SAP-Aktie: 200 € in Sicht – jetzt muss Klein liefern!
UBS warnt – erhöht aber das Kursziel
UBS stufte die SAP-Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ ab, erhöhte das Kursziel jedoch gleichzeitig von 164 auf 201 €. Das klingt widersprüchlich, ergibt bei genauerer Betrachtung aber Sinn: Die Analysten stellen SAPs grundsätzliche Ertragskraft nicht infrage, sehen nach der starken Kurserholung jedoch weniger Spielraum für weitere positive Überraschungen.
Die wichtigste Kritik betrifft den langsamen Einsatz autonomer KI-Agenten. SAP hat bislang lediglich 17 sofort nutzbare Agenten veröffentlicht. Weitere 15 befinden sich in der Anlaufphase. Das Ziel von rund 200 Agenten bis zum Jahresende erscheint UBS daher ausgesprochen ambitioniert.
Zudem erwartet die Bank, dass sich das währungsbereinigte Wachstum des aktuellen Cloud-Auftragsbestands von zuletzt 26% in Richtung der SAP-Prognose von etwa 23% verlangsamt. Auch steigende Kosten für KI-Rechenleistung könnten die Margen stärker belasten als bislang angenommen.
Trotzdem rechnet UBS bis 2028 mit einem durchschnittlichen Ergebniswachstum von etwa 19% pro Jahr. Die Kritik ist somit kein grundsätzliches Misstrauensvotum, sondern eine Warnung vor zu hohen kurzfristigen Erwartungen.
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Ein 200-Millionen-€-Projekt liefert neue Fragen
Zusätzliche Brisanz erhält Kleins Auftritt durch Probleme beim Großkunden Zeiss. Der Technologiekonzern hat seine geplante SAP-Cloudmigration nach Ausgaben von mehr als 200 Millionen € grundlegend überarbeitet.
Ursprünglich wollte Zeiss eine vollständig neue Systemlandschaft aufbauen. Nun soll ein größerer Teil der bestehenden Systeme in die Cloud übertragen werden. Dieser sogenannte Brownfield-Ansatz ist weniger radikal und häufig günstiger als ein kompletter Neubeginn.
Zeiss beendet die Zusammenarbeit mit SAP also nicht. Dennoch zeigt der Fall, wie teuer und komplex große S/4HANA-Projekte werden können. Für SAP ist das relevant: Wenn Kunden aufgrund hoher Kosten häufiger auf langsamere oder weniger umfangreiche Migrationen setzen, könnten sich Vertragsabschlüsse und zusätzliche Cloud-Umsätze verzögern.
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Darauf kommt es bei Kleins Auftritt an
Christian Klein nimmt am Dienstagabend ab 20:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Goldman Sachs Communacopia & Technology Conference teil. Anleger dürften vor allem auf Aussagen zur Geschwindigkeit des KI-Ausbaus und zur Nachfrage nach großen Cloudmigrationen achten.
Klein muss konkretisieren, wie SAP von derzeit 17 verfügbaren Agenten auf rund 200 kommen will. Ebenso wichtig wird die Frage, ob Kunden für die neuen Funktionen zusätzliche Gebühren bezahlen oder ob SAP einen erheblichen Teil der KI-Kosten zunächst selbst tragen muss.
Analysten bleiben insgesamt zuversichtlich. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 208 €. Kepler Cheuvreux sieht den fairen Wert bei 190 €, UBS bei 201 €, Goldman Sachs bei 215 € und Jefferies bei 230 €. Die Marke von 200 € wäre damit keineswegs außergewöhnlich ambitioniert.
ℹ️ SAP in Kürze
- Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den führenden Softwareunternehmen im Bereich Unternehmenssoftware. Der Konzern bietet Lösungen für Geschäftsprozesse, Datenmanagement und Cloud-Anwendungen für Unternehmen jeder Größe.
- Der Hauptsitz befindet sich in Walldorf (Deutschland). SAP ist weltweit tätig und verfügt über zahlreiche Standorte und Kunden in nahezu allen Branchen.
- Die Aktie ist im DAX und Euro Stoxx 50 gelistet und zählt mit einer Marktkapitalisierung von rund 223 Milliarden € zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen Europas.
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Fazit
Die UBS-Kritik ist ernst zu nehmen, stellt das Geschäftsmodell von SAP aber nicht grundsätzlich infrage. Ein Kursanstieg auf 200 € erscheint erreichbar. Für eine nachhaltige Bewegung darüber muss CEO Klein jedoch beweisen, dass die KI-Agenten tatsächlich bei den Kunden ankommen und die Cloudmigration wirtschaftlich attraktiv bleibt. Bis dahin sehe ich die SAP-Aktie eher als Watchlist-Kandidaten.