Mercedes-Benz-Aktie: Günstig genug zum Kaufen?
Eine enttäuschende Marge
Vor ein paar Jahren hätte es ziemlich günstig ausgesehen, wenn man sich den Kurs der Mercedes-Benz-Aktie angesehen und 40 € entdeckt hätte. Heute schauen Anleger offensichtlich genauer hin. Denn hinter der niedrigen Notierung steckt natürlich etwas, und zwar ein Autogeschäft, das kaum noch Geld verdient.
Die Zahlen für das dritte Quartal haben das erneut bestätigt. Der Konzern erzielte 1,77 Milliarden € EBIT und damit sogar etwas mehr als erwartet. Trotzdem senkte Mercedes-Benz gleichzeitig die Jahresprognose.
Der alarmierende Wert steckt im Autogeschäft. Mercedes-Benz Cars kam im dritten Quartal auf eine bereinigte Umsatzrendite von gerade einmal 2,5%. Im Vorjahresquartal waren es noch 4,8%. Das bereinigte EBIT der Pkw-Sparte hat sich auf 560 Millionen € praktisch halbiert. Für einen Hersteller, der jahrelang auf „Luxury“ und besonders hohe Margen gesetzt hat, ist das ziemlich enttäuschend.
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Immer wieder China
Die Ursache ist bekannt und nochmals bestätigt worden: In China läuft das Geschäft miserabel. Lokale Hersteller setzen Mercedes mit günstigeren und technisch starken Modellen unter Druck. Dazu kommen höhere Materialkosten und Ausgaben für den Modellwechsel.
Der Konzern reagiert und senkt die Erwartungen: Für das Gesamtjahr soll die bereinigte Marge bei Mercedes-Benz Cars jetzt nur noch zwischen 2 und 3% liegen. Zuvor waren 3 bis 5% angepeilt. Auch beim Konzern-EBIT und beim freien Cashflow wurde die Prognose zurückgenommen.
Wenn man so will, ist das der Teil dieser Investmentstory, der den niedrigen Aktienkurs begründet. Es gibt aber noch eine andere Seite der Medaille.
Nicht alles ist schlecht
Denn bei Mercedes-Benz ist nicht alles so schlecht, wie es auf den ersten Blick aussehen mag. Außerhalb Chinas sieht die Welt besser aus. Der Absatz stieg in Europa um 5% und in den USA um 6%. Noch auffälliger: Die Verkäufe vollelektrischer Modelle legten im dritten Quartal um 61% zu und erreichten einen neuen Rekord.
Auch Vans und Financial Services verdienen ordentlich Geld. Die Vans-Sparte kam auf eine Marge von 9,4%, die Finanztochter steigerte ihr bereinigtes EBIT um 42%.
Der Konzern ist also keineswegs insgesamt „kaputt“. Sondern das Problem sitzt ziemlich klar im Pkw-Geschäft und hier vor allem in China. Was die Mercedes-Benz-Aktie leider aktuell schwer zu greifen macht.
Analysten werden vorsichtiger
Entsprechend verwundert es wenig, dass die Analysten überwiegend vorsichtiger werden. Nach den Quartalszahlen haben mehrere Marktbeobachter ihre Kursziele gesenkt.
Die UBS reduzierte ihr Ziel auf 42,50 € und bleibt bei „Neutral“. Jefferies sieht als Kursziel 46 €. Die DZ Bank senkte ihren fairen Wert auf 48 €, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Deutlich optimistischer ist die Deutsche Bank mit 65 €. JPMorgan bleibt sogar bei 70 €.
Allein diese große Spannbreite untermauert meine Aussage, dass die Mercedes-Benz-Aktie schwer zu greifen ist. Letztlich ist es aus meiner Sicht so: Wer an eine Erholung der Margen glaubt, sieht bei einem Kurs von 40 € viel Potenzial. Wer davon ausgeht, dass der Preisdruck in China dauerhaft bleibt, findet die Aktie selbst auf diesem Niveau wohl nicht zwingend billig.
Und jetzt?
Charttechnisch steckt die Mercedes-Benz-Aktie seit Wochen grob in einer Spanne zwischen 39 und 42 € fest. Immerhin ist der Kurs zuletzt nicht weiter eingebrochen. Das könnte meiner Meinung nach der Beginn einer Bodenbildung sein, mehr aber noch nicht.
Interessant wird es erst oberhalb von 42 €. Dort müsste die Aktie nachhaltig drüber, damit aus dem Gedümpel tatsächlich eine Erholung wird.
Fundamental ist die Bewertung zweifelllos inzwischen niedrig. Das Forward-KGV liegt nur bei rund 7. Dazu bietet dies Aktie eine bislang hohe Dividendenrendite von 8,6%.
ℹ️ Mercedes-Benz in Kürze
- Mercedes-Benz (WKN: 710000) ist einer der traditionsreichsten Autohersteller der Welt. Mit einem Absatz von rund 2 Millionen Fahrzeugen (Pkw und Vans) gehört der Konzern mit Sitz in Stuttgart zu den drei wichtigsten Autobauern Deutschlands.
- Gemessen am Umsatz zählt die Mercedes-Benz-Gruppe sogar zu den größten Autoherstellern der Welt.
- An der Börse wird das im DAX gelistete Unternehmen mit ca. 39,33 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Für mich ist die Mercedes-Benz-Aktie auf diesem Kursniveau ein spekulativer Kauf, der mit einer starken Dividendenrendite versüßt wird. Mir scheint bei 40 € der meiste Ärger eingepreist zu sein.
Die enttäuschende Marge von 2,5% lässt sich natürlich nicht schönreden. Wer die Aktie jetzt also kauft, wettet somit darauf, dass der Konzern seine Ertragskraft künftig wieder steigern kann. In meinen Augen ist das eine veritable Wette.
Ein Tipp: Manche Dividenden-Titel werden derzeit vom Markt unterschätzt und bieten dadurch attraktive Einstiegschancen. Hier findest Du zehn konkrete Kandidaten, die sowohl durch Ausschüttungen als auch durch Kurspotenzial überzeugen könnten.