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Delta Air Lines-Aktie: Umsatzrekord trifft Kerosin-Schock

Volle Kabinen, pralle Kassen
Erst wenn es wirtschaftlich so richtig blöd läuft erkennt man die wahre Stärke eines Unternehmens. Delta Air Lines hat mit den neuesten Quartalszahlen überrascht in einem Umfeld, in dem Treibstoffkosten um über 60% gestiegen sind. Der Großinvestor Berkshire Hathaway dürfte sich freuen über die Qualität seiner jüngsten Investition. Wie attraktiv ist das Chancen-Risiko-Profil der Aktie aktuell?

Der Kerosin-Stresstest

Vor US-Börsenöffnung legte Delta Air Lines die Zahlen für das dritte Quartal vor. Die erste Marktreaktion folgte prompt: Das Papier startete rund -3% schwächer in den Handelstag. Auf den ersten Blick verfehlte die Airline mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 1,72 US$ die Erwartungen der Wall Street von ca. 1,82 US$ knapp. Wer jedoch genauer hinsieht, erkennt enorme operative Resilienz von Delta in wirklich außergewöhnlich schwierigen Zeiten.

Mit einem Rekordumsatz von 20,2 Milliarden US$ (+16% gegenüber dem Vorjahr) übertraf Delta die Erwartungen der Analysten von ca. 17,6 Milliarden US$ deutlich. In den höheren Beförderungsklassen (First Class, Delta One, Premium Select) verzeichnet die Fluggesellschaft überproportionale Zuwächse. Geschäftsreisende und einkommensstarke Privatkunden sind deutlich weniger preissensibel und diese Fokussierung Deltas zahlt sich derzeit mehr aus denn je.

Obwohl der Grund für die Dämpfung des EPS an den massiv explodierenden Kerosinpreisen liegt, die um satte 62%  im Jahresvergleich in die Höhe schossen, konnte Delta das Gesamtergebnis nahezu auf Vorjahresniveau behaupten. Die Preissetzungsmacht des Branchenprimus ist enorm. Das ist mit das stärkste Kaufargument für die Aktie.

Mehr Reisen und teurer denn je

Delta konnte die gestiegenen Kosten an die Kunden mit Leichtigkeit weiterreichen, denn die Buchungslage zeigt keinerlei Abkühlung. Das vierte Quartal ist bereits zu über 60% ausgebucht. Chief Commercial Officer Joe Esposito betonte, dass man keinerlei Risse oder Abschwächungen bei der Konsumnachfrage sehe. Delta rechnet für das Schlussquartal mit einem Umsatzwachstum von ca. 20% bei lediglich 3% Kapazitätswachstum.

Die Ticket-Vorverkäufe stiegen im abgelaufenen Quartal um knapp 20% gegenüber dem Vorjahr. Das ist die höchste Zuwachsrate bei Vorab-Buchungseinnahmen seit der Erholungsphase 2022. Die internationalen Buchungen – allen voran auf der Transatlantik-Route und in Lateinamerika (+22%) führen das Wachstum an. Gleichzeitig wuchsen die Buchungen im Premium-Segment (First Class, Delta One) und beim Treueprogramm um knapp 20%. Auch für die ersten Monate von 2027 zeigt der Trend bei frühen Buchungsindikatoren ein ähnlich starkes Niveau wie im vierten Quartal.

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Der Trick hinter hohen Kerosinpreise

Auf den ersten Blick ist man als Anleger verunsichert. Die weitere Entwicklung des Energiemarktes ist unklar und das spricht vorerst gegen ein Investment in Delta. Doch die andere Seite der Medaille zeigt, dass Fluglinien bekanntlich ihre Ticketpreise nicht mehr so schnell senken, selbst wenn der Kerosinpreis sinken sollte. Das bedeutet also, dass in Zukunft, wenn die Wirtschaftslage sich etwas lockert, Delta profitabler sein dürfte als aktuell.

An der Stelle sollte noch einmal die starke Profitabilität aufgezeigt werden: Im zweiten Quartal 2026 lag die operative Marge von Delta bei rund 9,4%, gegenüber 5,4% bei Konkurrent United und 6,7% bei Southwest.

Das Berkshire-Argument

Nachdem Warren Buffett im Frühjahr 2020 zu Beginn der Pandemie bekanntlich alle Airline-Aktien komplett verkauft hatte, stieg Berkshire Hathaway im Jahr 2026 überraschend wieder bei Delta ein. Nach Offenlegung einer Position von rund 39,8 Millionen Aktien stockte Berkshire die Beteiligung im 2. Quartal 2026 um weitere 44% auf. Somit hielt Berkshire zuletzt ca. 8,7% der Anteile an Delta.

Warum liebt Buffett Delta?

1.Wettbewerbsvorteil: Delta ist im Gegensatz zu vielen Konkurrenten keine reine Ticket-Verkaufsplattform mehr, sondern generiert einen Großteil des Gewinns über hochprofitable Kooperationen wie das Amex-Loyalitätsprogramm. Das Kartenwachstum verzeichnete im dritten Quartal erneut zweistellige Zuwächse. Delta steuert auf das fünfte Jahr in Folge mit über 1 Million Neukunden zu. Diese Einnahmen weisen extrem hohe Margen auf und fließen weitgehend unabhängig vom Kerosinpreis.

2. Preissetzungsmacht & Bilanztreue: Delta konzentriert sich auf zahlungskräftige Klientel (Premium-Reisende), die auch bei hohen Ticketpreisen weiterhin kaufen. Es fokussiert sich auch auf Cashflow und Schuldenabbau – Eigenschaften, die Buffett und Nachfolger Greg Abel sehr schätzen.

3. Zweite Gewinnquelle: Als einzige Fluggesellschaft betreibt der Konzern eine eigene Ölraffinerie, die in Zeiten hoher Raffineriemargen erhebliche Deckungsbeiträge liefert und den Kerosinschock abfedert.

ℹ️ Delta Air Lines in Kürze

  • Delta gehört mit einer Flotte von über 900 Flugzeugen zu den weltweit größten US-Fluggesellschaften mit Sitz in Atlanta, Georgia (USA).
  • Im Gegensatz zu Billigfliegern wie Ryanair betreibt Delta ein klassisches Hub-and-Spoke-System: Passagiere aus kleineren Städten werden an zentralen Drehkreuzen gebündelt und von dort auf nationale sowie internationale Langstreckenflüge verteilt.
  • Delta betreibt als einzige Airline der Welt eine eigene Erdölraffinerie nahe Philadelphia über die Tochtergesellschaft Monroe Energy und sichert sich dadurch gegen hohe Veredelungsspannen bei Kerosin ab.
  • Der Fluganbieter gehört zu den jüngsten Investments von Berkshire Hathaway und ist derzeit rund 54 Milliarden US$ an der Börse wert.

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Fazit

Die operative Substanz bei Delta stimmt. Sobald der Druck von der Treibstoffseite nachlässt, dürfte sich die hohe Pricing-Power direkt in spürbar höheren Margen niederschlagen, was Delta für mich zu einem Kaufkandidaten macht. Nicht zuletzt wegen des Vorteils einer eigenen Raffinerie und dem Fokus auf das Premium-Kundensegment. Doch Delta bleibt trotz aller Transformation anfällig für sprunghafte Ölpreise, Geopolitik und steigende Personalkosten und ist damit ein sehr volatiles Wertpapier.

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