AMD-Aktie: Unter Druck, aber mit Rückenwind
Höhere Investitionen sind kein Warnsignal
Nach den Q2-Zahlen standen vor allem AMDs deutlich gestiegene Investitionen im Mittelpunkt. Die Kapitalausgaben kletterten von 300,4 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf 808 Millionen Dollar und haben sich damit nahezu verdreifacht.
Auf den ersten Blick könnte das Sorgen um den freien Cashflow und eine steigende Kapitalintensität auslösen. Entscheidend ist jedoch, wofür AMD das zusätzliche Geld einsetzt.
Das Unternehmen setzt weiterhin auf sein kapitalleichtes Geschäftsmodell und überlässt die Fertigung externen Partnern. Auch der KI-Boom ändert daran wenig. Statt eigene Fabriken zu bauen, investiert AMD vor allem in Wafer, Advanced Packaging, Substrate, Backend-Kapazitäten und die notwendige Infrastruktur.
CEO Lisa Su zufolge arbeitet AMD entlang der gesamten Lieferkette daran, die unerwartet hohe Servernachfrage zu bedienen. Zusätzliche Kapazitäten sollen bis 2027 verfügbar werden. Die höheren Investitionen dienen damit vor allem dazu, bestehende Engpässe zu beseitigen und bereits vorhandene Nachfrage in Umsatz umzuwandeln.
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Freier Cashflow schafft finanziellen Spielraum
Auch der freie Cashflow spricht gegen die These, dass AMD durch die Investitionsoffensive finanziell unter Druck gerät. Im zweiten Quartal erwirtschaftete das Unternehmen 2,4 Milliarden Dollar operativen Cashflow und 1,6 Milliarden Dollar freien Cashflow. Gleichzeitig lagen die liquiden Mittel bei 13,1 Milliarden Dollar.
AMD verfügt damit über ausreichend finanziellen Spielraum, um die Expansion des KI-Geschäfts weitgehend aus eigener Kraft zu finanzieren. Entscheidend ist deshalb nicht die Höhe der Investitionen, sondern deren Rendite. Wenn zusätzliche Kapazitäten bestehende Engpässe beseitigen und dadurch margenstarke Datacenter-Umsätze ermöglichen, könnten die höheren Ausgaben langfristig sogar den Aktionärswert steigern.
Auch AMDs Vergangenheit spricht dafür. Investitionen in Zen, Chiplets, EPYC und Software zahlten sich zwar erst nach Jahren aus, schufen anschließend jedoch wichtige Wettbewerbsvorteile. Der aktuelle Investitionszyklus folgt einem ähnlichen Muster, diesmal allerdings mit deutlich mehr Cashflow, Größe und Sichtbarkeit bei der Nachfrage.
Datacenter-Geschäft liefert klare Argumente
Die Entwicklung des Datacenter-Segments ist einer der stärksten Gründe für die höheren Investitionen. Der Umsatz dieses Geschäftsbereichs stieg um 107 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis erreichte 2,1 Milliarden Dollar, was einer operativen Marge von 31 Prozent entspricht.
Damit investiert AMD ausgerechnet in den Geschäftsbereich, der derzeit zu den wachstumsstärksten und profitabelsten Bereichen des Konzerns gehört. Mit der Einführung von Helios könnte sich die Dynamik weiter beschleunigen.
Für 2027 wird ein Umsatzwachstum von mehr als 100 Prozent erwartet. Gleichzeitig zeichnet sich bereits eine starke Nachfrage durch große Technologiekonzerne und KI-Anbieter ab. OpenAI, Meta und Anthropic zählen zu den Unternehmen, die die Nachfrage nach AMDs Lösungen stützen. Microsoft wiederum plant die Einführung von Helios auf seiner Azure-Plattform.
Sollte sich diese Nachfrage tatsächlich in dem erwarteten Tempo materialisieren, erscheinen die gestiegenen Kapitalausgaben weniger als Belastung und vielmehr als notwendige Voraussetzung, um das Wachstum überhaupt bedienen zu können.
Bewertung lässt weiteres Potenzial erkennen
Die AMD-Aktie erscheint auf Basis der aktuellen Gewinne nicht mehr günstig. Bei einem Kurs von rund 480 Dollar wird das Unternehmen mit etwa dem 32-Fachen des für 2027 erwarteten Gewinns je Aktie bewertet. Der Marktkonsens liegt bei einem Gewinn je Aktie von rund 15,46 Dollar.
Gleichzeitig wird für 2027 ein Umsatz von etwa 87,5 Milliarden Dollar erwartet. Das würde einem Umsatzwachstum von rund 72 Prozent entsprechen und zugleich mehr als eine Verdopplung des Gewinns je Aktie bedeuten.
Vor diesem Hintergrund erscheint die aktuelle Bewertung trotz der bereits hohen Erwartungen nicht zwangsläufig überzogen. Bei einem Unternehmen mit derart starkem Wachstum und erheblichem operativem Hebel kann ein höheres Bewertungsmultiple durchaus gerechtfertigt sein.
Auch die Kursziele nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen unterstreichen das vorhandene Potenzial. Mehrere optimistische Einschätzungen liegen im Bereich von 640 bis 730 Dollar. Das entspräche ausgehend von 480 Dollar einem möglichen Aufwärtspotenzial von rund 32 bis 51 Prozent.
Ein Kursziel von 1.250 Dollar ist dagegen ausgesprochen ambitioniert. Es verdeutlicht jedoch, wie stark sich die Bewertung verändern könnte, falls AMD einen wesentlich größeren Anteil am Markt für KI-Beschleuniger erobert, als dies derzeit in den Konsensschätzungen berücksichtigt wird.
Gewinnschätzungen dürften entscheidend werden
Für die weitere Entwicklung der Aktie sind die Veränderungen bei den Gewinn- und Umsatzprognosen möglicherweise wichtiger als das gegenwärtige Bewertungsmultiple. Das Management hat bereits signalisiert, dass die langfristige Umsatzentwicklung deutlich über dem bisherigen Ziel von mehr als 35 Prozent liegen könnte.
Auch beim Gewinn je Aktie wurden die bisherigen langfristigen Zielgrößen nach oben relativiert. Sollte Helios schneller skalieren als bislang erwartet und gleichzeitig die Nachfrage nach EPYC, Instinct und der ROCm-Softwareplattform weiter zunehmen, könnte das Gewinnwachstum die derzeitige Bewertungsprämie zunehmend auffangen.
Für Anleger bedeutet das, dass die Entwicklung der tatsächlichen Geschäftszahlen in den kommenden Quartalen entscheidender sein dürfte als ein isolierter Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis.
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Lieferketten bleiben Risikofaktor
Das größte Risiko liegt weniger darin, dass AMD zu viel investiert, sondern darin, dass die zusätzlichen Kapazitäten nicht schnell genug in tatsächliche Auslieferungen und Umsätze umgewandelt werden können.
Das Management hat selbst auf die angespannte Situation bei der Serverversorgung hingewiesen. Eine erfolgreiche Skalierung erfordert gleichzeitig mehr Wafer-Kapazitäten, fortschrittliche Verpackung, ausreichend Substrate und höhere Backend-Kapazitäten.
Hinzu kommt die technische Komplexität von Helios. Lisa Su hat bereits darauf hingewiesen, dass sich die Fertigungsausbeuten während der ersten Quartale der Produktion verbessern dürften. Verzögerungen bei der Hochskalierung könnten daher die erwartete Umsatzentwicklung zunächst bremsen.
Für die langfristige Investmentthese sind deshalb nicht die steigenden Investitionen an sich entscheidend. Maßgeblich ist vielmehr, ob Datacenter-Umsätze, operativer Cashflow und freier Cashflow nach dem Aufbau der zusätzlichen Kapazitäten entsprechend zulegen.
ℹ️ Advanced Micro Devices in Kürze
- Advanced Micro Devices (AMD) mit Hauptsitz in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt und vertreibt Mikroprozessoren, Chipsätze und System-on-a-Chip-Lösungen.
- Eine eigene Fabrikationsstätte hat das Unternehmen seit der Ausgründung der eigentlichen Halbleiterherstellung im Jahr 2009 in Globalfoundries nicht mehr.
- AMD ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und hat eine Marktkapitalisierung von rund 790 Milliarden US$.
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Fazit
Die jüngste Korrektur der AMD-Aktie könnte sich als attraktive Gelegenheit erweisen, sofern das Unternehmen die hohe Nachfrage tatsächlich in zusätzliche Auslieferungen und Cashflows umsetzen kann. Steigende Datacenter-Umsätze, die starke Nachfrage nach Helios und weiterhin positive freie Cashflows sprechen dafür, dass die aktuellen Investitionen weniger ein Belastungsfaktor als vielmehr die Grundlage für eine neue Phase des Gewinnwachstums sein könnten.