BMW-Aktie: Vor den Zahlen zuschlagen?
Jetzt wird es ernst
Zahlen lügen nicht. Ein Binsenweisheit, die nun insbesondere für die BMW-Aktie gilt. Denn kommende Woche Mittwoch, 4. November, legt der Autobauer frische Zahlen vor. Diesmal dürften Anleger sehr genau hinsehen, was der Konzern im dritten Quartal zu bieten hatte.
Die Ausgangslage ist auf jeden Fall interessant. Denn viel Optimismus steckt im aktuellen Kurs nicht. Seit Jahresbeginn hat die Aktie kräftig verloren, das 52-Wochen-Hoch von knapp 98 € liegt weit weg.
Gleichzeitig läuft es für BMW in Europa und den USA besser, während China weiter ein Bremsklotz ist, ähnlich wie bei Mercedes-Benz (siehe auch diesen Artikel). Genau diese Mischung wird am Mittwoch wieder auf dem Tisch liegen.
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China bleibt der wunde Punkt
Bei den Auslieferungen liegt BMW bereits zurück. 1,7 Millionen Fahrzeuge wurden weltweit ausgeliefert, 5% weniger als im Vorjahr. Das Problem sitzt weiter in China. Dort kämpft der Konzern wie alle Konkurrenten mit starkem Wettbewerb und Preisdruck.
Genau deshalb schauen Investoren inzwischen weniger auf Stückzahlen als auf die Frage, was davon am Ende hängen bleibt. Eine weiterhin schwache Marge wäre ebenso wie bei der Mercedes-Benz-Aktie ein Alarmzeichen.
In Europa legten die Verkäufe dagegen um rund 4,5% zu, in den USA ebenfalls. Besonders erfreulich: Bei Elektroautos lief es deutlich besser. In Europa war bereits jedes dritte ausgelieferte Fahrzeug vollelektrisch.
Die Messlatte liegt tief
Der aktuelle Analystenkonsens rechnet für das dritte Quartal mit rund 29,9 Milliarden € Umsatz und einem Konzern-EBIT von etwa 1,7 Milliarden €. Für das Gesamtjahr werden im Autogeschäft nur noch rund 2% operative Marge erwartet.
Die Erwartungen sind also niedrig. Genau darin liegt meiner Meinung nach aber auch eine Chance. BMW muss am Mittwoch keine Wunder liefern. Nach der Gewinnwarnung und dem schwachen Kapitalmarkttag liegt die Messlatte tief. Schon ein Quartal ohne neue böse Überraschung könnte reichen, damit sich der Kurs weiter erholt.
Sollte sogar der Ausblick des Konzerns etwas freundlicher klingen, wäre plötzlich wieder mehr Fantasie drin.
Die Analysten sind gespalten
Auch bei den Kurszielen sieht man ziemlich gut, wie unterschiedlich BMW derzeit bewertet wird. Jefferies bleibt bei „Hold“ und 60 €. RBC sieht 58 €. Die Deutsche Bank ist mit „Buy“ und 71 € deutlich optimistischer. JPMorgan kommt sogar auf 82 € und stuft die Aktie mit „Overweight“ ein.
Interessant ist vor allem die jüngste Jefferies-Einschätzung vom 20. Oktober. Das Analysehaus erwartet einen Umsatzrückgang im Autogeschäft von rund 7% im dritten Quartal, unter anderem wegen schwächerer Verkäufe und eines ungünstigeren Produktmixes. Positiv vermerkt Jefferies immerhin, dass BMW die Aktienrückkäufe auch nach November fortsetzen will.
Was kommt nach den Zahlen?
In meinen Augen ist der Blick auf die kommenden zwei Jahre spannender als der auf die Zahlen des dritten Quartals. Unter dem neuen Vorstandschef Milan Nedeljković will BMW die operative Marge im Autogeschäft bis 2028 wieder auf 3 bis 5% bringen. Langfristig sollen sogar wieder 8 bis 10% drin sein. Gleichzeitig wird die Modellpalette gestrafft, Kosten sollen runter und China stärker lokalisiert werden.
Das wird natürlich nicht über Nacht funktionieren. Aber BMW braucht aus meiner Sicht auch keine Rückkehr zu alten Traumrenditen, damit die Aktie wieder deutlich höher stehen kann. Es würde schon reichen, wenn der Markt glaubt, dass die aktuelle Ertragsschwäche nicht dauerhaft ist.
ℹ️ BMW in Kürze
- Die BMW AG (WKN: 519000) baut Automobile und Motorräder im Premiumbereich. Neben der Stammmarke BMW gehören auch die Marken Mini und Rolls-Royce zum Autokonzern aus München.
- Mit rund 2,5 Millionen abgesetzten Fahrzeugen (2025) zählt BMW zu den 15 größten Autoherstellern der Welt.
- BMW ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. Das Unternehmen wird aktuell mit 35,56 Milliarden € bewertet.
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Fazit
In meinem letzten Artikel zur BMW-Aktie am 11. Oktober hatte ich sie bei damaligen Kursen von 52 bis 53 € als kaufenswert eingestuft, was aus heutiger Sicht nicht die schlechteste Idee war. Aber wie ist es jetzt vor den Zahlen?
Grundsätzlich bin ich trotz aller bekannten Probleme des Autobauers der Ansicht, dass sie mit einem Forward-KGV von unter 7 weiterhin günstig bewertet ist. Zudem verlockt eine gute Dividendenrendite von aktuell 7,61% zum Kauf. Insofern könnten mutige Anleger aus meiner Sicht vor den Zahlen zuschlagen. Wer lieber auf der sicheren Seite sein will, wartet besser ab. Kaufen kann man schließlich immer.
Ein Tipp: Manche Dividenden-Titel werden derzeit vom Markt unterschätzt und bieten dadurch attraktive Einstiegschancen. Hier findest Du zehn konkrete Kandidaten, die sowohl durch Ausschüttungen als auch durch Kurspotenzial überzeugen könnten.