Lufthansa-Aktie: Macht teures Kerosin den Einstieg jetzt riskant?
Die Lufthansa-Aktie gehört am heutigen Mittwoch zu den schwächsten Werten im MDax und verliert 1,5% auf 7,09 €. Damit nähert sich der Kurs den Zwischentiefs aus März und April und damit dem tiefsten Stand seit fast einem Jahr. Auslöser ist der kräftige Anstieg der Energiepreise, der die gesamte Branche trifft. Damit stellt sich die Frage: Wie stark belastet das teure Kerosin die Ertragslage der Airline tatsächlich?
Der Ölpreis zieht an
Brent-Öl kostete am Mittwoch zeitweise mehr als 106 US$ je Fass. Die Kriege im Nahen Osten blockieren eine Entspannung am Ölmarkt und halten die Notierungen oben. Für Fluggesellschaften ist das besonders unangenehm, weil Treibstoff zu den größten Einzelposten der Kostenbasis zählt.
Noch deutlicher fällt die Bewegung bei den Kerosinpreisen in Europa aus. Diese sind seit Anfang Juli um mehr als 65% gestiegen. Eine Verteuerung in dieser Größenordnung lässt sich kurzfristig kaum über höhere Ticketpreise weitergeben, zumal die Nachfrage im europäischen Luftverkehr preissensibel reagiert.
JPMorgan kürzt die Prognosen
JPMorgan-Analyst Harry Gowers sieht in den gestiegenen Kerosinpreisen Ertragsrisiken für die Fluggesellschaften im Jahr 2027. Er hat seine Prognosen für den operativen Gewinn der Airlines im kommenden Jahr im Schnitt um rund 25% gesenkt. Ein Abschlag dieser Größenordnung verschiebt die Ergebnisbasis, an der sich die Bewertung orientiert.
Gowers rechnet zudem mit weiteren Kürzungen der Flugkapazitäten, sollten die Treibstoffpreise auf hohem Niveau bleiben. Für Lufthansa hieße das weniger Angebot und damit tendenziell geringere Umsätze, auch wenn ein knapperes Sitzplatzangebot die Ticketpreise stützen könnte.
Charttechnik unter Druck
Bei 7,09 € droht der Rutsch unter die Zwischentiefs vom März und April dieses Jahres. Fällt diese Zone, wäre der tiefste Kurs seit fast einem Jahr erreicht, und der Chart böte nach unten zunächst wenig Halt. Dass die Aktie am Mittwoch das Schlusslicht im MDax bildet, zeigt, wie direkt der Markt den Ölpreisanstieg auf die Fluggesellschaft überträgt.
Fazit
Aus unserer Sicht ist die Lufthansa-Aktie derzeit vor allem eine Wette auf einen fallenden Ölpreis, und diese Wette hängt an geopolitischen Entwicklungen, die kein Management steuern kann. Die Prognosekürzung von JPMorgan für 2027 ist ein gewichtiges Argument gegen einen schnellen Einstieg, zumal offen bleibt, ob der Margendruck über die Preisseite ausgeglichen werden kann. Entscheidend wird nun sein, ob die genannte Unterstützungszone hält und ob sich die Lage am Ölmarkt beruhigt. Solange die Kerosinpreise auf dem erhöhten Niveau verharren, könnten Anleger die Entwicklung von der Seitenlinie aus beobachten. Für bestehende Aktionäre mit langem Anlagehorizont könnte es vertretbar sein, die Position zu halten, allerdings mit dem Risiko weiterer Kursverluste, falls die Kapazitätskürzungen tatsächlich kommen.
Quelle: dpa-AFX
Lufthansa kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über Lufthansa und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
Lufthansa weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »