Bei SUSS MicroTec reißt die Serie schwacher Handelstage nicht ab. Am heutigen Freitag rutschte das Papier des Halbleiterausrüsters auf 50,85 € ab. Binnen eines Monats summiert sich das Minus auf rund 30%, und vom 52-Wochen-Hoch bei 111,40 € hat sich der Kurs mehr als halbiert. Die Analysten bleiben dennoch optimistisch, und Anfang November legt das Unternehmen seine Zahlen zum dritten Quartal vor. Ist der Ausverkauf bei dem Chipzulieferer übertrieben?
Chipwerte unter Abgabedruck
Heute drückten Zahlen aus dem US-Technologiesektor auf die gesamte Halbleiterbranche, und SUSS MicroTec traf es besonders hart. Schon in der Vorwoche hatten unerwartet hohe Inflationsdaten aus den USA, Zinssorgen und Zweifel an der Finanzierung der KI-Infrastruktur Chipwerte weltweit unter Druck gesetzt. Am 20. Oktober war die Aktie mit 54,15 € auf ein neues Sechs-Monats-Tief gefallen. Dieses Niveau ist inzwischen klar unterschritten.
Aus meiner Sicht ist der Kursrutsch vor allem eine Reaktion auf das Branchenumfeld. Eine eigene negative Unternehmensnachricht gab es in dieser Woche nicht. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Aktie trotz des Einbruchs noch rund 45% im Plus. Im Kurs steckte also viel KI-Fantasie, und genau die wird jetzt abgebaut.
Aufträge laufen Auslieferungen voraus
Den Kern der Debatte bildet die Frage, wie schnell SUSS seine Aufträge in Umsatz verwandelt. Nach dem Rekordumsatz von 503,2 Millionen € im Jahr 2025 hat der Vorstand 2026 als Übergangsjahr ausgegeben. Für 2026 plant er einen Umsatz von 425 bis 485 Millionen € und eine EBIT-Marge von 8% bis 10%, nach 13,1% im Vorjahr. Im ersten Quartal lag der Umsatz bei 86,5 Millionen €, im zweiten Quartal bei 116,23 Millionen € mit einem Nettoergebnis von 6,28 Millionen €. Der Auftragseingang hat dagegen zuletzt Rekordniveau erreicht.
Für das dritte Quartal rechnet Berenberg-Analystin Amelie Dueckelmann-Dublany mit weiter steigenden Aufträgen, aber stagnierenden Auslieferungen. Sie bestätigte am 15. Oktober ihr Kaufvotum mit Kursziel 125 € und sieht in der Nachfrage die Grundlage für kräftiges Wachstum und bessere Margen nach dem Übergangsjahr. Vorsichtiger klingt MPCM: Analyst Malte Schaumann bleibt zwar bei „Buy“ mit Kursziel 105 €, hat seine Schätzungen vor den Quartalszahlen aber gesenkt. Grund sind zunehmende Hinweise auf Engpässe bei Komponenten, die er kurzfristig als Risiko einstuft. Ich halte diesen Punkt für den wichtigsten: Lieferprobleme würden Umsatz und Marge verschieben, selbst wenn die Nachfrage stimmt.
Bewertung setzt auf 2027
Grob gerechnet kommt die Aktie beim aktuellen Kurs auf Basis der Gewinnschätzungen für 2026 noch auf ein KGV von rund 30. Die hohe Kennzahl spiegelt das Übergangsjahr mit sinkender Marge wider. Für 2027 erwarten Analysten im Schnitt einen Umsatzsprung auf rund 640 Millionen €, nach etwa 458 Millionen € im laufenden Jahr. Wird dieses Wachstum erreicht, sinkt das KGV für 2027 auf Basis der Schätzungen auf etwa 16 oder darunter. Bis 2030 will SUSS den Umsatz auf 750 bis 900 Millionen € steigern.
Auf Basis der Gewinne für 2026 ist die Aktie damit kein Schnäppchen, die Bewertung hängt am Wachstumssprung 2027. Alle sieben Analysten, die den Wert beobachten, raten derzeit zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel von 105 € liegt mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs.
Fazit
Ich halte den Ausverkauf für überzogen, wenn ich auf die Auftragslage und die Wachstumsziele schaue. Für mich bleibt aber offen, ob die Engpässe bei Komponenten die Auslieferungen weiter bremsen. Solange der Halbleitersektor unter Druck steht, könnte die Aktie trotz guter Aufträge weiter fallen.
Entscheidend wird nun sein, ob SUSS am 5. November steigende Aufträge meldet und gleichzeitig glaubhaft zeigt, dass Lieferungen und Margen 2027 anziehen. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten, denn ein Verkauf nach dem Absturz käme aus meiner Sicht zur Unzeit. Für einen Neueinstieg würde ich die Quartalszahlen abwarten. Bestätigen sie die Erwartungen der Analysten, könnte ein schrittweiser Einstieg um die Marke von 50 € interessant sein. Wer jetzt einsteigt, müsste allerdings damit rechnen, dass die Kursschwankungen bei diesem Wert vorerst hoch bleiben.
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