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Kioxia-Aktie: Value-Chance oder Value-Trap?

Fast zwei Drittel unter dem Top
Nach einem massiven Kursrutsch um mehr als -10% am Donnerstag kann sich die Kioxia-Aktie am Freitag wieder erholen. Auf der Handelsplattform Tradegate gewinnt der Kurs aktuell fast +6% und klettert auf 72,20 €. Startet nun das große Comeback beim japanischen Speicherhersteller oder droht eine weitere Korrekturwelle?

KI-Sorgen und Margin Calls verschärfen den Absturz

Seit dem Hoch von 207 € in der zweiten Junihälfte hat die Aktie rund -65% verloren. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung im August und September beschleunigte sich der Abwärtstrend Anfang Oktober erneut. Auslöser ist die wachsende Skepsis gegenüber der Rentabilität milliardenschwerer KI-Investitionen. Der sogenannte ROI-Schock erfasst den gesamten Halbleitersektor und trifft auch Kioxia als NAND-Flash-Spezialisten für Rechenzentren.

Zusätzlichen Sprengstoff bergen kreditfinanzierte Aktienkäufe. Laut Bloomberg summierten sich Kioxias gehebelte Long-Positionen am 15. Oktober auf rund 920 Milliarden Yen. Ein zwischenzeitlicher Datenfehler an der Tokioter Börse erschwerte die Einordnung dieser Bestände. Werden Anleger bei fallenden Kursen zu Nachschüssen oder Zwangsverkäufen gezwungen, kann sich der Abwärtsdruck weiter verstärken. Das ist ein erhebliches technisches Risiko, aber kein Beleg dafür, dass Margin Calls allein den Kurssturz verursacht haben.

Auch ein im September berichteter Preisstopp bei NAND-Speichern für Rechenzentrumskunden schürt Zweifel an der Margenentwicklung. Offenbar soll damit verhindert werden, dass höhere Preise die Nachfrage ausbremsen. Ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Abschwächung entsteht, müssen die nächsten Zahlen zeigen.

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Fundamentaldaten sprechen weiterhin für Kioxia

Dem Börsenpessimismus stehen beachtliche operative Fortschritte gegenüber. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres steigerte Kioxia den Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 76,2% auf rund 1,77 Billionen Yen. Zudem hob S&P Global Ratings am 13. Oktober das langfristige Emittentenrating von BBB− auf BBB an und vergab einen positiven Ausblick.

Auch der Aktiensplit im Verhältnis 1:3 Ende September sowie das bereits im August abgeschlossene Aktienrückkaufprogramm über 800 Milliarden Yen gehören ins Gesamtbild. Der Rückkauf reduzierte die Zahl ausstehender Aktien und erhöht somit den Gewinn je Aktie. Ein möglicher US-Börsengang über ADRs mit einem angestrebten Volumen von bis zu 10 Milliarden US$ könnte für weitere Impulse sorgen, dieser ist aber noch nicht bestätigt.

Bewertung günstig, Analysten optimistisch

Die vorliegenden Konsensdaten zeichnen ein ausgesprochen positives Analystenbild: 18 von 20 Experten empfehlen den Kauf der Aktie. Durchschnittliche Kursziele von rund 39.000 Yen (umgerechnet 221 €) signalisieren erhebliches Potenzial. Mit einem geschätzten Forward-KGV von lediglich 3,5 erscheint die Aktie zudem ausgesprochen günstig bewertet. Allerdings hängen solche Multiplikatoren stark davon ab, ob die derzeit außergewöhnlich hohen Gewinne auch nachhaltig sind.

Am 30. Oktober folgt der nächste Härtetest. Für das zweite Quartal werden rund 2,39 Billionen Yen Umsatz erwartet. Beim operativen Ergebnis wird mit rund 1,9 Billionen Yen gerechnet. Entscheidend sind aber weniger die absoluten Zahlen als vielmehr der Ausblick, die Margen und Hinweise zur Preisentwicklung bei NAND-Speichern.

Jetzt entscheidet die Unterstützungszone

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt: Der Kurs notiert unter der 50- und der 200-Tage-Linie. Bei 72,43 € verläuft die 50-Wochen-Linie, darunter wartet das Juli-Tief bei 67,33 €. Diese Zone könnte eine Bodenbildung ermöglichen. Fällt sie nachhaltig, droht ein weiterer Rückgang in Richtung 47 bis 50 €.

ℹ️ Kioxia in Kürze

  • Die Kioxia Holdings Corporation (WKN: A401DU) ist einer der weltweit führenden Entwickler und Hersteller von Flash-Speichern (NAND) und Solid-State-Drives (SSDs).
  • Die Speicherlösungen des Konzerns kommen in Smartphones, Personal Computern, Servern, Spielekonsolen und modernen KI-Rechenzentren zum Einsatz.
  • Das in Tokio in Japan beheimatete Unternehmen (ehemals Toshiba Memory) gilt als Erfinder des Flash-Speichers und ist ein Schlüsselakteur bei der Infrastruktur für datenintensive Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz.
  • Kioxia ist an der Börse in Tokio gelistet, bereitet aktuell einen milliardenschweren US-Börsengang vor und gehört mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 126 Milliarden € zu den bedeutendsten Halbleiterkonzernen Asiens.

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Fazit

Ich bin für Kioxia trotz des dramatischen Kursverlusts weiterhin bullisch gestimmt. Die strukturelle KI-Story ist intakt, die Bonität verbessert sich und die Bewertung ist nochmals deutlich gesunken. Damit hat sich das Chance-Risiko-Verhältnis meines Erachtens klar verbessert. Doch billig allein ist kein Kaufgrund. Vor einem Einstieg würde ich daher unbedingt eine belastbare Bodenbildung abwarten, um nicht ins fallende Messer zu greifen. Der Quartalsbericht könnte dafür den entscheidenden Impuls liefern.

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