Amazon-Aktie springt +4% – steckt hier noch mehr drin?
Evercore sieht deutlich mehr Potenzial bei Amazon
Den direkten Auslöser für den Anstieg lieferte Evercore ISI. Analyst Mark Mahaney erhöhte sein Kursziel für die Amazon-Aktie von 315 auf 355 US$ und bestätigte gleichzeitig seine positive Einschätzung. Vom Schlusskurs am Freitag aus wären damit noch einmal rund 33% Luft nach oben.
Interessanter als das höhere Kursziel waren aber eigentlich die Gründe dahinter. Evercore hat sich angeschaut, wie Kunden die neuen KI-Funktionen von Amazon beim Einkaufen nutzen und dabei kamen ziemlich starke Zahlen heraus. 57% der befragten Alexa-AI-Nutzer gaben an, bereits ein Produkt gekauft zu haben, das sie vorher überhaupt nicht kannten. Weitere 36% sagten, dass sie durch die KI-Funktionen insgesamt mehr einkaufen.
Für Amazon wäre das natürlich ziemlich wichtig. Wenn Alexa oder andere KI-Agenten den Kunden nicht einfach nur schneller zum ohnehin geplanten Kauf bringen, sondern ihnen zusätzliche Produkte zeigen und dadurch neue Käufe entstehen, lässt sich KI direkt im bestehenden Handelsgeschäft zu Geld machen.
Und dieser Punkt kam am Freitag gut an. Bei den riesigen KI-Investitionen der großen Tech-Konzerne fragen sich Anleger schließlich immer öfter, wann daraus auch tatsächlich mehr Umsatz und Gewinn entstehen. Bei Amazon gibt es zumindest erste Hinweise darauf, dass KI im Handelsgeschäft genau das schaffen könnte.
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AWS bestellt weitere zwei Millionen Nvidia-GPUs
Fast gleichzeitig kam noch eine Meldung aus dem Cloud-Geschäft dazu. AWS und Nvidia bauen ihre Zusammenarbeit deutlich aus und Amazon möchte in den Jahren 2027 und 2028 weitere 2 Millionen Nvidia-GPUs in seiner weltweiten Infrastruktur einsetzen. Dabei geht es unter anderem um Blackwell Ultra sowie die kommenden Rubin- und Rubin-Ultra-Chips.
Die Größenordnung ist schon ziemlich heftig. Erst im Frühjahr hatte AWS angekündigt, ab 2026 mehr als 1 Million Nvidia-GPUs bereitzustellen. Laut Nvidia ist die Nachfrage seitdem aber stärker ausgefallen als erwartet und jetzt kommen noch einmal 2 Millionen dazu.
Damit macht Amazon ziemlich deutlich, dass man beim Ausbau der KI-Infrastruktur erstmal nicht vom Gas gehen möchte. AWS konkurriert schließlich direkt mit Microsoft Azure und Google Cloud um Unternehmen, die immer größere KI-Modelle trainieren und betreiben wollen. Dafür braucht Amazon entsprechend viel Rechenleistung.
Ganz ohne Risiko ist das natürlich nicht. Die hohen Investitionen in Rechenzentren und Chips drücken bereits auf den freien Cashflow und Amazon muss in den nächsten Jahren zeigen, dass die zusätzliche AWS-Nachfrage diese Ausgaben auch rechtfertigt. Solange das Wachstum bei KI-Rechenleistung aber so hoch bleibt, scheint das Management eher das Risiko eingehen zu wollen, zu viel Kapazität aufzubauen als am Ende zu wenig davon zu haben.
Bei Amazon greifen gerade zwei KI-Geschichten ineinander
Auf der einen Seite wird massiv in die Infrastruktur investiert, damit AWS genügend Rechenleistung für den KI-Boom anbieten kann. Auf der anderen Seite versucht Amazon gleichzeitig, KI direkt im eigenen Handelsgeschäft einzusetzen und damit die Kaufbereitschaft der Kunden zu erhöhen.
Evercores neue Umfrage liefert dafür zumindest erste ziemlich gute Hinweise. Wenn Nutzer durch Alexa tatsächlich Produkte kaufen, die vorher gar nicht auf ihrem Einkaufszettel standen, könnte Amazon mit KI nicht nur seine Abläufe effizienter machen, sondern direkt mehr Umsatz pro Kunde herausholen.
Bei AWS läuft die Wette dagegen über die enorme Nachfrage nach Rechenleistung. 2 Millionen zusätzliche Nvidia-GPUs sind eine ziemlich klare Ansage und zeigen, mit welchen Größenordnungen Amazon hier mittlerweile plant.
ℹ️ Amazon in Kürze
- Amazon (WKN: 906866) mit Hauptsitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ist ein global agierender Online-Versandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette.
- In vielen Produktkategorien ist Amazon der weltweit führende Einzelhändler. Über die Verkaufs- und Logistikplattform des Konzerns können auch Privatpersonen und andere Händler ihre Produkte anbieten.
- Neben seiner marktführenden Position im E-Commerce ist Amazon über seine Sparte Web Services auch der weltweit größte Anbieter von Cloud Computing-Diensten.
- Amazon notiert im Nasdaq 100 sowie im S&P 500 Index und ist mit einem aktuellen Börsenwert von ca. 2,87 Billionen US$ eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.
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Fazit
Der Sprung von rund +4% am Freitag kam nicht einfach aus dem Nichts. Evercore sieht erstmals klare Hinweise darauf, dass Amazons KI-Funktionen zusätzliche Käufe auslösen können und hat das Kursziel entsprechend deutlich auf 355 US$ angehoben. Gleichzeitig baut AWS seine KI-Infrastruktur mit weiteren 2 Millionen Nvidia-GPUs massiv aus. Damit wird bei Amazon langsam auch greifbarer, wo sich die enormen KI-Ausgaben später auszahlen könnten. Im Handelsgeschäft könnte KI direkt mehr Käufe bringen und bei AWS soll die steigende Nachfrage nach Rechenleistung für Wachstum sorgen. Jetzt muss Amazon vor allem zeigen, dass die zusätzlichen Einnahmen irgendwann auch mit den enormen Investitionen mithalten können.