Vonovia-Aktie: Jetzt endlich billig genug?
Operativ läuft es ordentlich
Beim Blick auf die Kursentwicklung könnte man meinen, es sehe düster aus bei der Vonovia-Aktie. Doch im Immobilien-Konzern läuft es gar nicht so schlecht, sondern ordentlich. Im ersten Halbjahr entwickelte sich vor allem das Vermietungsgeschäft weiter positiv. Vonovia bestätigte zugleich die Erwartung, das bereinigte EBITDA im Gesamtjahr moderat zu steigern. Der Nettovermögenswert je Aktie lag Ende Juni bei 46,22 €.
Und hier beginnt die Rechnung spannend zu werden. Die Aktie kostet derzeit nicht einmal 17 €. Und selbst wenn man bei Immobilienwerten einen ordentlichen Abschlag auf den bilanzierten Vermögenswert einplant, ist die Lücke inzwischen gewaltig.
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Die Politik mischt mit
Doch natürlich gibt es Gründe, warum die Aktie da steht, wo sie steht. Vonovia sitzt weiterhin auf hohen Schulden, und Immobiliengesellschaften reagieren empfindlich auf Zinsen. Genau deshalb wurde die Aktie in den vergangenen Jahren so brutal abgestraft. Sobald die Finanzierung teurer wird, sinkt der Wert zukünftiger Erträge, Refinanzierungen tun mehr weh.
Vielleicht noch bedeutender ist allerdings, dass die Politik kräftig mitmischt. Und das nicht zum Guten. Nach dem starken Abschneiden der Linken bei der Berliner Wahl ist die alte Debatte über die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände wieder voll da. Die Partei hatte im Wahlkampf angekündigt, mehr als 200.000 Wohnungen großer Vermieter wie Deutsche Wohnen und Vonovia vergesellschaften zu wollen.
Ob daraus was wird, steht auf einem anderen Blatt. Ich vermute eher nicht. Bei der Vonovia-Aktie reicht Anlegern allerdings schon diese Unsicherheit. Berlin ist für den Konzern kein unbedeutender Markt, und politische Eingriffe in Mieten oder Eigentumsrechte sind genau die Art von Thema, die Investoren bei Immobilienwerten abschrecken.
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Warum das langweilige Geschäft gut ist
Das Immobiliengeschäft klingt vielleicht langweilig für viele Anleger. Doch die Langeweile halte ich in diesem Fall für gut: Wohnungen werden gebraucht und in vielen deutschen Großstädten herrscht weiterhin Wohnungsmangel, während Neubauten wegen hoher Kosten und langsamer Genehmigungen nur schleppend vorankommen.
Für einen großen Bestandshalter wie Vonovia ist das grundsätzlich eine gute Ausgangslage. Denn der Konzern muss keine revolutionäre Geschäftsidee erfinden. Entscheidend ist, dass die Wohnungen vermietet bleiben, Mieten moderat steigen und die Schulden Stück für Stück beherrschbarer werden.
Die nächste Bewährungsprobe
In Kürze naht die nächste Bewährungsprobe: Vonovia legt am 4. November Zahlen für die ersten neun Monate vor. Dann wird sich zeigen, ob das operative Geschäft weiter stabil läuft und wie sich Verschuldung, Verkäufe und Bewertung des Immobilienbestands entwickeln.
Für die künftige Kursentwicklung dürfte das ein wichtiger Termin sein. Denn es braucht einen handfesten Grund, warum Anleger bei der Aktie wieder zugreifen sollten. Und solide Zahlen könnten genau dieser Grund sein.
Eine Enttäuschung wäre dagegen unangenehm, denn charttechnisch ist unterhalb von 16 € nicht mehr besonders viel Halt zu erkennen. Auf der Oberseite müsste Vonovia zunächst wieder über 18 € kommen. Erst dann sähe die jüngste Erholung nach mehr als einem kurzen Aufbäumen aus.
ℹ️ Vonovia in Kürze
- Vonovia (WKN: A1ML7J) mit Sitz in Bochum verwaltet und vermietet Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden.
- Durch die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen im Jahr 2021 ist das Unternehmen zum größten Immobilienkonzern Europas avanciert mit ca. 550.000 Wohneinheiten.
- Vonovia ist Mitglied im DAX und aktuell rund 14,28 Milliarden € wert.
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Fazit
Ich halte die Aktie auf diesem Niveau für kaufenswert. Ein Forward-KGV von 6,2 spricht für sich. Und ich denke, bei einem Kurs von rund 17 € sind bereits sehr viele Risiken eingepreist. Für mich überwiegen hier jetzt die Chancen.
Wer einsteigt, braucht allerdings meiner Meinung nach Geduld. Eine schnelle Rückkehr auf 25 oder 30 € würde ich nicht erwarten. Immerhin belohnt der Konzern aber seine Anteilseigner noch mit einer guten Dividende, derzeit rund 7,4%.