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SanDisk-Aktie: Wie viel Potenzial steckt nun wirklich drin?

Neue Technologie im Fokus
Redaktion
Bei Sandisk dreht sich die bullische Investmentthese zunehmend um künstliche Intelligenz und High Bandwidth Flash (HBF). Das Potenzial dieser Technologie ist erheblich, insbesondere für KI-Inferenzsysteme. Die jüngsten Aussagen des Managements legen jedoch nahe, dass sich der zeitliche Horizont gegenüber den ursprünglichen Erwartungen etwas verlängert.

Im August 2025 hatte Sandisk noch konkrete Ziele formuliert. Erste HBF-Speicherproben sollten in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres 2026 verfügbar sein, während erste KI-Inferenzprodukte mit HBF für Anfang 2027 erwartet wurden.

Auf dem Investor Day im August 2026 meldete das Unternehmen den Tape-out des ersten HBF-Speicherchips. Die aktuelle Roadmap sieht erste Produktmuster für KI-Inferenzanwendungen im Jahr 2027 vor. Anfang September beschrieb CEO David Goeckeler die Technologie zudem als eine Chance, deren breitere kommerzielle Bedeutung möglicherweise noch einige Jahre entfernt liegt.

Von einer klaren Verzögerung kann deshalb noch nicht zwingend gesprochen werden. Zwischen der Bemusterung eines Speicherchips und einem vollständigen Produkt beim Kunden liegen mehrere Entwicklungsschritte. Dennoch ist die Kommunikation inzwischen deutlich vorsichtiger.

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Die Langfristplanung funktioniert auch ohne HBF

Gerade dieser Punkt macht die Investmentthese interessant. Sandisk hat nach eigenen Angaben keine HBF-Umsätze in seine langfristigen Finanzziele für die Zeit bis 2030 eingerechnet. Die Technologie verursacht bereits Investitionen, ihre möglichen Erlöse sind jedoch nicht Bestandteil der Prognose.

Damit basiert das langfristige Szenario im Wesentlichen auf dem bestehenden NAND-Geschäft. Sollte HBF später erfolgreich kommerzialisiert werden, käme daraus zusätzliches Potenzial.

Die jüngsten Quartalszahlen unterstreichen, wie profitabel die Ausgangsbasis derzeit ist. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 51 Prozent auf 8,97 Milliarden Dollar. Die bereinigte Bruttomarge erreichte 84,6 Prozent, während der bereinigte Gewinn je Aktie von 23,41 auf 39,25 Dollar zulegte.

Auch der Ausblick signalisiert zunächst keine abrupte Abschwächung. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet Sandisk einen Umsatz zwischen 10,3 und 10,8 Milliarden Dollar, eine bereinigte Bruttomarge von 83 bis 85 Prozent sowie einen Gewinn je Aktie von 44 bis 46 Dollar.

Neue Verträge verändern das NAND-Geschäft

Besonders wichtig für die langfristige Planung sind die sogenannten New Business Model Agreements. Sandisk verfügt inzwischen über entsprechende Vereinbarungen mit acht Kunden aus den Bereichen Rechenzentren und Edge Computing.

Diese Verträge decken mehr als die Hälfte der für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten Bit-Produktion und rund zwei Drittel der Produktion für 2028 ab. Die durchschnittliche Laufzeit liegt bei mehr als vier Jahren und kann in einzelnen Fällen bis zu fünf Jahre betragen.

Die bereits geschlossenen Vereinbarungen umfassen Mindestumsätze von 93,9 Milliarden Dollar zu vereinbarten Preisuntergrenzen. Nach weiteren Vertragsabschlüssen lagen die verbleibenden Leistungsverpflichtungen bei rund 91,1 Milliarden Dollar.

Entscheidend ist die wirtschaftliche Struktur. Rund zwei Drittel des für 2028 erwarteten Geschäfts könnten durch vertraglich geregelte Mengen, Preisuntergrenzen und finanzielle Garantien der Kunden abgesichert sein. Das unterscheidet Sandisk zunehmend vom klassischen, vollständig zyklischen NAND-Geschäft.

Die Bewertung verlangt keinen HBF-Erfolg

Die zentrale Frage lautet daher, was Anleger tatsächlich bezahlen. Die Marktschätzungen liegen bei einem Gewinn je Aktie von 214,10 Dollar für das Geschäftsjahr 2027 und 264,72 Dollar für 2028.

Auf dieser Grundlage wird die Aktie mit etwa dem 8,2-Fachen der erwarteten Gewinne für 2027 und dem 6,7-Fachen der Schätzungen für 2028 bewertet.

Das macht die Rechnung vergleichsweise einfach. Da HBF-Umsätze nicht Bestandteil des langfristigen Finanzmodells sind, muss eine spätere Markteinführung nicht automatisch zu niedrigeren Gewinnschätzungen führen. Verzögerungen bei Entwicklung, Qualifizierung oder Standardisierung würden zwar das zusätzliche Potenzial verschieben, aber nicht unmittelbar die Basisannahmen zerstören.

Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 auf Basis der erwarteten Gewinne für 2027 ergäbe sich rechnerisch ein Wert von rund 2.141 Dollar je Aktie. Selbst bei einem Multiplikator von 8 auf die für 2028 erwarteten Gewinne läge der Wert bei etwa 2.118 Dollar.

Für beide Szenarien wäre kein HBF-Umsatz erforderlich.

HBF bleibt eine zusätzliche Chance

Sollte sich HBF als neue Speichertechnologie für KI-Inferenzsysteme etablieren, könnte daraus erhebliches zusätzliches Wachstum entstehen. Sandisk arbeitet gemeinsam mit SK hynix an der Standardisierung und treibt die Technologie innerhalb des Open Compute Project voran.

Die Beteiligung weiterer Technologieunternehmen erhöht die strategische Bedeutung der Entwicklung. Dennoch besteht derzeit kein Grund, mögliche HBF-Umsätze bereits fest in eine Bewertung einzurechnen.

Das bestehende Geschäft liefert bereits eine ausreichende Grundlage. HBF bleibt damit vor allem eine Option auf zusätzliches Wachstum.

Die Risiken bleiben erheblich

Das größte Risiko besteht darin, dass die aktuellen Gewinne stärker zyklisch geprägt sind als erwartet. Die neuen Vertragsmodelle sichern zwar einen großen Teil der Produktion ab, doch nicht das gesamte Geschäft.

Etwa ein Drittel der erwarteten Bit-Produktion für 2028 könnte weiterhin den normalen Marktpreisschwankungen ausgesetzt sein. Steigende Kapazitäten bei Wettbewerbern könnten deshalb weiterhin Druck auf Preise und Margen ausüben.

Hinzu kommt, dass sich die neuen Vertragsstrukturen erst noch in einem schweren Abschwung des NAND-Marktes beweisen müssen. Vertragliche Preisuntergrenzen und Garantien bieten Schutz, ihre tatsächliche Belastbarkeit wurde jedoch noch nicht unter den Bedingungen eines ausgeprägten Branchenabschwungs getestet.

Auch HBF bleibt ein technologisches und kommerzielles Risiko. Der vorsichtigere Zeitplan zeigt, dass Entwicklung und Markteinführung komplexer verlaufen könnten als ursprünglich erwartet.

ℹ️ Sandisk Corporation in Kürze

  • SanDisk (WKN: A411ZM) mit Sitz in Milpitas im US-Bundesstaat Kalifornien ist ein weltweit führender Hersteller von Speichermedien, die auf der NAND-Flash-Technologie basieren.
  • Das 1988 gegründete Unternehmen wurde 2016 von Western Digital übernommen und 2025 erneut als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen abgespalten.
  • Bekannt ist SanDisk vor allem für die Entwicklung und Herstellung von Speicherkarten, USB-Sticks und Solid-State-Drives (SSDs).
  • Seit einiger Zeit fokussiert sich das Unternehmen auf spezialisierte Hochleistungs-SSDs, die für das Training von KI-Modellen in Rechenzentren benötigt werden.
  • SanDisk ist seit November 2025 Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 248 Milliarden US$ wert.

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Redaktion

Fazit

Nach dem massiven Kursanstieg ist Sandisk längst kein Schnäppchen mehr. Entscheidend ist, dass die langfristige Investmentthese auf dem bestehenden NAND-Geschäft, den neuen Kundenvereinbarungen und der hohen Profitabilität aufbaut. Die erwarteten Gewinne für 2027 und 2028 setzen keinen Erfolg von HBF voraus.

Genau darin liegt die Stärke der aktuellen Bewertung. Die bestehende Geschäftsbasis könnte den Wert der Aktie bereits rechtfertigen, während HBF zusätzliches Potenzial eröffnet.

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