stock.adobe.com/Photocreo_Bednarek

RWE-Aktie: Wie sind die Erwartungen einzuschätzen?

Vor Quartalszahlen
Die RWE-Aktie notiert weiterhin auf einem hohen Niveau, bewegte sich zuletzt jedoch überwiegend in einer engen Handelsspanne zwischen 55 und 60 €. Am Montag steht sie aktuell bei 56,50 €. Hier stellt sich die Frage: Bleibt die Aktie in dieser Range oder gelingt der Ausbruch nach oben?

Prognose angehoben

Aufgrund der bisherigen Geschäftsentwicklung ist der Konzern zuversichtlicher geworden und hat seine Jahresprognose für 2026 angehoben.

Das bereinigte EBITDA soll im laufenden Geschäftsjahr nun zwischen 5,75 und 6,35 Milliarden € liegen. Zuvor wurde eine Spanne von 5,2 bis 5,8 Milliarden € erwartet. Besonders in den Segmenten Offshore-Windenergie und Flexible Erzeugung wurden die Erwartungen nach oben angepasst.

Auch beim bereinigten Nettoergebnis wurde die Prognose angehoben. Statt 1,55 bis 2,05 Milliarden € werden nun 1,95 bis 2,45 Milliarden € erwartet. Daraus ergibt sich ein Nettogewinn je Aktie (EPS)  von 2,60 bis 3,30 €

Für 2027 wird mit einer weiteren Verbesserung gerechnet. Dann soll das bereinigte EBITDA zwischen 6,7 und 7,3 Milliarden € liegen. Beim bereinigten Nettoergebnis wird eine Spanne von 2,2 bis 2,7 Milliarden € erwartet. Das EPS soll dann auf 2,80 bis 3,50 € steigen. Für die kommenden Jahre rechnet RWE mit weiter steigenden Erträgen. Bis 2031 soll der Gewinn je Aktie auf rund 4,55 € steigen. Das entspricht einem erwarteten jährlichen Wachstum von etwa 10%.

Damit zeichnet sich für RWE eine weiterhin dynamische Ergebnisentwicklung ab. Der Umbau des Konzerns zum reinen Stromerzeuger hat sich gelohnt.

Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.

Gute Zahlen erwartet

Die angehobene Prognose bildet die Grundlage für die Erwartungen an die kommenden Quartalszahlen.

Obwohl der Umsatz im ersten Halbjahr zurückging, konnte RWE den Gewinn deutlich steigern. Die Ertragskraft verbessert sich unter anderem durch den zunehmenden Beitrag der erneuerbaren Stromerzeugung. Sind Wind- und Solaranlagen erst einmal in Betrieb, können sie Strom mit vergleichsweise niedrigen laufenden Kosten produzieren.

Mittelfristig könnte sich auch die Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion positiv auf die Ertragslage auswirken.

Wie hoch EBITDA und Nettogewinn letztlich ausfallen, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen insbesondere die erzeugte Strommenge, die erzielten Strompreise und die Entwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche.

Im dritten Quartal könnten vor allem die Solaranlagen von einer guten Stromproduktion profitiert haben. Ob sich dies entsprechend in den Geschäftszahlen niederschlägt, bleibt abzuwarten.

Bewertung

Die Voraussetzungen für gute Quartals- und Jahreszahlen sind grundsätzlich gegeben. Ob sich die hohen Steigerungsraten aus dem ersten Halbjahr fortsetzen ist fraglich.

Für den weiteren Kursverlauf kommt es deshalb nicht nur darauf an, ob RWE gute Zahlen vorlegt, sondern vor allem darauf, wie diese im Verhältnis zu den Erwartungen der Analysten ausfallen. Werden sie übertroffen, könnte dies den Kurs weiter antreiben. Bleiben die Zahlen dagegen hinter den Erwartungen zurück, wäre auch ein erneuter Rückgang möglich.

Ein weiterer Einflussfaktor ist die Stimmung rund um Künstliche Intelligenz. Der Ausbau von KI-Rechenzentren erhöht den Bedarf an zuverlässiger Stromversorgung und kann damit zusätzliche Nachfrage nach Energieerzeugung und Netzinfrastruktur schaffen. Wie stark RWE davon langfristig profitiert, hängt jedoch davon ab, welche Projekte tatsächlich umgesetzt werden und wie sich die Strompreise entwickeln.

Ein Pluspunkt für die Aktie bleibt die Dividende. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei rund 2,1%. Bei einer weiteren Verbesserung der Ertragslage sind zusätzliche Dividendenerhöhungen grundsätzlich möglich.

ℹ️ RWE in Kürze

  • RWE (WKN: 703712) ist einer der führenden internationalen Energieproduzenten in Europa. Das Kerngeschäft ist die Stromerzeugung, wobei der Wandel hin zu erneuerbarer Stromerzeugung massiv vorangetrieben wird.
  • Neben dem Hauptsitz in Essen unterhält der Konzern Niederlassungen in Europa den USA sowie in Asien.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 44 Milliarden €.

RWE kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über RWE und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

RWE weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »

Fazit

Die Aussichten auf gute Quartals- und Jahreszahlen sind aus meiner Sicht positiv. Die Anhebung der Prognose und die erwarteten Ergebnissteigerungen bis 2027 bilden dafür eine solide Grundlage. Entscheidend wird jedoch ob sie im Rahmen der Markterwartungen liegen.

Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei rund 68 €, wobei die genannten Zielkurse zwischen 65 und 75 € liegen. Ich sehe den fairen Wert der Aktie bei etwa 65 €. Ausgehend vom aktuellen Kurs von 55,70 € entspricht das einem möglichen Kursanstieg von rund +15%.

Insgesamt bleibe ich für RWE positiv gestimmt. Die Aktie eignet sich hervorragend für konservative Anleger mit einem längeren Anlagehorizont.

Für uns liegt die eigentliche Börsenchance der Energiekrise nicht im Rohstoff selbst, sondern in der Infrastruktur dahinter. Welche Aktien hier spannend erscheinen, erfährst Du kostenlos im Report Energiekrise als Börsenchance.