Berentzen-Aktie +23%: Sazerac greift nach Schnaps-Hersteller

5,55 € je Aktie – jetzt wird es spannend
Steht der deutsche Kult-Getränkehersteller Berentzen vor Verkauf in die USA? Die Firma bestätigt sie befände sich mit dem US‑Branchenriesen Sazerac in Gesprächen zu einer Übernahme, die Ende 2026 vollbracht werden soll. Die Aktie regiert prompt. Doch bevor die Hoffnung zu groß wird: Berentzen soll auf Wunsch von Sazerac nach Übernahme von der Börse genommen werden. Der einzige Vorteil für Aktionäre der Aktie ist der Kauf der Aktie zu einem niedrigeren Preis als 5,55 €.

Neue Wellen im Spirituosen-Markt

Der vor allem mit seinem Apfelkorn berühmt gewordene Getränkehersteller Berentzen fehlt auf keiner Party, aber in fast jedem Depot. Es ist eine unbekannte deutsche Aktie, da sie in keinem der DAX-Indizes gelistet ist. Für den US‑Riesen Sazerac, der Marken wie Southern Comfort, Fireball und Buffalo Trace unter seinem Dach hat, wäre eine Übernahme eines Konzerns, der nicht mal eine halbe Milliarde an der Börse wert und damit eine Micro Cap ist, kein großes Thema.

Sazerac bietet 5,55 € je Berentzen-Aktie in bar. Bei einer Aktienanzahl von 9,6 Millionen ergibt das einen Gesamtübernahmepreis von 53 Millionen €. Das ist bemerkenswert wenig für einen Konzern mit einer über 250-jährigen Geschichte und einem Jahresumsatz von zuletzt rund 163 Millionen €.

Allerdings ist die aktuelle operative Situation deutlich schlechter. Noch 2025 erzielte Berentzen einen Umsatz von 163 Millionen € und ein EBITDA von 17,1 Millionen €. Doch im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz bei 71 Millionen € vs. 79,9 Millionen € im Vorjahr (rund 11% weniger). Das EBITDA fiel um ganze 81% auf 4,9 Millionen € vs. 7,4 Millionen € im Vorjahr.

Warum kauft Sazerac also ausgerechnet jetzt ein schwaches Berentzen?

Was ist da los?

Berentzen hatte zuletzt mit schleppender Nachfrage nach seinem Alkohol-Portfolio zu kämpfen. Kein Wunder, denn die Konsumnachfrage nach Alkohol sinkt in Deutschland rapide. So ist der Getränkehersteller nach dem schwachen Jahresendgeschäft 2025 mit sehr hohen Beständen ins Jahr 2026 gestartet.

Sazerac kauft also nicht die aktuellen Gewinne von Berentzen, sondern vor allem Marken, Marktposition, Produktionskapazitäten und den Zugang zum europäischen Markt. Der US-Wishkey-Konzern selbst formuliert als Ziel, mit Berentzen eine führende Spirituosenplattform in Europa aufzubauen. Der Konzern möchte die Berentzen-Marken und vor allem seine eigenen Marken gemeinsam über die europäische Plattform produzieren und vertreiben. Ein wichtiger Schritt im Hinblick auf die angespannte und kostspielige Zollsituation.

Am 16. September hatte Berentzen zunächst nur bestätigt, dass Verhandlungen mit Sazerac laufen. Schon da schoss die Aktie exponentiell hoch. Heute wurde dann ein Business Combination Agreement unterzeichnet. Darin sind die wesentlichen Bedingungen der Transaktion festgelegt. Der Vollzug wird für das 4. Quartal 2026 erwartet.

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Aktionäre entscheiden selbst!

Sobald die Annahmefrist nach der BaFin-genehmigung startet, kann jeder Aktionär seine Berentzen-Aktien zu 5,55 € an Sazerac verkaufen. Dafür muss er das Angebot über seine Bank annehmen. Wer nichts tut, behält seine Aktien zunächst. Das Berentzen-Management hat angekündigt, den Aktionären die Annahme des Angebots zu empfehlen.

Aktionäre wissen damit also konkret welchen Preis Sazerac für ihre Aktien zahlen will. Das Angebot liegt deutlich über dem Kurs vor Bekanntwerden der Übernahme. Wer Berentzen bereits vorher besaß, erhält damit einen erheblichen Aufschlag.

Sazeracs Spirituosen-Imperium

Sazerac Company ist ein US-amerikanischer, familiengeführter Spirituosenkonzern mit Sitz in Louisville, Kentucky. Das Unternehmen wurde 1850 gegründet und besitzt bzw. vermarktet mehr als 500 Spirituosenmarken. 2025 erzielte es nach eigenen Angaben einen Umsatz von mehr als 6 Milliarden US$.

Sazarec dem Jack-Daniel‘s-Hersteller Brown-Formann im laufenden Jahr einen 15 Milliarden schweren Übernahme-Deal angeboten. Hier kassierte man allerdings einen Korb. Die Meldung zeigt aber die finanzielle Potenz von Sazarec. Der US-Riese kaufte anschließend stattdessen den britischen Spirituosen-Hersteller Au Vodka. Laut Bloomberg legte man hier knapp 350 Millionen € auf den Tisch.

ℹ️ Berentzen in Kürze

  • Berentzen (WKN: 520160) ist ein 1758 gegründeter deutscher Getränke- und Spirituosenhersteller aus Haselünne im Emsland.
  • Der große Erfolg kam 1976 mit Berentzen Apfelkorn, später wurde das Portfolio unter anderem um Puschkin und alkoholfreie Getränke wie die Mio Mio Mate erweitert.
  • Berentzen ist inzwischen in mehr als 60 Ländern aktiv und an der Börse seit 1994 gelistete. Der Börsenwert beträgt heute 42,5 Millionen €, damit gehört die Aktie zu den Micro Caps.

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Fazit

Die einzige Spekulation, die hier in Frage kommt für Privatanleger, ist die Wette auf einen niedrigeren Aktienkurs als 5,55 € kurz vor Beginn der Annahmefrist. Wenn die Aktie unter dieser Marke notiert, dann kann jeder Aktionär von einem Aufschlag profitieren. Der Aktienkurs liegt derzeit nach all den Meldungen bei 5,54 €. Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass er noch weiter ansteigt, da der Deal bereist vollständig eingepreist ist. Die Anleger erwarten eine erfolgreiche Annahme seitens der Aktionäre.