Die Angst vor steigenden Zinsen trifft die Technologiewerte weiter mit voller Wucht. Der Nasdaq 100 verlor am Donnerstag 1% auf 29.643 Punkte, nachdem er bereits zur Wochenmitte 2% abgegeben hatte. Damit stellt sich die Frage: Beginnt hier eine breitere Korrektur der KI-Fantasie, oder handelt es sich um eine Verschnaufpause?
Die Zinsangst dominiert
Im Zentrum der Verkäufe steht die Sorge, dass höhere Zinsen am Kapitalmarkt die schuldenfinanzierten Investitionen vieler Unternehmen in Künstliche Intelligenz zunehmend infrage stellen könnten. Diese Befürchtung hält den Markt weiterhin im Griff. Sie erklärt auch, warum ausgerechnet die wachstumsstarken Technologiewerte am stärksten unter Druck geraten: Deren Bewertungen beruhen auf Gewinnen, die weit in der Zukunft liegen und bei steigenden Zinsen rechnerisch an Wert verlieren.
Der Markt läuft auseinander
Wie unterschiedlich die Lage beurteilt wird, zeigt der Blick auf die anderen Indizes. Der marktbreite S&P 500 gab am Donnerstag lediglich 0,2% auf 7.704 Punkte nach, obwohl er am Dienstag vergangener Woche noch ein Rekordhoch markiert hatte. Der Dow Jones Industrial legte zuletzt sogar 0,5% auf 51.876 Punkte zu.
Diese Spreizung ist der aussagekräftige Befund des Handelstages. Kapital verlässt offenbar nicht den Aktienmarkt insgesamt, sondern wandert aus den zinssensiblen Wachstumswerten in jene klassischen Industrie-, Konsum- und Finanztitel, die im Dow stärker gewichtet sind. Geschäftsmodelle mit stabilen Zahlungsströmen und geringerer Verschuldung stehen damit relativ besser da als Unternehmen, deren Kapitalbedarf über Fremdfinanzierung gedeckt wird.
Fazit
Wir sehen in der aktuellen Bewegung weniger einen fundamentalen Bruch als eine Neubewertung der Finanzierungskosten im KI-Sektor. Solange der breite Markt nur moderat nachgibt und die Standardwerte zulegen, spricht wenig für eine marktbreite Krise. Entscheidend dürfte nun sein, ob die Zinsen am langen Ende weiter anziehen, denn dann hielte der Druck auf hoch bewertete Technologiewerte an.
Für bestehende Technologiepositionen könnte es sinnvoll sein, die Nerven zu behalten, statt in die Schwäche hinein zu verkaufen. Wer neu einsteigen möchte, könnte die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen zunächst von der Seitenlinie aus beobachten. Das Risiko bleibt, dass sich der Rückschlag bei weiter steigenden Renditen ausweitet und auch den breiten Markt erfasst.
Quelle: dpa-AFX
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