+++ Dieses unbekannte Unternehmen könnte vom enormen Energiehunger der KI profitieren – hier mehr erfahren +++
stock.adobe.com/Jearu

Vonovia sackt ab, Fresenius zieht an: DAX-Ausblick

Leitindex entfernt sich weiter von Rekordhoch
Der DAX hat sich der abgelaufenen Woche weiter von seinem Rekordhoch entfernt. Unter dem Strich büßte das größte deutsche Börsenbarometer fast 500 Punkte ein und schloss -1,87% tiefer mit 25.559 Punkten. Die höchsten Verluste gab es bei Siemens und Rheinmetall, Volkswagen war bester DAX-Performer. Geht die Abwärtsfahrt weiter?

Die Bären geben den Ton an

Nach einem verhaltenen Wochenstart mit leichten Abgaben konnte der DAX am Dienstag anfangs stärkere Verluste wieder aufholen, doch der Mittwoch brachte angesichts stark steigender Ölpreise und einer weiteren Eskalation im Nahen Osten deutliche Abgaben mit sich. Am Donnerstag kam es nach der Zinsanhebung durch die EZB zu weiteren Verlusten, die am Freitag wieder etwas eingedämmt werden konnten.

Die Nervosität bleibt hoch

Die Lage am deutschen Aktienmarkt bleibt trotz des versöhnlichen Wochenabschlusses angespannt. In der neuen Handelswoche dürften nun vor allem der Ölpreis, die Geldpolitik und die geopolitischen Risiken über die weitere Richtung entscheiden.

Der Sprung von Brent über die Marke von 100 US$ hat die Inflationssorgen mit voller Wucht zurückgebracht. Zwar gab der Ölpreis zum Wochenschluss zeitweise auf rund 105 US$ nach, zuvor waren jedoch sogar 110 US$ erreicht worden. Sollte sich Rohöl dauerhaft auf diesem Niveau festsetzen, könnte dies den Preisdruck erneut verstärken und den Spielraum der Notenbanken einschränken.

Für den DAX ist das besonders relevant. Steigende Zinsen verteuern die Finanzierung für Unternehmen, drücken auf Investitionen und machen Anleihen gegenüber Aktien attraktiver. Gleichzeitig steigen die Renditen bereits deutlich: Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert bei rund 3,5%, während die Rendite zehnjähriger US-Treasuries auf den höchsten Stand seit drei Jahren geklettert ist.

Fed-Entscheid sorgt für Spannung

Der mit Abstand wichtigste Termin steht am Mittwoch an: Die US-Notenbank entscheidet über die weitere Geldpolitik. Eine Zinserhöhung gilt zwar als wahrscheinlich, ist angesichts der zuletzt überraschend stabilen Kerninflation aber nicht völlig ausgemacht.

Die Verbraucherpreise stiegen im August um 3,4% gegenüber dem Vorjahr, die Kernrate lag bei 2,4%. Damit bleibt die Inflation deutlich über dem Fed-Ziel von 2%. Gleichzeitig könnte eine zu straffe Geldpolitik die Konjunktur belasten. Für die Aktienmärkte kommt es deshalb nicht nur auf den eigentlichen Zinsschritt an, sondern vor allem auf die Signale des Fed-Chefs Kevin Warsh zum weiteren Kurs.

Nahost bleibt im Hintergrund präsent

Zusätzliche Unsicherheit liefert der Krieg der Vereinigten Staaten mit dem Iran. Besonders kritisch ist die Entwicklung rund um die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab, über die ein bedeutender Teil des Handels zwischen Europa und Asien läuft. Eine weitere Eskalation könnte den Ölpreis erneut nach oben treiben und damit die Inflations- und Zinssorgen verschärfen.

Für den DAX bleibt das geopolitische Risiko damit ein Damoklesschwert.

Diese Daten werden wichtig

Auch abseits der Fed stehen zahlreiche Konjunkturdaten auf der Agenda. Am Dienstag richtet sich der Blick auf China mit Zahlen zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen. Am Mittwoch folgen in den USA die Einzelhandelsumsätze für August. Am Donnerstag stehen wichtige Immobilienmarktdaten an, bevor am Freitag die US-Industrieproduktion veröffentlicht wird.

Auf Unternehmensseite könnten am Donnerstag die Kapitalmarkttage von DHL, Bechtle, Wacker Chemie und Kontron für Bewegung sorgen. Vor allem Kontron dürfte mit seinem Ausblick auf die Unternehmensstrategie bis 2030 im Fokus stehen.

Vonovia und Heidelberg Materials schwach, Fresenius legt zu

Hierzulande verzeichneten die Aktien von Vonovia und Heidelberg Materials die höchsten Verluste mit einem Wochenminus von -5,46% bzw. -6,99%. Vonovia litt unter einer Abstufung durch die US-Investmentbank Goldman Sachs, die die Aktie von ihrer Empfehlungsliste strich.

Bei Heidelberg Materials  ging es trotz eines positiven Analystenkommentars durch JPMorgan weiter bergab und mit 152,50 € auf den tiefsten Stand seit April 2025.

Deutlich besser lief es bei Fresenius. Der Gesundheitskonzern schlug unter dem Strich +3,23% auf und schob sich wieder zurück über die 50- und die 200-Tage-Linie. Hier sorgten positive Analystenkommentare für Rückenwind.

Charttechnik: Wieder deutlich unter 26.000 Punkten

Der DAX steht nach seinem Ende August markierten Rekordhoch bei 26.618,74 Punkten weiter unter Abgabedruck. Inzwischen belaufen sich die Abschläge auf über -4%.

Durch den dynamischen Rutsch unter die 26.000-Punkte-Marke und die bei 25.745 Punkten verlaufende 50-Tage-Linie hat sich das Chartbild kurzfristig wieder etwas eingetrübt.

Immerhin hat sich der Index zunächst einmal oberhalb des alten Rekordhochs von Mitte Januar bei 25.507 Punkten behauptet. Von hier aus könnte nun eine Erholung in Richtung 50-Tage-Linie starten.

Bleibt diese aus und gehen die Verkäufe weiter, rückt auf der Unterseite zunächst die 100-Tage-Linie in den Fokus, die aktuell bei 25.216 Punkten verläuft. Hiernach wäre auch ein Test der 25.000-Punkte-Marke und der bei 24.727 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie möglich.

DAX kaufen, halten oder verkaufen? Unsere zehnköpfige Redaktion berichtet regelmäßig über DAX und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

DAX weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »

Fazit

Damit bleibt der DAX zunächst zwischen zwei Polen gefangen: Auf der einen Seite stützen die robuste US-Börse und die vergleichsweise attraktive Bewertung europäischer Aktien. Auf der anderen Seite drohen Ölpreisschock, steigende Anleiherenditen und eine restriktivere Geldpolitik.

Die kommende Woche dürfte richtungsweisend werden: Bleibt der Ölpreis unter Kontrolle und signalisiert die Fed trotz Inflationsrisiken keinen aggressiven Zinspfad, könnte der DAX seine Erholung fortsetzen. Dreht der Ölpreis dagegen wieder nach oben und überrascht die Fed mit einem besonders harten Ton, dürfte die jüngste Korrektur schnell an Dynamik gewinnen.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.