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Amazon-Aktie zieht wieder an – wie viel geht jetzt noch?

AWS gibt Gas
Amazon hat zum Wochenschluss wieder ordentlich Fahrt aufgenommen und ist um mehr als +3% auf 262,43 US$ gestiegen. Hinter dem Lauf steckt inzwischen weit mehr als das klassische Handelsgeschäft. AWS wächst so schnell wie seit Jahren nicht mehr, das Werbegeschäft legt kräftig zu und auch an der Wall Street bleiben die Erwartungen hoch.

AWS wird für Amazon immer wichtiger

Wer bei Amazon noch zuerst an Pakete und Prime denkt, schaut mittlerweile nur auf einen Teil des Konzerns. Der große Wachstumstreiber sitzt inzwischen in der Cloud. AWS setzte im zweiten Quartal 42,2 Milliarden US$ um und wuchs damit um 37% gegenüber dem Vorjahr. So schnell war die Sparte seit 18 Quartalen nicht mehr gewachsen. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Amazon nach eigener Aussage trotz der massiven Investitionen noch immer nicht genug Rechenkapazität hat, um die komplette Nachfrage bedienen zu können. Ende Juni lagen bereits Aufträge im Wert von 496 Milliarden US$ im AWS-Backlog.

Ein großer Teil davon hängt inzwischen an KI. CEO Andy Jassy sagte nach den letzten Zahlen, dass sowohl das KI- als auch das eigene Chipgeschäft inzwischen jeweils auf einen Jahresumsatz von mehr als 25 Milliarden US$ kommen. Dazu sitzt Amazon mit seiner Beteiligung an Anthropic ziemlich nah an einem der derzeit am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen überhaupt. Fast die Hälfte des Anthropic-Umsatzes lief 2025 über die Cloud-Plattformen von Amazon und Google.

Für Amazon ist das eine ziemlich angenehme Kombination. AWS verkauft die Rechenleistung, Amazon verdient an der Verteilung von Claude über die eigene Plattform mit und profitiert über seine Beteiligung zusätzlich vom Wachstum von Anthropic.

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Die Rechnung dafür ist allerdings gewaltig

Amazon hat seine geplanten Investitionen für 2026 zuletzt um 10% auf rund 220 Milliarden US$ angehoben. Ein großer Teil davon fließt in Rechenzentren, Chips und weitere KI-Infrastruktur. Der freie Cashflow war dadurch auf Sicht von zwölf Monaten zuletzt sogar auf minus 7,6 Milliarden US$ gefallen.

Amazon versucht deshalb inzwischen auch, etwas mehr Luft in die Bilanz zu bekommen. Anfang Oktober wurde bekannt, dass der Konzern Nvidia-Chips im Wert von rund 8 Milliarden US$ in ein separates Finanzierungsvehikel auslagern möchte. Investoren würden die Chips finanzieren und Amazon sie anschließend zurückleasen. So kann der Konzern weiter massiv ausbauen, ohne sämtliche Kosten direkt selbst auf der Bilanz zu tragen.

Das zeigt aber auch ziemlich gut, in welcher Größenordnung Amazon inzwischen unterwegs ist. AWS wächst stark, dafür werden jedes Jahr Summen investiert, bei denen selbst für einen Konzern wie Amazon irgendwann die Frage aufkommt, wie schnell dieses Geld wieder verdient wird. Bisher liefert AWS dafür aber ziemlich gute Argumente.

Beim klassischen Amazon wird weiter gespart

Während bei KI und Rechenzentren Milliarden fließen, wird im Handelsgeschäft an anderer Stelle weiter gekürzt. Erst diese Woche hat Amazon erneut Stellen im Stores-Bereich gestrichen. Weniger als 1.000 Büroarbeitsplätze waren betroffen, nachdem bereits seit dem vergangenen Jahr rund 30.000 Stellen weggefallen sind. Der Konzern versucht damit weiter, das Geschäft nach den massiven Einstellungen während der Pandemie schlanker zu bekommen. Gleichzeitig läuft neben AWS noch ein zweiter Bereich auffällig gut: Werbung.

Die Werbeumsätze stiegen im zweiten Quartal um 26% auf 19,8 Milliarden US$. Amazon verdient inzwischen also nicht nur daran, dass Produkte verkauft werden, sondern zunehmend auch daran, dass Händler dafür bezahlen, möglichst weit oben angezeigt zu werden. Prime Video kommt als zusätzliche Werbefläche noch dazu. Diese Mischung aus Cloud, Werbung und Handel macht Amazon heute deutlich weniger abhängig vom reinen Online-Shopping als noch vor einigen Jahren.

Analysten sehen noch ordentlich Luft

An der Wall Street kommt die Entwicklung ziemlich gut an. TD Cowen hat Anfang Oktober seine Kaufempfehlung bestätigt und sieht die Aktie bei 350 US$. Das Haus rechnet damit, dass AWS im dritten Quartal sogar um rund +41% wachsen könnte. Allein das KI-Geschäft innerhalb von AWS soll nach der Schätzung inzwischen auf fast 10 Milliarden US$ Umsatz kommen.

Auch andere Analysten bleiben offensiv. Telsey kommt auf 335 US$, Susquehanna auf 325 US$ und Tigress Financial sogar auf 385 US$. Im Schnitt liegt das Kursziel der erfassten Analysten derzeit bei rund 332 US$, während die Aktie bei gut 262 US$ steht.

Die Erwartungen sind damit allerdings auch entsprechend hoch. Amazon muss nicht nur wachsen, sondern vor allem zeigen, dass sich die enormen KI-Ausgaben Schritt für Schritt auch im Ergebnis auszahlen.

Für das dritte Quartal hat der Konzern einen Umsatz zwischen 197 und 202 Milliarden US$ in Aussicht gestellt. Beim operativen Gewinn werden 22,5 bis 26,5 Milliarden US$ erwartet. Nach dem starken zweiten Quartal wird AWS dabei erneut einer der Bereiche sein, auf die Anleger besonders schauen.

ℹ️ Amazon in Kürze

  • Amazon (WKN: 906866) mit Hauptsitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ist ein global agierender Online-Versandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette.
  • In vielen Produktkategorien ist Amazon der weltweit führende Einzelhändler. Über die Verkaufs- und Logistikplattform des Konzerns können auch Privatpersonen und andere Händler ihre Produkte anbieten.
  • Neben seiner marktführenden Position im E-Commerce ist Amazon über seine Sparte Web Services auch der weltweit größte Anbieter von Cloud Computing-Diensten.
  • Amazon notiert im Nasdaq 100 sowie im S&P 500 Index und ist mit einem aktuellen Börsenwert von ca. 2,83 Billionen US$ eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.

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Fazit

Bei Amazon passt momentan ziemlich viel zusammen. AWS wächst wieder mit richtig Tempo, Werbung wird immer größer und die Nachfrage nach KI-Rechenleistung ist offenbar so hoch, dass Amazon trotz Investitionen von rund 220 Milliarden US$ weiterhin Kapazitätsengpässe sieht. Der Haken sind eben diese Summen. Amazon steckt gerade enorm viel Geld in Rechenzentren und Chips, während der freie Cashflow darunter leidet. Solange AWS aber mit +30 oder +40% wächst, kann der Konzern diesen Kurs gut erklären. Mit 262,43 US$ ist die Aktie nach dem jüngsten Anstieg auch nicht mehr billig weggekommen. Analystenziele von 325 bis 385 US$ zeigen trotzdem, dass viele Häuser noch einiges erwarten. Der nächste größere Prüfstein wird sein, ob AWS das hohe Wachstum auch im dritten Quartal halten kann.

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