Oracle-Aktie: 18 Milliarden US$ unter Druck – kippt die KI-Wette?
Oracle will sich gegen Verzögerungen absichern
Project Jupiter entsteht auf einem rund 1.400 Hektar großen Gelände im US-Bundesstaat New Mexico. Der von der Blue-Owl-Tochter STACK Infrastructure entwickelte Rechenzentrumskomplex soll Oracle die benötigte Kapazität liefern, um KI-Leistung für OpenAI bereitzustellen.
Ursprünglich soll die Anlage 2028 in Betrieb gehen. Verzögerungen bei der Sicherung der Stromversorgung haben Oracle nun jedoch dazu veranlasst, eine sogenannte Force-Majeure-Mitteilung zu verschicken. Damit versucht sich der Konzern gegen zusätzliche Zahlungen abzusichern, falls das Rechenzentrum später als geplant fertig wird.
Ein Ausstieg aus dem Mietvertrag ist damit offenbar nicht verbunden. Oracle erklärte, das Projekt liege weiterhin im Zeitplan. Auch Blue Owl betonte, dass sich an den finanziellen Verpflichtungen der Beteiligten nichts geändert habe. Nach Angaben einer mit den Verträgen vertrauten Person kann Oracle den Mietvertrag ohnehin nicht einseitig kündigen.
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Die Finanzierung wird zum Warnsignal
Das eigentliche Problem liegt weniger in dem Schreiben als in der Reaktion des Kreditmarktes. Für Project Jupiter wurden Darlehen über rund 18 Milliarden US$ aufgenommen. Diese Kredite werden inzwischen teilweise nur noch zu 89 bis 91% ihres Nennwerts angeboten. Investoren verlangen somit einen deutlichen Risikoabschlag.
Blue Owl soll zusätzlich rund 3 Milliarden US$ Eigenkapital eingebracht haben. Kommt das Rechenzentrum später ans Netz, verschieben sich jedoch die höheren Mieteinnahmen – während Finanzierungs- und Baukosten weiterlaufen.
Berichten zufolge könnte sich das Projekt um ungefähr ein Jahr verzögern. Neben der fehlenden Stromversorgung belasten Schwierigkeiten bei einer geplanten Gaspipeline, Genehmigungsverfahren und Klagen wegen möglicher Auswirkungen auf Wasser- und Luftqualität. Oracle trägt damit zwar nicht sämtliche Baukosten selbst, hängt wirtschaftlich aber tief in der Finanzierung.
Der Fall könnte zudem die Finanzierung weiterer KI-Rechenzentren verteuern. Banken und Investoren hinterfragen zunehmend, wer für Mehrkosten aufkommt, wenn Stromanschlüsse, Genehmigungen oder Bauarbeiten länger dauern als geplant.
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Die Nachfrage ist nicht das Problem
Operativ wächst Oracles Cloud-Geschäft weiterhin rasant. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg der Konzernumsatz um +30% auf 19,3 Milliarden US$. Die gesamten Cloud-Erlöse erhöhten sich um +62% auf 11,6 Milliarden US$, während das Geschäft mit Cloud-Infrastruktur sogar um +121% zulegte.
Der noch nicht abgearbeitete Auftragsbestand erreichte 664 Milliarden US$ – 209 Milliarden US$ mehr als ein Jahr zuvor. Allein im vergangenen Quartal schloss Oracle zusätzliche KI-Cloud-Verträge über mehr als 30 Milliarden US$ ab.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Kunden Rechenleistung bestellen. Oracle muss die versprochenen Kapazitäten rechtzeitig und zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten bereitstellen.
Im abgelaufenen Quartal investierte der Konzern 28,5 Milliarden US$ und verbuchte einen negativen freien Cashflow von 5,4 Milliarden US$. Kundenvorauszahlungen über 11,36 Milliarden US$ reduzierten zwar den eigenen Finanzierungsbedarf, beseitigen das Risiko des gigantischen Ausbaus aber nicht.
ℹ️ Oracle in Kürze
- Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
- Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
- Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von fast 70 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
- Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 422 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Die Force-Majeure-Mitteilung kippt Oracles KI-Story noch nicht, ist aber ein ernstes Warnsignal. Der Auftragsbestand und das Cloud-Wachstum zeigen enormes Potenzial, während Project Jupiter verdeutlicht, wie kapitalintensiv und störanfällig dessen Umsetzung ist. Für risikobereite Anleger bleibt die Oracle-Aktie interessant – einen Rücksetzer würde ich angesichts des negativen Cashflows jedoch nicht blind kaufen.