Deutsche Telekom

Deutsche Telekom-Aktie: Neuer AWS-Mann – sind jetzt 40 € drin?

Neuer Manager, höhere Kurse?!
Vincent Uhr
Die Deutsche Telekom holt mit Jan Hofmeyr einen erfahrenen Manager von Amazon Web Services in den Vorstand. Ab November soll er Netze, Cloud, künstliche Intelligenz und digitale Produkte enger miteinander verzahnen. Bei einem Aktienkurs von rund 28,40 € sehen einige Analysten den fairen Wert bereits bei 40 €. Ob dieses Potenzial gehoben wird, hängt jedoch weniger von der Personalie selbst als von einem konkreten Auftrag ab: Die Telekom muss ihre teure Infrastruktur besser monetarisieren.

AWS-Erfahrung für Europas größtes Telekomnetz

Hofmeyr übernimmt zum 1. November das Vorstandsressort Produkt und Technologie. Der 58-Jährige verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Technologie- und Telekommunikationsbranche. Zuletzt leitete er bei AWS das globale Telekommunikationsgeschäft. Zuvor verantwortete er dort die Edge-Dienste. Mehr als zehn Jahre arbeitete er außerdem für den US-Kabelkonzern Comcast, zuletzt als Chief Network Officer.

Damit holt die Telekom keinen klassischen Netztechniker, sondern einen Manager, der sowohl die Infrastruktur als auch das Plattformgeschäft kennt. Das ist strategisch sinnvoll. Telekommunikationsnetze werden zunehmend durch Software gesteuert, während KI bei Wartung, Kapazitätsplanung, Kundenservice und Produktentwicklung eine größere Rolle spielt.

Unterstützt wird Hofmeyr von Mladen Mitic, der ab Oktober als Chief Product & Digital Officer arbeitet. Die neue Struktur soll verhindern, dass Netzbau, IT und Produktentwicklung weiterhin zu stark nebeneinanderlaufen.

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Glasfaser muss endlich stärker genutzt werden

Wie wichtig diese Verzahnung ist, zeigt das deutsche Glasfasergeschäft. Die Telekom erreicht inzwischen 13,6 Millionen Haushalte mit FTTH-Anschlüssen. Tatsächlich gebucht wird die Glasfaserverbindung jedoch bislang nur von 17,5% der erreichbaren Haushalte.

Im zweiten Quartal gewann der Konzern zwar 161.000 zusätzliche Glasfaserkunden. Gleichzeitig sank die gesamte Zahl der Breitbandkunden um 20.000. Der Netzbau allein erzeugt somit noch kein ausreichendes Wachstum. Hofmeyr muss aus der vorhandenen Infrastruktur überzeugendere und einfacher buchbare Produkte entwickeln.

Auch bei T-Systems zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Umsatz stieg organisch um +5,7% auf 1,1 Milliarden €, während das bereinigte EBITDA AL um +5,3% auf 99 Millionen € zulegte. Der Auftragseingang sank allerdings um -13,4%. Gerade hier könnten Hofmeyrs Cloud-Erfahrung und die engere Verbindung zu KI-Plattformen neue Impulse liefern.

40 € erfordern mehr als einen neuen Technikchef

Operativ startet Hofmeyr aus einer starken Position. Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal organisch um +3,3% auf 29,9 Milliarden €. Das bereinigte EBITDA AL verbesserte sich um +7,3% auf 11,8 Milliarden €, der bereinigte Nettogewinn sogar um +11,1% auf 2,8 Milliarden €.

Der freie Cashflow AL legte um +3,1% auf 5 Milliarden € zu. Für das Gesamtjahr erhöhte die Telekom ihre Prognose von mehr als 19,8 Milliarden € auf rund 20 Milliarden €. Zusätzlich wurde das Aktienrückkaufprogramm um 3 auf insgesamt 5 Milliarden € aufgestockt.

Die Analysten sehen entsprechend deutliches Potenzial. Berenberg nennt 35,20 €, UBS 36,20 € und Bernstein 37 €. Deutsche Bank und Goldman Sachs trauen der Aktie sogar 40 € zu. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 36 € und damit rund +27% über dem aktuellen Niveau.

ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze

  • Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
  • Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
  • Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt rund 138 Milliarden €.

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