Die Qiagen-Aktie springt am Donnerstag auf 45,49 Euro und gewinnt im frühen Xetra-Handel über 6 Prozent. Auslöser ist ein konkretes Übernahmeangebot des schwedischen Finanzinvestors EQT von 46,50 Euro je Aktie, das gemeinsam mit einem Konsortium gestemmt werden soll. Damit stellt sich die Frage: Lohnt sich ein Einstieg, wenn der Kurs nur noch gut einen Euro unter der Offerte liegt?
EQT holt Staatsfonds dazu
Der Finanzinvestor war bereits seit Juli als möglicher Bieter für den Labordienstleister und Diagnostikspezialisten im Gespräch. Jetzt wird es ernst: EQT lanciert das Gebot zusammen mit dem Staatsfonds von Abu Dhabi und dem kanadischen Pensionsfonds CPP Investment Board. Die Gremien von Qiagen haben sich verpflichtet, das Angebot zu unterstützen.
Übernahmespekulationen begleiten Qiagen seit Jahren. 2021 trieben sie die Aktie auf 55 Euro und damit auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Der nun gebotene Preis von 46,50 Euro liegt in der Nähe des Jahreshochs, das Anfang Januar erreicht wurde, bleibt also deutlich unter den Kursen von 2021.
Struktur soll Scheitern verhindern
Harry Gillis von der Berenberg Bank zeigte sich am Morgen nicht überrascht von den Neuigkeiten und rechnet damit, dass die Aktionäre der Transaktion voraussichtlich zustimmen werden. Nach seiner Einschätzung ist die Struktur des Angebots darauf ausgelegt, das Zustandekommen abzusichern. EQT will damit eine Wiederholung des Jahres 2020 vermeiden, als Thermofisher mit einer Offerte bei den Qiagen-Aktionären scheiterte.
Entscheidend ist die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent des Kapitals plus einer Aktie. Wird sie erreicht, könnten verbleibende Aktieninhaber zum Angebotspreis abzüglich Steuern abgefunden werden.
JPMorgan sieht Potenzial erschöpft
Mit 45,49 Euro notiert die Aktie nur noch rund 2 Prozent unter dem Angebotspreis. JPMorgan-Analyst Casey Woodring sieht deshalb kaum noch Potenzial für die Papiere und strich seine Empfehlung.
Fazit
Der Übernahmefall bei Qiagen erscheint uns weitgehend eingepreist. Solange kein konkurrierender Bieter auftritt oder EQT nachbessert, bleibt das verbleibende Kurspotenzial auf die Spanne bis 46,50 Euro begrenzt, während ein Scheitern des Angebots einen deutlichen Rückschlag auslösen könnte. Dieses Chance-Risiko-Verhältnis halten wir für wenig attraktiv. Für bestehende Aktionäre könnte es sinnvoll sein, die Position bis zur Entscheidung über die Annahmeschwelle zu halten, während ein Neueinstieg allein auf die Differenz zum Angebotspreis aus unserer Sicht kaum lohnt.
Quelle: dpa-AFX
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