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Linde-Aktie +3,75%: Tragen die Rekordzahlen die hohe Bewertung?

Quartalszahlen überzeugen Anleger

Linde hat am Donnerstag für das dritte Quartal einen Umsatz von 9,404 Milliarden US$ gemeldet. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte mit 4,59 US$ einen Rekord. Beides lag über den Schätzungen der Analysten. Das ausgewiesene Ergebnis je Aktie fiel dagegen um 11%. Am Vormittag notierte die Aktie 3,75% höher bei 470,60 €. Damit stellt sich die Frage: Wie passen Rekord und Gewinnrückgang zusammen, und rechtfertigen die Zahlen die hohe Bewertung?

Rekord trotz Sonderlasten

Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 9%. Davon ging ein Prozentpunkt auf Währungseffekte zurück. Bereinigt um solche Effekte wuchs Linde um 5%: Die Preise brachten 3%, die Absatzmengen 2%. Mehr verkauft hat der Konzern vor allem an Kunden aus Elektronik, Chemie und Energie sowie an die verarbeitende Industrie. Analysten hatten im Schnitt nur 9,14 Milliarden US$ Umsatz und einen bereinigten Gewinn von 4,52 US$ je Aktie erwartet.

Der Nettogewinn sank um 12% auf 1,692 Milliarden US$. Das sind 3,66 US$ je Aktie. Linde nennt dafür vor allem zwei Gründe: Effekte aus der Kaufpreisbilanzierung im Zusammenhang mit der Linde AG und Kosten für ein Sparprogramm. Das ausgewiesene operative Ergebnis ging um 9% auf 2,150 Milliarden US$ zurück. Die Marge lag bei 22,9%. Ohne Sondereffekte stieg das operative Ergebnis um 8% auf 2,763 Milliarden US$, die Marge lag hier bei 29,4%. Hinzu kam eine höhere Steuerquote von 21,1% nach 18,0% im Vorjahr. Der operative Cashflow wuchs um 8% auf 3,169 Milliarden US$. Das zeigt mir, dass das Kerngeschäft weiterhin verlässlich Geld erwirtschaftet.

Chipfabriken treiben Wachstum

Am stärksten wuchs das Geschäft mit der Elektronikindustrie. Hier legte der Umsatz um 15% zu. Linde liefert hochreine Gase wie Sauerstoff und Stickstoff. Chiphersteller brauchen sie, damit in ihren Fabriken keine Verunreinigungen entstehen. Der Ausbau von Rechenkapazitäten für künstliche Intelligenz hält die Nachfrage hoch. Der Konzern meldet besonders aus der Elektronikbranche viele Kundenanfragen. Der Projektauftragsbestand liegt bei 11 Milliarden US$ und soll weiter wachsen.

Für Anleger ist das wichtig, weil neue Gasanlagen meist über viele Jahre Umsatz bringen. Die Vertragsstruktur macht Linde zudem weniger anfällig für Konjunkturschwankungen. Vorstandschef Sanjiv Lamba verwies auf weitere Schritte, um die Produktivität zu steigern. Diese Maßnahmen sind der Grund für die aktuellen Programmkosten. Im Quartal gab Linde 1,69 Milliarden US$ an die Aktionäre zurück.

Prognose leicht angehoben

Für 2026 erwartet Linde nun einen bereinigten Gewinn je Aktie von 17,82 bis 17,92 US$. Bisher lag die Spanne bei 17,60 bis 17,90 US$. Das wären 8% bis 9% mehr als im Vorjahr. Die Mitte der Spanne liegt bei 17,87 US$ und damit etwa auf Höhe der Konsensschätzung von 17,88 US$. In den ersten drei Quartalen verdiente Linde zusammen 13,42 US$ je Aktie. Rechnerisch bleiben damit für das Schlussquartal 4,40 bis 4,50 US$, weniger als im dritten Quartal. Darauf weist auch Bernstein-Analyst James Hooper hin. Er bestätigte sein Urteil "Outperform" mit einem Kursziel von 562 US$.

Bewertung mit Aufschlag

An der Nasdaq kostet die Aktie rund 508 US$. Gemessen an der Mitte der Prognose ergibt sich für 2026 ein KGV von gut 28. Für 2027 erwarten Analysten einen Gewinn von 19,59 US$ je Aktie. Daraus ergibt sich ein KGV von knapp 26. Die Dividende für 2026 beträgt 6,40 US$ je Aktie, die Rendite liegt damit bei rund 1,3%. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bis Mitte Oktober rund 24% zugelegt. Das 52-Wochen-Hoch von 477,80 € stammt vom 2. Juli.

Die meisten Analysten sind positiv gestimmt. Von 28 erfassten Analysten raten 22 zum Kauf, fünf zum Halten und einer zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 544,15 US$. RBC Capital bestätigte Mitte Oktober "Outperform" und senkte das Kursziel leicht auf 549 US$. Argus reduzierte das Kursziel auf 538 US$.

Fazit

Für mich zeigt das Quartal, dass Lindes Geschäft funktioniert. Der Rückgang beim ausgewiesenen Ergebnis geht vor allem auf Sondereffekte zurück und beschädigt den Investment-Case aus meiner Sicht nicht. Mit dem Elektronikgeschäft hat der Konzern zudem einen Wachstumstreiber, der über das laufende Jahr hinaus tragen könnte. Die leicht angehobene Prognose bringt jedoch kaum neue Kursfantasie. Das schwächere Schlussquartal könnte die Aktie kurzfristig bremsen, zumal sie nah am Jahreshoch notiert.

Entscheidend wird nun sein, ob Linde den Auftragsbestand in den kommenden Quartalen tatsächlich in Umsatz umsetzt. Ebenso wichtig ist, ob das Sparprogramm die Margen spürbar stützt. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten. Für einen Neueinstieg ist mir die Bewertung gemessen am erwarteten Gewinnwachstum derzeit etwas zu hoch, auch wenn die starken Margen einen Aufschlag rechtfertigen. Ein Kauf könnte erst bei einem Rücksetzer oder einem deutlich höheren Gewinnausblick für 2027 interessant werden.

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