Die OPMobility-Aktie verliert am Donnerstag gegen Mittag rund 20% auf 9,95 €, zwischenzeitlich rutschte sie mit 9,61 € auf den tiefsten Stand seit April 2025. Seit dem Jahreshoch von 18,16 € Ende Februar hat sich der Kurs damit nahezu halbiert, und der Abverkauf zieht die gesamte Zulieferbranche mit nach unten. Ist das der Einstiegsmoment für antizyklische Anleger oder erst der Anfang einer längeren Talfahrt?
Die Prognose fällt
OPMobility wollte den operativen Vorjahresgewinn von 490 Millionen € ursprünglich übertreffen. Nun peilt der französische Zulieferer für 2026 nur noch ein Ergebnis von "bis zu 450 Millionen €" an. Vorstandschefin Felicie Burelle begründete den Schritt mit volatilen Lieferketten, verschärftem Wettbewerb, Inflation bei Rohstoffen und elektronischen Bauteilen sowie einer rückläufigen Autoproduktion in China und Europa.
Die Begründung verweist auf branchenweite Belastungen. Genau deshalb traf die Meldung auch die Wettbewerber. Valeo sackte zeitweise auf ein Tief seit Ende Juli und lag zuletzt 6% im Minus. Im MDax bildete Aumovio mit minus 6,1% das Schlusslicht, Schaeffler verlor 3% und fiel auf den tiefsten Stand seit fast einem Jahr. Im SDax gaben Norma Group 3,5% nach und markierten ein Fünfmonatstief.
Die Hersteller liefern nicht
Der Kern des Problems liegt eine Stufe höher in der Wertschöpfungskette. Ein Marktbeobachter verwies auf das Zusammenspiel aus schwierigem Preisumfeld, Inflation, Wettbewerbsdruck aus China und teuren Investitionen in die Elektromobilität bei den europäischen Autobauern. Volkswagen senkte Mitte September die Gewinnprognose deutlich, nachdem das China-Geschäft eingebrochen war und eine Abschreibung im Zusammenhang mit der Porsche AG anfiel. Bei Stellantis führten seit Anfang Oktober Batterieengpässe bei E-Autos, hohe Energiekosten und eine schwächer als erwartete Nachfrage nach bestimmten Modellen zu vorübergehenden Werksstillständen in Italien und Frankreich.
Für Zulieferer ist das eine doppelte Belastung. Sinkende Abrufmengen drücken die Auslastung der Werke, gleichzeitig lassen sich gestiegene Material- und Elektronikkosten in einem Umfeld sinkender Produktion kaum an die Hersteller weitergeben. Beides schlägt direkt auf die operative Marge durch, wie die gekappte Prognose von OPMobility zeigt.
Continental hält besser stand
Deutlich robuster zeigte sich Continental im Dax mit einem Minus von 2,3%. Stützend wirkte ein Analystenkommentar von Bernstein Research. Harry Martin hob das Kursziel von 74 auf 82 € an und stufte die Aktie von "Market-Perform" auf "Outperform" hoch. Er verwies auf die seit Jahresbeginn unterdurchschnittliche Kursentwicklung im Vergleich zur Konkurrenz.
Unter Einbeziehung des ContiTech-Verkaufs werde Continental derzeit mit einem Bewertungsabschlag zu den Wettbewerbern gehandelt, obwohl fundamental eher eine Prämie gerechtfertigt wäre, so Martin. Bis 2027 weise der Konzern das branchenweit beste Ergebnis- und Cashflow-Profil auf, was der Markt allerdings bereits weitgehend anerkenne. Nicht eingepreist sei nach seiner Einschätzung das langfristige Wachstums- und Margenpotenzial bei Premium-Reifen.
Fazit
Der Kurseinbruch bei OPMobility ist für uns kein Einzelfall, sondern das Symptom einer Branche, die zwischen Preisdruck, teuren Elektro-Investitionen und schrumpfenden Stückzahlen eingeklemmt ist. Bei OPMobility könnte es ratsam sein, zunächst Abstand zu halten, da die neue Prognose nach oben gedeckelt und das Umfeld laut Unternehmen weiter volatil ist. Erst wenn die Autohersteller ihre Produktionspläne stabilisieren, wäre eine nachhaltige Erholung bei den Zulieferern plausibel. Continental erscheint uns innerhalb des Sektors die solidere Variante, gestützt durch das Votum von Bernstein Research und den beschriebenen Bewertungsabschlag nach dem ContiTech-Verkauf. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, dort die Position zu halten, während Neueinsteiger die Entwicklung im Sektor vorerst von der Seitenlinie aus beobachten könnten. Das Risiko bleibt, dass sich die Nachfrageschwäche der Hersteller verlängert und dann auch robustere Werte wie Continental erfasst.
Quelle: dpa-AFX
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