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Siemens Energy-Aktie: Warnsignal oder Kaufchance?

Kurs fällt unter 200-Tage-Linie
Die Siemens Energy-Aktie präsentiert sich weiterhin in schwacher Verfassung. Nach einer kleineren Erholung in der ersten Augusthälfte geht es seit Mitte des Monats wieder sukzessive nach unten. Zum Wochenauftakt verlor der DAX-Titel mehr als -5%, am Dienstag fällt der Kurs um weitere -1,1% und steht nun bei 140,62 €. Was sind die Belastungsfaktoren und wie sollten sich Anleger nun verhalten?

Abspaltung und SpaceX sorgen für Verunsicherung

Im Mittelpunkt steht derzeit die geplante Verselbstständigung des Geschäftsbereichs Transformation of Industry. Die Sparte soll künftig unter der Marke Omterra auftreten und vollständig entkonsolidiert werden. Mehrere Finanzinvestoren sollen bereits Interesse an einer Mehrheitsbeteiligung signalisiert haben. Die Einheit erzielte zuletzt 5,7 Mrd. € Umsatz bei einer Marge von 11,3%.

Für Anleger bleiben Struktur, Zeitplan und Bewertung der Transaktion allerdings offen. Die Unsicherheit über die künftige Zusammensetzung des Konzerns belastet die Aktie.

Zusätzlichen Druck erzeugten Berichte, wonach Elon Musk mit SpaceX in die Produktion von Gasturbinen-Komponenten für Rechenzentren einsteigen könnte. JPMorgan-Analyst Phil Buller relativiert die Sorgen jedoch: SpaceX wolle offenbar lediglich einzelne Engpass-Komponenten selbst fertigen und nicht in den Bau kompletter Gasturbinen einsteigen. Zudem entfällt auf Gasturbinen bei Siemens Energy nur rund 10% des Konzernumsatzes.

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Operativ läuft es auf Hochtouren

Fundamental ist die Schwäche kaum zu erklären. Siemens Energy erzielte im dritten Quartal einen Rekordumsatz von 11,4 Mrd. €, ein Plus von 18,5% im Jahresvergleich. Der Auftragseingang stieg auf 17,9 Mrd. €, während das Ergebnis vor Sondereffekten auf 1,6 Mrd. € nahezu verdreifacht wurde. Der Nettogewinn kletterte um rund 70% auf 1,2 Mrd. €.

Besonders wichtig: Siemens Gamesa schrieb erstmals seit 2022 wieder schwarze Zahlen. Das Windgeschäft erzielte ein EBITDA von 75 Mio. € nach einem Verlust von 438 Mio. € im Vorjahr. Gleichzeitig liegt der gesamte Auftragsbestand bei gewaltigen 162 Mrd. €.

Die Jahresprognose wurde bestätigt. Siemens Energy erwartet 2026 weiterhin ein Umsatzwachstum von 14 bis 16% und eine bereinigte operative Marge von 10 bis 12%. Das Management peilt dabei inzwischen das obere Ende der Spanne an.

Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch

Auch die Analysten sehen trotz der Kurskorrektur weiterhin erhebliches Potenzial. JPMorgan bestätigte sein „Overweight“-Rating mit einem Kursziel von 245 €, Jefferies votiert mit „Buy“ und dem Zielkurs von 215 €. Bernstein sieht den fairen Wert bei 210 €. Lediglich Barclays warnt vor einem möglichen Höhepunkt des Gasturbinenbooms.

Mit einem Forward-KGV von rund 24 ist Siemens Energy zwar kein Schnäppchen. Die PEG-Ratio von 0,85 zeigt jedoch, dass die Bewertung gemessen am erwarteten Gewinnwachstum durchaus attraktiv erscheint.

Charttechnik wird jetzt entscheidend

Technisch befindet sich die Aktie nach der massiven Rallye seit Ende April in einer Korrekturphase. Zu Wochenbeginn fiel sie erneut unter die 200-Tage-Linie. Noch wichtiger ist im Big Picture jedoch die 50-Wochen-Linie bei 142,52 €. Genau dort hatte der Kurs Ende Juli nach oben gedreht.

Ein nachhaltiger Bruch dieser Marke wäre ein Warnsignal und könnte die Korrektur in Richtung 100 € ausweiten. Gelingt dagegen eine Stabilisierung, könnte die aktuelle Schwäche eine willkommene Bereinigung nach dem vorherigen Kursfeuerwerk darstellen.

ℹ️ Siemens Energy in Kürze

  • Siemens Energy (WKN: ENER6Y) ist ein weltweit tätiger Energietechnologiekonzern mit Sitz in München, der Lösungen für Stromerzeugung, Netzinfrastruktur und industrielle Energieanwendungen entwickelt.
  • Das Unternehmen entstand 2020 durch die Abspaltung vom Siemens-Konzern und konzentriert sich auf Gas- und Dampfturbinen, Stromnetze sowie Windenergie über die Beteiligung Siemens Gamesa.
  • Die Aktie ist im DAX notiert und zählt zu den zentralen Werten im europäischen Energiesektor.
  • Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt derzeit bei rund 120,54 Milliarden €.

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Fazit

Kurzfristig haben die Bären das Kommando übernommen. Abspaltung, SpaceX-Schlagzeilen und der Bruch wichtiger Chartmarken sorgen für Nervosität. Fundamental präsentiert sich Siemens Energy jedoch so stark wie selten zuvor. Rekordaufträge, steigende Margen und die Rückkehr von Gamesa in die Gewinnzone sprechen für eine intakte Wachstumsstory.

Für langfristig orientierte Anleger könnte die Korrektur deshalb zunehmend interessant werden. Entscheidend ist nun die 50-Wochen-Linie: Hält sie, könnte sich der aktuelle Rücksetzer als Sprungbrett für die nächste Aufwärtswelle erweisen.

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