First Majestic Silver-Aktie: Nach -50% jetzt kaufenswert?
Nach der jüngsten Korrektur, die erneut durch das schwierige makroökonomische Umfeld sowie die schwächeren Preise für Silber und Gold ausgelöst wurde, notiert die Aktie von First Majestic Silver inzwischen mit einem Abschlag auf ihren geschätzten inneren Wert. Sollte sich bei den Edelmetallen langfristig eine strukturelle Neubewertung durchsetzen, eröffnet dies aus Sicht der Analyse attraktives Kurspotenzial.
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Operative Entwicklung bleibt überzeugend
Trotz einer Verfehlung der Gewinnschätzungen im zweiten Quartal legte First Majestic operativ ein starkes Ergebnis vor. Das EBITDA stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 110 Prozent, während der freie Cashflow auf 194,6 Millionen US-Dollar kletterte. Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte dieser noch bei 77,9 Millionen US-Dollar gelegen.
Die Produktion entwickelte sich ebenfalls positiv. Die verarbeitete Erzmenge nahm um vier Prozent zu, die Silberproduktion stieg um drei Prozent und die Goldproduktion um zwei Prozent. Besonders deutlich wirkten sich jedoch die gestiegenen Verkaufspreise aus. Der durchschnittlich erzielte Silberpreis legte um 90 Prozent zu, während Gold 40 Prozent höhere Erlöse erzielte. Selbst der Anstieg der nachhaltigen Produktionskosten je Silberäquivalent um 22 Prozent konnte die hohe Profitabilität nicht verhindern.
Höhere Produktionsziele und gezielte Investitionen
Auch der Ausblick wurde angehoben. Für 2026 erwartet das Unternehmen eine um zehn Prozent höhere Silberproduktion sowie ein Plus von sieben Prozent bei Gold. Parallel arbeitet das Management weiter daran, Kosten und Margen zu optimieren. Selbst nach dem Rückgang der Edelmetallpreise gegenüber ihren Höchstständen bleibt das Gewinnniveau nach Einschätzung der Analyse attraktiv.
Zusätzliche Mittel stehen durch den Verkauf der San-Martin-Mine zur Verfügung. Die Transaktion im Umfang von 90 Millionen US-Dollar beendet ein Projekt, das bereits seit 2019 stillgelegt war, und schafft finanziellen Spielraum für neue Investitionen.
Darüber hinaus erhielt First Majestic die erforderlichen Genehmigungen für den Ausbau der Santa-Elena-Mine. Im Jahr 2026 sollen weitere zwölf Millionen US-Dollar investiert werden, um neue unterirdische Zugänge zu errichten und künftig höherwertige Erzbereiche erschließen zu können. Parallel schreitet auch die Wiederinbetriebnahme des Jerritt-Canyon-Projekts voran.
Solide Bilanz schafft finanziellen Spielraum
Auch die Finanzlage verbessert sich kontinuierlich. Die Verschuldung bleibt überschaubar, während die kurzfristigen Vermögenswerte nahezu sämtliche Verbindlichkeiten abdecken. Besonders hervorzuheben ist der Bestand an liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen von mehr als 1,09 Milliarden US-Dollar. Diese starke Liquiditätsposition verschafft dem Unternehmen erhebliche Flexibilität für Investitionen, Übernahmen oder andere strategische Maßnahmen.
Silbermarkt bleibt strukturell angespannt
Nach Einschätzung des Unternehmens steuert der Silbermarkt inzwischen auf das sechste Defizitjahr in Folge zu. Da rund drei Viertel der weltweiten Silberförderung als Nebenprodukt anderer Metalle anfällt, führen selbst deutlich höhere Silberpreise nicht automatisch zu einer schnellen Ausweitung des Angebots.
Obwohl der Silberpreis zuletzt deutlich unter seine Höchststände gefallen ist, könnte die anhaltende Angebotsknappheit langfristig erneut steigende Preise begünstigen.
Gold profitiert weiterhin von institutioneller Nachfrage
Auch Gold bleibt ein wichtiger Bestandteil des Unternehmensportfolios. Die aktuellen Daten des World Gold Council zeigen, dass die weltweite Goldnachfrage im Berichtsquartal zwar um 14 Prozent zurückging, dies jedoch vor allem auf schwächere Investitionen privater Anleger zurückzuführen war. Deren Nachfrage fiel gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent und gegenüber dem Vorquartal um 51 Prozent.
Demgegenüber bauten Zentralbanken ihre Goldkäufe deutlich aus. Gegenüber dem Vorjahr stiegen diese um 62 Prozent und im Vergleich zum Vorquartal sogar um 411 Prozent. Diese Entwicklung dürfte vor allem auf die zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten zurückzuführen sein, während viele Privatanleger Gewinne mitnahmen oder auf kurzfristige Risiken reagierten.
Makroökonomische Entwicklungen könnten Edelmetalle stützen
Als möglicher Treiber einer langfristigen Neubewertung von Gold und Silber werden mehrere Faktoren genannt. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Entwicklung in Japan. Steigende heimische Anleiherenditen könnten Veränderungen an den globalen Anleihemärkten auslösen und zusätzlichen Druck auf den US-Dollar sowie die Finanzierungskosten der Vereinigten Staaten ausüben. In einem solchen Umfeld könnten Zentralbanken und institutionelle Investoren ihre Nachfrage nach sicheren Anlagen weiter erhöhen.
Hinzu kommt, dass geopolitische Spannungen kurzfristig zwar auf die Kurse von Minengesellschaften drücken können, gleichzeitig aber die Nachfrage nach klassischen Absicherungsinstrumenten fördern. Sowohl eine Fortsetzung als auch eine Entspannung bestehender Konflikte könnte den Edelmetallsektor wieder stärker in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses rücken.
Umschichtungen an den Aktienmärkten als weiterer Faktor
Gleichzeitig zeigen Technologiewerte mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz zuletzt eine hohe Schwankungsbreite. Mehrere führende US-Unternehmen verloren innerhalb weniger Tage zwischen 20 und mehr als 30 Prozent an Börsenwert. Auch wenn dies nicht zwangsläufig das Ende des langfristigen Trends bedeutet, verdeutlicht die Entwicklung, wie schnell Kapital in anderen Marktsegmenten neu verteilt werden kann.
Sollten Investoren ihre Portfolios stärker diversifizieren, könnten auch Gold- und Silberproduzenten von entsprechenden Mittelzuflüssen profitieren.
Hohe Liquidität eröffnet zusätzliche Chancen
Selbst wenn sich die optimistischen Annahmen für die Edelmetallpreise nicht vollständig erfüllen sollten, befindet sich First Majestic in einer komfortablen Ausgangslage. Die hohen Barmittel ermöglichen dem Unternehmen unter anderem weitere Übernahmen kleinerer Produzenten, deren Bewertungen nach den Kursrückgängen attraktiver geworden sind.
Abhängigkeit von Edelmetallpreisen bleibt das größte Risiko
Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Risiken. Die Geschäftsentwicklung hängt maßgeblich von den Preisen für Silber und Gold ab. Hinzu kommen operative Risiken im Minengeschäft wie Unfälle, Naturereignisse oder steigende Energiekosten.
Belastend wirkt außerdem das aktuelle Zinsumfeld. Die US-Notenbank hält bislang an vergleichsweise hohen Leitzinsen fest. Ein dauerhaft starkes Zinsniveau stützt in der Regel den US-Dollar und erschwert damit Preissteigerungen bei Gold und Silber.
Bewertung verspricht Aufwärtspotenzial
Für die Bewertung wird langfristig ein durchschnittlicher Silberpreis von rund 58,80 US-Dollar je Unze unterstellt. Auf Basis der angehobenen Unternehmensprognose wird für 2026 ein freier Cashflow von rund 500 Millionen US-Dollar angenommen.
Unter Berücksichtigung eines jährlichen Cashflow-Wachstums von vier Prozent in den ersten fünf Jahren, anschließend drei Prozent über weitere fünf Jahre, einer langfristigen Wachstumsrate von 2,5 Prozent, eines Diskontierungssatzes von neun Prozent sowie 501,33 Millionen ausstehenden Aktien ergibt sich ein Unternehmenswert von rund 8,55 Milliarden US-Dollar.
Daraus errechnet sich ein fairer Wert von etwa 17,05 US-Dollar je Aktie. Verglichen mit dem aktuellen Kurs von 15,69 US-Dollar ergibt sich damit ein moderates Aufwärtspotenzial.
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Fazit
First Majestic Silver überzeugt derzeit mit einer starken operativen Entwicklung, einer außergewöhnlich soliden Bilanz und steigenden Produktionszielen. Sollte sich der langfristige Ausblick für Silber und Gold verbessern, erscheint die aktuelle Bewertung attraktiv, auch wenn Anleger die hohe Abhängigkeit von den Edelmetallpreisen und das anspruchsvolle makroökonomische Umfeld im Blick behalten sollten.
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