Travelers Companies-Aktie: Rekordhoch bei einem KGV von 10

Lieber Tech oder Versicherer?
Polina Dmitrovskaya
Ich werde es immer wieder wiederholen, weil ich wirklich glaube, dass Investoren zunehmen aus überhitzen Technologie-Titel in ruhigere Qualitätstitel fliehen. Travelers Companies als Versicherungsfirma mit frischen Quartalsergebnissen, einem erneuten Beat, +10% Kursplus und einem hübschen KGV ist das beste Beispiel.

Ein konservativer Dow-Jones-Riese

Obwohl Versicherungsfirmen im KI-Rausch der Börse in den Hintergrund geraten sind, bewies Travelers Companies mit den am 17. Juli veröffentlichten Q2 2026 Ergebnisse, warum ein Blick in den Versicherungssektor sich mehr als nur lohnt.

Die Firma übertraf die Markterwartungen deutlich: Der Nettogewinn stieg um 46% und der Kernertrag je Aktie lag bei 10 US$, rund 88% über der Analystenschätzung. Die Eigenkapitalrendite, eine sehr relevante Zahle bei Finanzwerten, erreichte 25%. Über die vergangenen vier Quartale hinweg fiel sie nie unter 24% und das ist ein absoluter Spitzenwert für einen Versicherer.

Im Tagesverlauf stieg die Aktie auf ein neues Allzeithoch von 322 € an, nachdem bereits im März und Juni Rekordstände erreicht worden waren. Heute stieg sie auf ein weiteres Allzeithoch und gibt damit einen klaren Aufwärtstrend vor.

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KGV-Träumchen

Der eigentlich interessante Punkt für Anleger liegt weniger im Rekordhoch selbst als in der Bewertung, mit der dieses zustande kam. Während viele Technologiewerte mit KGVs von 30, 40 oder mehr gehandelt werden und zuletzt unter Abverkäufen litten, notiert Travelers auf Basis der Gewinnschätzung für 2026 bei einem KGV von rund 10. Das wichtigere erwartetet KGV für die nächsten 12 Monate liegt bei 12, was auf steigende Gewinne oder höhere Marktnachfrage hindeutet.

Das zeigt exemplarisch, dass Kursgewinne nicht zwingend mit überhitzten Bewertungen einhergehen müssen. Travelers wächst operativ, ohne dass der Markt dafür ein Vielfaches an Fantasie einpreisen muss und das hört sich verlockend an im aktuellen Umfeld, in dem niemand so richtig weiß, was morgen ist.

Woran hat's gelegen?

Getrieben wurde das Ergebnis durch mehrere Faktoren gleichzeitig:

Die Katastrophenschäden fielen im Jahresvergleich fast auf die Hälfte. Im Vorjahresquartal musste Travelers noch 927 Millionen US$ für Katastrophenschäden (Stürme, Unwetter etc.) auszahlen. Im diesjährigen zweiten Quartal sanken diese Verluste auf 518 Millionen US$, also fast um die Hälfte! Das hat sofort Cash in die Kassen gespült und konnte sinnvoll angelegt werden.

Das Resultat war ein um 14% gestiegenes Nettoanlageergebnis von 883 Millionen US$, begünstigt durch höhere Zinsen auf neu investierte Gelder. Nicht zuletzt zahlte sich auch die aggressive Aktienrückkaufpolitik aus: Seit 2006 hat Travelers 70% der damals ausstehenden Aktien zurückgekauft, wodurch sich der Gewinn je verbliebener Aktie überdurchschnittlich stark erhöht.

Am profitabelsten von allen

Eine der wichtigsten Kennzahlen bei Versicherern ist die Schaden-Kosten-Quote (auch Combined Ratio genannt). Diese Kennzahl setzt Schadenaufwendungen und Kosten ins Verhältnis zu den Prämieneinnahmen. Je niedriger die Zahl, desto mehr Gewinn bleibt hängen. Bei Travelers verbesserte sie sich von zuvor 90% auf 83,6%. Besonders stark zeigte sich die Sparte Privatkunden mit einer Quote von 79,5%. Zum Vergleich: Der Branchendurchschnitt liegt meist deutlich näher an oder sogar über der 90%-Marke.

Charttechnische Einordnung

Charttechnisch befindet sich Travelers in einem intakten, aber nicht mehr ganz jungen Aufwärtstrend. Die Aktie kreuzte im Juni die 100-Tage-Linie nach oben und notiert komfortabel über der 200-Tage-Linie, während der breite Finanzsektor im Schnitt darunter liegt – ein Zeichen relativer Stärke.

Nach dem jüngsten Ausbruch über die bisherigen Hochs im Bereich von 313 US$ fehlt allerdings eine längere Historie oberhalb dieser Marke, sodass kurzfristige Rücksetzer zum Test der alten Hochs als Unterstützung nicht ungewöhnlich wären.

ℹ️ Travelers Companies in Kürze

  • Travelers Conpanies mit Sitz in New York City, USA, ist einer der größten US-Schaden- und Unfallversicherer und fester Bestandteil des Dow Jones Industrial Average.
  • Der Versicherer erzielt den überwiegenden Teil seiner Prämieneinnahmen in den USA, mit kleineren Aktivitäten in Kanada, Großbritannien und Irland.
  • Das im Jahre 1853 gegründete Unternehmen wird an der Börse aktuell mit rund 78 Milliarden € bewertet.

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Polina Dmitrovskaya

Fazit

Die Kombination aus Rekordgewinn und einem KGV von rund 11 ist am Markt derzeit selten. Der starke Kursanstieg ist also nicht wunderlich. Ob ich in die Aktie derzeit investieren würde? Ganz klar ja, jedoch mit der Anmerkung, dass es viele andere Versicherer mit einer günstigeren Bewertung und dazu noch höheren Dividendenrenditen als 1,2% gibt. Daher würde ich alle Werte miteinander vergleichen und dann wählen.

Wenn Du an Dividendenwerten anderer Sektoren interessiert bist, dann empfehle ich Dir wärmstens in unsere Liste der 10 Dividendentitel reinzuschauen.