Deutsche Telekom

Deutsche Telekom-Aktie: Elliott fordert mehr als 5 Milliarden €!

Aktivistischer Investor im Blick
Vincent Uhr
Der aktivistische Investor Elliott Management hat offenbar eine bedeutende Position bei der Deutschen Telekom aufgebaut. Die Aktie reagiert am Donnerstag mit einem Plus von rund 1,5%. Elliott verlangt, dass der Konzern seine Pläne für eine vollständige Zusammenführung mit T-Mobile US fallen lässt und stattdessen mehr eigene Aktien zurückkauft. Fast gleichzeitig ordnet die Telekom mehrere Führungspositionen neu. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Die Diskussion über den verborgenen Wert des US-Geschäfts erreicht nun unmittelbar die Vorstandsebene.

Elliott stellt die 300-Milliarden-US$-Wette infrage

Die Deutsche Telekom kontrolliert rund 54% von T-Mobile US und prüft eine vollständige Zusammenführung beider Unternehmen. Unter einer neuen Muttergesellschaft mit europäischer und amerikanischer Börsennotierung könnte der weltweit wertvollste Mobilfunkkonzern entstehen.

Elliott hält dieses komplexe Vorhaben offenbar für unnötig. Schließlich besitzt die Telekom bereits die Mehrheit, kontrolliert den Verwaltungsrat und bezieht einen erheblichen Teil ihrer Gewinne aus den USA. Eine Fusion würde dagegen regulatorische, steuerliche und politische Risiken schaffen. Zudem müssten die T-Mobile-Aktionäre im Gegenzug Anteile an einem Konzern akzeptieren, zu dem auch die langsamer wachsenden europäischen Geschäfte gehören.

Die Größenverhältnisse verdeutlichen die Bedeutung. T-Mobile US wird an der Börse mit rund 200 Milliarden US$ bewertet. Der 54%-Anteil der Telekom besitzt damit rechnerisch einen Wert von etwa 108 Milliarden US$. Der gesamte Bonner Konzern bringt es hingegen nur auf ungefähr 157 Milliarden US$.

Damit deckt allein die amerikanische Beteiligung rund 69% des Telekom-Börsenwerts ab. Diese vereinfachte Rechnung lässt die hohe Konzernverschuldung außer Acht, zeigt aber, warum Elliott einen Bewertungsabschlag sieht und keine gewaltige Neuordnung benötigt, um ihn zu verringern.

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Reichen 5 Milliarden € Aktienrückkäufe nicht?

Die Telekom hat ihr Rückkaufprogramm für 2026 erst Anfang August von 2 auf bis zu 5 Milliarden € erhöht. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 140 Milliarden € könnte der Konzern damit Aktien im Umfang von mehr als 3% des Börsenwerts erwerben.

Elliott fordert offenbar noch höhere Rückkäufe. Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Solange die Telekom-Aktie mit einem Abschlag auf ihre Beteiligungen gehandelt wird, kann jeder eingezogene Anteil den rechnerischen Wert der verbleibenden Aktien erhöhen.

Zusätzlich zahlt T-Mobile US über Dividenden und eigene Rückkäufe immer mehr Kapital an die Aktionäre zurück. Das US-Unternehmen hat sein Ausschüttungsprogramm für 2026 auf bis zu 18,2 Milliarden US$ ausgeweitet. Verkauft die Deutsche Telekom im Rahmen der amerikanischen Rückkäufe keine Aktien, steigt ihr prozentualer Anteil automatisch weiter.

Völlig freie Hand besitzt Elliott allerdings nicht. Der Bund und die KfW kontrollieren gemeinsam rund 28,6% der Telekom-Aktien. Zudem muss der Konzern seine Verschuldung im Blick behalten und weiterhin Milliarden in Mobilfunk- und Glasfasernetze investieren.

Der neue Finanzchef übernimmt eine Schlüsselrolle

CFO Christian Illek verlässt die Telekom nach der Hauptversammlung 2027 aus Altersgründen. Sein Nachfolger Dhananjay Mirchandani übernimmt am 1. Mai. Die Personalie wirkt angesichts der Elliott-Forderungen beinahe maßgeschneidert.

Mirchandani arbeitete früher als Telekom-Analyst bei Bernstein und verantwortet derzeit das Konzerncontrolling. Zudem begleitete er den Verkauf von T-Mobile Niederlande und mehrere große Transaktionen im Funkturmgeschäft. Damit bringt er genau jene Kapitalmarkt- und Transaktionserfahrung mit, die bei der Entscheidung zwischen Fusion, Beteiligungsausbau und Aktienrückkäufen benötigt wird.

Auch technologisch stellt sich der Vorstand neu auf. Der frühere AWS-Manager Jan Hofmeyr übernimmt bereits im November das Ressort Produkt und Technologie. Mladen Mitic wird neuer Chief Product & Digital Officer. Die Wechsel erscheinen deshalb weniger als Führungskrise denn als geordnete Vorbereitung auf die nächste strategische Phase.

ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze

  • Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
  • Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
  • Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt rund 140 Milliarden €.

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Vincent Uhr

Fazit

Elliotts Argument überzeugt mich: Die Telekom kontrolliert T-Mobile US bereits und sollte ihren Bewertungsabschlag nicht durch eine komplizierte Mega-Fusion bekämpfen. Weitere Rückkäufe wären transparenter und risikoärmer. Der Einstieg des Aktivisten garantiert zwar keine steigenden Kurse, erhöht aber den Druck auf das Management, Kapital konsequent im Sinne der Aktionäre einzusetzen. Bei rund 29 € bleibt die Telekom-Aktie für mich attraktiv.