaren Hinweis auf ein starkes viertes Quartal gibt. Gelingt das, könnte die Aktie wieder Richtung Jahreshoch laufen. Bleiben Prognose und Logistikthema vage, wäre ein Rückfall in Richtung 75 € aus meiner Sicht nicht überraschend.

Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie über die Zahlen hinweg zu halten, weil der Auftragsbestand die mittelfristige Wachstumsstory stützt. Einen Neueinstieg direkt vor der Veröffentlichung halte ich wegen der hohen Erwartungen für wenig attraktiv. Interessant könnte ein Kauf erst werden, wenn Hensoldt die Folgen der ZEBEL-Störungen offenlegt und die Jahresziele überzeugend absichert.

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