Rigetti vs. D-Wave Quantum: Welche Quantencomputer-Aktie ist die richtige?
Bis zu 100 Millionen Dollar für beide Unternehmen
Die US-Regierung setzt auf den Aufbau einer heimischen Quantencomputerindustrie und unterstützt deshalb sowohl Rigetti
Für D-Wave ist die Unterstützung besonders relevant. Das Unternehmen verbuchte im zweiten Quartal einen operativen Verlust von 53,3 Millionen Dollar, während Rigetti einen operativen Verlust von 28,1 Millionen Dollar meldete. Gleichzeitig erzielte Rigetti zuletzt höhere Umsätze. D-Wave kann dagegen mit einem deutlich gewachsenen Auftragsbestand punkten: Der Backlog für das erste Halbjahr stieg im Jahresvergleich um 1.120 Prozent auf 35,5 Millionen Dollar. Allerdings bedeutet dieser Auftragsbestand nicht, dass die entsprechenden Umsätze bereits kurzfristig realisiert werden.
Zwei unterschiedliche Wege zum Quantencomputer
Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Unternehmen liegt in ihrer Technologie. D-Wave konzentriert sich traditionell auf das sogenannte Quantum Annealing. Dabei handelt es sich um einen spezialisierten Ansatz, der vor allem für Optimierungsprobleme geeignet ist. Das schränkt zwar das Anwendungsspektrum gegenüber einem universellen Quantencomputer ein, zugleich lassen sich Optimierungsaufgaben in zahlreichen Bereichen von Wirtschaft und Wissenschaft einsetzen.
Rigetti verfolgt dagegen einen wesentlich breiteren Ansatz. Das Unternehmen entwickelt Quantencomputer auf Basis supraleitender Qubits und setzt auf ein universelles Gate-Modell. Ein solcher Quantencomputer soll langfristig eine Vielzahl komplexer Berechnungen bewältigen können. Potenzielle Anwendungen reichen beispielsweise von der Simulation chemischer Prozesse bis zur Entwicklung neuer Medikamente, bei der sich Wirksamkeit und mögliche Toxizität von Wirkstoffen früher untersuchen ließen.
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D-Wave setzt auf schnellere Kommerzialisierung
Der technologische Ansatz von D-Wave
Allerdings ist das langfristige Potenzial von Quantum Annealing begrenzter als das eines universellen Quantencomputers. D-Wave scheint diese Einschränkung selbst erkannt zu haben. Anfang 2026 übernahm das Unternehmen Quantum Circuits, einen Anbieter, der ebenfalls an supraleitenden Qubits und einem Gate-Modell arbeitet. D-Wave will diese Technologie voraussichtlich ab 2030 an Kunden ausliefern.
Rigetti ist bei diesem Ansatz bereits weiter. Das Unternehmen liefert seine Gate-Model-Systeme nach eigenen Angaben schon an Cloud-Anbieter wie Amazon. Damit versucht Rigetti, sich frühzeitig in einem Markt zu positionieren, der langfristig erheblich größer sein könnte als das derzeitige Spezialgebiet von D-Wave.
Umsatzwachstum gegen Auftragsvisibilität
Für Anleger ergibt sich daraus ein klassischer Zielkonflikt zwischen kurzfristiger Visibilität und langfristigem Potenzial. D-Wave verfügt mit seinem stark gewachsenen Backlog über eine bessere Sichtbarkeit künftiger Umsätze. Gleichzeitig ist der hohe operative Mittelverbrauch ein Risiko. Das Unternehmen benötigt viel Kapital, um seine Technologie weiterzuentwickeln und zu skalieren.
Rigetti wiederum wächst beim Umsatz schneller, veröffentlicht aber keinen vergleichbar großen Auftragsbestand. Das erschwert die Einschätzung der kurzfristigen Geschäftsentwicklung. Zudem ist der Weg zu einem wirklich breit einsetzbaren und fehlertoleranten Quantencomputer technologisch anspruchsvoll und kapitalintensiv.
Beide Unternehmen sind deshalb weit davon entfernt, klassische Bewertungsmaßstäbe wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis für einen Vergleich heranziehen zu können. Solange keine nachhaltigen Gewinne erzielt werden, bleibt für Anleger insbesondere der Umsatz und dessen Verhältnis zur Börsenbewertung relevant. Auch hier sind die Bewertungen weiterhin ambitioniert.
D-Wave für geringeres Risiko, Rigetti für mehr Potenzial
An der Börse sind die Unterschiede bei der Unternehmensgröße inzwischen relativ gering. Rigetti kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 5 Milliarden Dollar, während D-Wave bei etwa 6 Milliarden Dollar liegt. Der Größenunterschied ist damit zu klein, um daraus einen entscheidenden Anlagevorteil abzuleiten.
Wichtiger ist die unterschiedliche Risikostruktur. D-Wave besitzt derzeit den klareren Weg zu kommerziellen Umsätzen und kann auf einen stark wachsenden Auftragsbestand verweisen. Das macht die Aktie innerhalb des hochspekulativen Quantencomputing-Sektors zur vergleichsweise risikoärmeren Variante.
Rigetti bietet dagegen ein größeres langfristiges technologisches Potenzial, sofern es gelingt, leistungsfähige und fehlertolerante universelle Quantencomputer zu entwickeln. Gelingt dieser Durchbruch, könnte der adressierbare Markt deutlich größer sein. Der Weg dorthin ist jedoch länger und mit erheblichen technologischen, finanziellen und kommerziellen Risiken verbunden.
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Fazit
Für Anleger, die innerhalb des spekulativen Quantencomputing-Sektors eine vergleichsweise bessere Umsatzvisibilität suchen, erscheint D-Wave derzeit als die defensivere Wahl. Wer dagegen bereit ist, deutlich höhere Risiken einzugehen und auf das langfristige Potenzial universeller Quantencomputer setzt, könnte Rigetti als chancenreichere, aber auch wesentlich unsicherere Option betrachten. Letztlich bleibt bei beiden Aktien entscheidend, ob es den Unternehmen gelingt, aus technologischen Fortschritten dauerhaft skalierbare und profitable Geschäftsmodelle zu entwickeln.
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