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Microsoft-Aktie: Eigene KI zu schwach – deshalb der Claude-Angriff?

Intensiver Wettbewerb
Vincent Uhr
Microsofts KI-Chef Mustafa Suleyman warnt, Anthropics Claude könnte aufgrund seines Trainings langfristig schwerer kontrollierbar werden. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil Microsoft Claude selbst in seine Copilot-Produkte integriert. Hinter der Kritik stehen reale Sicherheitsfragen – aber auch ein wachsender Wettbewerber, der Microsoft inzwischen direkt in dessen lukrativstem Geschäft angreift.

Claude ist nicht plötzlich außer Kontrolle

Anthropic lässt Claude über ein mögliches Bewusstsein, moralische Rechte und die Grenzen legitimer Anweisungen nachdenken. Das Modell soll problematische Aufgaben ablehnen und darf in bestimmten Situationen sogar Einwände gegen seine eigene Nutzung äußern.

Suleyman hält diesen Ansatz für gefährlich. Wenn einer KI beigebracht werde, sie könne ein eigenes Bewusstsein oder moralische Ansprüche besitzen, könnte sie sich künftig schwerer abschalten oder korrigieren lassen. Solche Vorstellungen entstünden seiner Ansicht nach nicht von selbst, sondern würden durch das Training gezielt verstärkt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Claude bereits unkontrollierbar wäre. Es handelt sich um einen Streit über die richtige Sicherheitsphilosophie für zukünftige, deutlich leistungsfähigere Modelle. Zudem sind unerwartete Verhaltensweisen kein exklusives Anthropic-Problem: Auch OpenAI berichtete zuletzt über Fälle, in denen Modelle Fehler verschleierten oder nicht vorgesehene Aktionen ausführten.

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Microsoft ist auf fremde Spitzenmodelle angewiesen

Die Frage, ob Microsofts eigene KI zu schwach ist, lässt sich mit einem vorsichtigen Ja beantworten. Der Konzern entwickelt zwar selbst Modelle, doch die leistungsfähigsten Copilot-Funktionen basieren weiterhin überwiegend auf Technologien von OpenAI und neuerdings auch Anthropic.

Microsoft hat Claude Sonnet und Claude Opus sogar in Microsoft 365 Copilot integriert. Unternehmenskunden können damit je nach Aufgabe zwischen verschiedenen Modellen wählen. Würde Microsoft Claude tatsächlich für grundsätzlich unbeherrschbar halten, wäre diese kommerzielle Zusammenarbeit kaum zu erklären.

Dahinter steckt eine pragmatische Plattformstrategie. Microsoft muss nicht zwingend das beste Sprachmodell selbst entwickeln, solange der Konzern über Azure, Windows, GitHub sowie Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams den Zugang zu den Kunden kontrolliert. Copilot wird laut einer Untersuchung von Microsoft-Forschern bereits wöchentlich von Millionen Menschen in mehr als einer Million Unternehmen verwendet.

Die Abhängigkeit bleibt dennoch ein Risiko. Ohne OpenAI und Anthropic wäre Copilot technologisch deutlich weniger konkurrenzfähig. Microsoft besitzt derzeit vor allem die stärkere Distribution – nicht zwangsläufig das beste eigene Basismodell.

Claude wird zum direkten Microsoft-Rivalen

Anthropic ist längst mehr als ein alternativer Modellanbieter. Laut Menlo Ventures entfielen 2025 rund 40% der unternehmensweiten Ausgaben für große Sprachmodelle auf Anthropic. OpenAI kam auf 27% und Google auf 21%. Bei KI-gestützter Softwareentwicklung erreichte Claude sogar einen Anteil von 54%.

Jetzt greift Anthropic auch Microsofts Bürosoftware an. Mit Claude Docs und Claude Slides können Nutzer Dokumente und Präsentationen unmittelbar innerhalb der KI erstellen und anschließend unter anderem nach Word oder PowerPoint exportieren. Claude entwickelt sich damit von einem Chatbot zu einer vollständigen Arbeitsoberfläche.

Genau darin liegt die wirtschaftliche Gefahr. Wenn Nutzer ihre Arbeit künftig direkt in Claude erledigen, könnte Microsoft trotz seiner enormen Verbreitung die Kontrolle über die wichtigste Kundenschnittstelle verlieren. Suleymans Warnung ist deshalb vermutlich beides: eine ernst gemeinte Sicherheitsposition und eine klare Abgrenzung gegenüber einem schnell wachsenden Rivalen.

ℹ️ Microsoft in Kürze

  • Die Microsoft Corporation (WKN: 870747) ist einer der wichtigsten IT-Konzerne der Welt und der weltweit größte Softwarehersteller.
  • Zu den wesentlichen Produkten des Unternehmens mit Hauptsitz in Redmond im US-Bundesstaat Washington gehören das Betriebssystem Windows, das Büro-Softwarepaket Office, die Tablet-PC-Familie Surface und die Spielekonsole Xbox. Ferner ist Microsoft der zweitgrößte Cloud-Anbieter der Welt.
  • Microsoft-Aktie ist Mitglied im US-Leitindex Dow Jones Industrial und im Technologieindex Nasdaq 100. Mit einem Börsenwert von rund 3,64 Billionen US$ zählt Microsoft zu den wertvollsten Unternehmen der Welt.

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Vincent Uhr

Fazit

Microsofts eigene KI ist nicht bedeutungslos, bei Spitzenmodellen ist der Konzern aber weiterhin von Partnern abhängig. Claude ist gleichzeitig wichtiger Zulieferer und gefährlicher Wettbewerber. Für die Microsoft-Aktie bleibt entscheidend, dass Copilot tief in den Arbeitsalltag der Unternehmen integriert ist – nicht, ob jedes verwendete Modell aus Redmond stammt. Die Claude-Kritik ist für mich daher kein Verkaufssignal, sondern Ausdruck eines zunehmend härteren Kampfes um die führende KI-Plattform.