Nike-Aktie am 12-Jahres-Tief – kommt jetzt die Wende?
Warum Nike überhaupt so tief gefallen ist
Das Problem zieht sich schon länger durch die Zahlen. Im vergangenen Quartal lag der Umsatz bei 11 Milliarden US$ und damit 1% unter dem Vorjahr. Währungsbereinigt waren es sogar 4% weniger. Vor allem das eigene Direktgeschäft läuft weiterhin schwach. Nike Direct verlor 7%, im Digitalgeschäft waren es sogar 12%.
Etwas besser sieht es im Großhandel aus. Dort stieg der Umsatz im Quartal um 4%. Das passt zu der Strategie von CEO Elliott Hill, wieder stärker mit großen Handelspartnern zusammenzuarbeiten, nachdem Nike unter der früheren Führung sehr viel auf den eigenen Direktvertrieb gesetzt hatte.
Die größere Baustelle bleibt China. Dort läuft das Geschäft schon seit mehreren Quartalen schwach und auch im vergangenen Quartal gehörte Greater China neben Europa wieder zu den Regionen, die den Umsatz belastet haben. Gleichzeitig ist der Markt bei Sportschuhen deutlich umkämpfter geworden. Adidas, On und andere Marken nehmen Nike in mehreren Kategorien Marktanteile ab. Dass die Aktie inzwischen so tief steht, kommt also nicht aus dem Nichts. Der Markt wartet schon länger darauf, dass aus dem Umbau endlich wieder klareres Wachstum wird.
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Vomero und Pegasus machen zumindest wieder Hoffnung
Ganz abgeschrieben ist die Story aber nicht. Gerade im Running-Bereich kommen wieder bessere Signale. JD Sports, einer der wichtigsten Handelspartner von Nike, zeigte sich erst vor wenigen Tagen ziemlich zuversichtlich und bezeichnete den Turnaround als eine Frage der Zeit. Vor allem Vomero und Pegasus kommen laut dem Händler aktuell gut bei den Kunden an.
Das ist für Nike nicht unwichtig. Elliott Hill versucht das Unternehmen wieder stärker über Sport und Performance-Produkte aufzubauen, statt sich zu sehr auf Lifestyle-Sneaker und das eigene Onlinegeschäft zu verlassen. Gleichzeitig werden die Beziehungen zu Händlern wieder ausgebaut und mehr neue Produkte in Kategorien wie Running und Fußball gebracht.
Und erste Teile davon sieht man bereits in den Zahlen. Während Nike Direct weiter zurückging, legte der Großhandel im vergangenen Geschäftsjahr um 6% zu. Auch Nordamerika entwickelte sich zuletzt besser und konnte einen Teil der Schwäche aus China und Europa auffangen. Das reicht bisher noch nicht für den großen Befreiungsschlag. Es zeigt aber zumindest, dass der Umbau nicht komplett ins Leere läuft.
Am Donnerstag wird es für die Aktie richtig wichtig
Am 1. Oktober veröffentlicht Nike nach US-Börsenschluss die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027. Analysten rechnen derzeit mit einem Umsatz von rund 11,35 Milliarden US$ und einem Gewinn von etwa 0,45 US$ je Aktie.
Der Umsatz allein dürfte diesmal aber fast zweitrangig sein. Viel stärker wird der Markt darauf schauen, ob Nike beim Direktgeschäft endlich Boden gutmacht, wie sich China entwickelt und ob die neuen Performance-Produkte weiterhin gut laufen.
Auch die Marge wird wichtig. Im vergangenen Quartal sah die Bruttomarge mit 49,2% auf den ersten Blick extrem stark aus, allerdings kamen rund 9% davon aus einem erwarteten Effekt durch die Rückerstattung von US-Zöllen. Für das eigentliche Geschäft war dieser Sprung also deutlich weniger spektakulär, als die Zahl zunächst vermuten lässt.
Und die Analysten gehen mit ziemlich niedrigen Erwartungen in die Zahlen. BofA stufte Nike erst am 25. September auf „Underperform“ herunter und senkte das Kursziel von 47 auf 30 US$. Morgan Stanley liegt ebenfalls nur bei 31 US$. Piper Sandler hat sein Ziel heute von 45 auf 38 US$ gesenkt und bleibt bei „Neutral“.
Das macht die Zahlen aber auch interessant. Die Messlatte hängt inzwischen ziemlich tief. Nike muss am Donnerstag nicht plötzlich wieder zweistellig wachsen. Schon erste Hinweise darauf, dass China nicht weiter abrutscht, das Direktgeschäft langsam einen Boden findet und Produkte wie Vomero oder Pegasus weiter ziehen, könnten nach dem langen Abverkauf einiges an Aufmerksamkeit bekommen.
ℹ️ Nike in Kürze
- Nike (WKN: 866993) mit Sitz in Beaverton im US-Bundesstaat Oregon ist der weltweit führende Hersteller von Sportartikeln.
- Der Erfolg des 1964 gegründeten Unternehmens basiert auf seinen Sportschuhen. Heutzutage vermarktet Nike darüber hinaus ein sehr breites Sortiment an Sport- und Freizeitbekleidung, Sport-Accessoires sowie Uhren und Fitness-Trackern.
- Der Sportartikelkonzern verkauft seine Ware sowohl über den Groß- und Einzelhandel als auch über eigene Brand-Stores und einen Online-Shop.
- Nike ist Mitglied in den US-Leitindizes Dow Jones Industrial und S&P 500. In Deutschland ist sie über Tradegate handelbar. Der Marktwert liegt aktuell bei etwa 53,98 Milliarden US-Dollar.
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Fazit
Nike ist inzwischen weit davon entfernt, als klassische Wachstumsstory bewertet zu werden. Die Aktie steht nahe ihrem Mehrjahrestief und mehrere Analysten rechnen sogar mit noch niedrigeren Kursen. Gleichzeitig gibt es mit dem stärkeren Großhandel und den besseren Running-Produkten erste Bereiche, in denen Hills Strategie langsam greift. Am Donnerstag wird deshalb weniger ein einzelner Umsatzwert zählen. Der Markt will endlich sehen, dass aus den vielen Umbauten auch wieder Wachstum entstehen kann. Bleibt China schwach und Nike Direct fällt weiter, dürfte die Geduld der Anleger schnell wieder dünn werden. Kommen dort dagegen erste bessere Signale, wäre nach dem Absturz zumindest wieder genug Raum für eine größere Erholung.
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