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Microsoft-Aktie: 665 US$ – woher kommt die nächste Billion?

Ein neues Kursziel
Vincent Uhr
Melius Research stuft die Microsoft-Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und hebt das Kursziel drastisch von 465 auf 665 US$ an. Gegenüber dem Schlusskurs von 525,18 US$ entspräche das einem Potenzial von rund +27%. Microsoft wäre dann fast 5 Billionen US$ wert – etwa eine Billion mehr als heute. Verdient werden soll dieser Aufschlag nicht allein mit einer besseren KI, sondern vor allem mit mehr Kontrolle über fremde Modelle.

Sicherheit wird zum Verkaufsargument

Analyst Ben Reitzes bezeichnet Microsoft als den möglichen „Erwachsenen im Raum“. Unternehmen wollen KI einsetzen, müssen dabei jedoch Zugriffsrechte, sensible Daten und regulatorische Anforderungen kontrollieren. Genau dafür besitzt Microsoft bereits die passende Infrastruktur.

Über Azure kann der Konzern verschiedene KI-Modelle bereitstellen. Entra verwaltet die digitalen Identitäten, Purview kontrolliert Daten und Compliance, während Defender die Systeme vor Angriffen schützen soll. Unternehmen müssen sich dadurch nicht vollständig auf einen einzelnen Modellentwickler verlassen.

Der strategische Vorteil besteht somit nicht zwingend darin, die leistungsfähigste eigene KI zu entwickeln. Microsoft kann vielmehr zur Kontroll- und Sicherheitsschicht werden, über die Unternehmen Modelle von OpenAI, Anthropic und anderen Anbietern einsetzen. Melius erwartet, dass diese Position zusätzliche Preiserhöhungen bei Angeboten wie Microsoft 365 E7 und der Datenplattform Fabric ermöglicht.

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Die Nachfrage übersteigt weiterhin das Angebot

Operativ besitzt die These bereits ein starkes Fundament. Im jüngsten Quartal wuchs Azure um +43%, während der gesamte Microsoft-Cloud-Umsatz um +27% auf 59,3 Milliarden US$ stieg. Für das laufende Quartal stellt das Management sogar ein Azure-Wachstum von 44 bis 45% in Aussicht.

Der vertraglich gesicherte Auftragsbestand erhöhte sich um +84% auf 678 Milliarden US$. Selbst ohne die umfangreichen OpenAI-Verträge betrug das Wachstum noch +25%. Zudem stammen fast 90% der jährlichen Cloud-Erlöse von Kunden außerhalb der großen Entwickler von KI-Modellen. Microsoft ist damit weniger abhängig von einzelnen milliardenschweren Partnern, als die Schlagzeilen über OpenAI vermuten lassen.

Auch Copilot gewinnt an Bedeutung. Microsoft 365 Copilot zählt inzwischen mehr als 30 Millionen zahlende Nutzer. Melius erwartet, dass sich das Azure-Wachstum bis zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2027 auf mehr als +50% beschleunigt.

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665 US$ verlangen weitere Gewinnsprünge

Billig ist die Microsoft-Aktie trotz dieser Aussichten nicht. Das erwartete KGV liegt bei rund 26,6. Das durchschnittliche Analystenziel von etwa 577 US$ verspricht lediglich knapp +10% Potenzial. Melius liegt mit 665 US$ somit deutlich über dem Konsens.

Der Analyst erwartet für das Geschäftsjahr 2029 einen Gewinn von 30,77 US$ je Aktie – rund 7% mehr als der bisherige Marktkonsens. Bei Erreichen seines Kursziels würde Microsoft auf dieser Basis noch mit dem 21,6-Fachen des Gewinns bewertet. Das wäre für einen Konzern mit weiterhin hohem zweistelligem Wachstum vertretbar.

Das größte Risiko bleiben die gewaltigen Investitionen. Microsoft gab allein im vergangenen Quartal 41 Milliarden US$ für Rechenzentren, Chips und andere Infrastruktur aus. Der freie Cashflow sank trotz steigender operativer Mittelzuflüsse auf 19,6 Milliarden US$. Für das laufende Quartal sind sogar mehr als 50 Milliarden US$ an Investitionen vorgesehen.

Neue Zahlen schaffen mehr Klarheit

Ab dem kommenden Quartalsbericht legt Microsoft erstmals eigenständige Azure-Umsätze offen. Gleichzeitig werden die bisherigen drei Geschäftsbereiche durch „Agents and Infra“ sowie „Devices and Consumer“ ersetzt. Anleger können dadurch besser überprüfen, ob die Milliardeninvestitionen tatsächlich zu entsprechend hohen Cloud-Erlösen führen.

ℹ️ Microsoft in Kürze

  • Die Microsoft Corporation (WKN: 870747) ist einer der wichtigsten IT-Konzerne der Welt und der weltweit größte Softwarehersteller.
  • Zu den wesentlichen Produkten des Unternehmens mit Hauptsitz in Redmond im US-Bundesstaat Washington gehören das Betriebssystem Windows, das Büro-Softwarepaket Office, die Tablet-PC-Familie Surface und die Spielekonsole Xbox. Darüber hinaus ist Microsoft der zweitgrößte Cloud-Anbieter der Welt.
  • Die Microsoft-Aktie ist Mitglied im US-Leitindex Dow Jones Industrial und im Technologieindex Nasdaq 100. Mit einem Börsenwert von 3,90 Billionen US$ ist Microsoft aktuell einer der fünf wertvollsten Unternehmen der Welt.

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Vincent Uhr

Fazit

Microsoft besitzt vermutlich den stärksten Burggraben für den sicheren Einsatz von Unternehmens-KI. Das Kursziel von 665 US$ ist bei anhaltendem Azure-Wachstum erreichbar, aber kein konservatives Basisszenario. Nach der starken Rallye würde ich die Aktie nicht hinterherkaufen – bestehende Anleger können investiert bleiben und Neueinsteiger auf einen Rücksetzer warten.