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Quelle: ChatGPT

Infineon-Aktie: Ist der Rücksetzer jetzt eine Einstiegschance?

Halbleiter unter Druck

In der Vorwoche verlor die Infineon-Aktie mehr als 10%. Am gestrigen Montag hat sie sich wieder etwas gefangen. Zeitweise stand ein Aufschlag von 3,18% auf 53,18 € auf der Kurstafel, zum Handelsschluss blieb ein Plus von +0,7% bei 51,88 €. Gleichzeitig baut der Münchner Chipkonzern sein Geschäft mit der Stromversorgung von KI-Rechenzentren aus und hat seine Lieferbeziehung zu Wolfspeed erweitert. Damit stellt sich die Frage: Ist der Rücksetzer vor den Jahreszahlen am 10. November eine Chance zum Einstieg?

Zinssorgen belasten Chipwerte

Mit Infineon selbst hatte der Abverkauf wenig zu tun. US-Inflationsdaten fielen höher aus als erwartet und schürten Zinsängste. Dazu kamen wachsende Zweifel, ob sich die hohen Investitionen in KI-Rechenzentren schnell genug rentieren und wie sie finanziert werden sollen. Halbleiterwerte gerieten deshalb in den USA und in Asien gleichermaßen unter Druck. In der vergangenen Woche fiel Infineon zwischenzeitlich auf 50,55 € und damit unter die 200-Tage-Linie, am Freitag schloss die Aktie bei 51,54 €.

Auch für die Erholung am Montag gab es keinen Auslöser aus dem Unternehmen. Trotz der jüngsten Schwäche liegt die Aktie seit Jahresanfang noch rund 40% im Plus.

KI-Server als Wachstumstreiber

Operativ setzt Infineon klar auf die Energieversorgung von KI-Rechenzentren. Anfang Oktober brachte der Konzern ein 27-kW-Dreiphasen-Netzteil für Serverhersteller auf den Markt. Es ist für die neuen Stromarchitekturen mit 800 VDC beziehungsweise ±400 VDC ausgelegt. Am 12. Oktober folgte mit dem XDP8HD40S-1 ein Hochvolt-Hot-Swap-Controller für dieselben Systeme. Erste Muster sollen im zweiten Quartal 2027 an Kunden gehen. Außerdem schloss Infineon am 5. Oktober die Übernahme von C2i ab.

Für Anleger ist das wichtig, weil steigende GPU-Leistung und dichter bestückte Server-Racks genau diese Architekturwechsel vorantreiben. Hier liegt aus meiner Sicht der Bereich, der die Wachstumserwartungen an die Aktie am ehesten erfüllen kann. Im Umsatz zeigen sich die neuen Produkte allerdings erst nach und nach, beim Controller frühestens nach der Bemusterung.

Wolfspeed liefert größere Wafer

Am vergangenen Donnerstag haben Infineon und Wolfspeed ihr langfristiges Lieferabkommen verlängert und erweitert. Bislang bezog Infineon nur Siliziumkarbid-Wafer mit 150 Millimetern Durchmesser. Künftig liefert Wolfspeed zusätzlich Wafer mit 200 Millimetern. Die Vereinbarung soll die Lieferkette widerstandsfähiger machen und hilft Infineon bei der Umstellung der eigenen Fertigung auf das größere Format.

Ein Restrisiko bleibt beim Partner. Wolfspeed hat sich im Geschäftsjahr 2026 über ein Chapter-11-Verfahren neu finanziert und zuletzt eine deutlich negative Bruttomarge ausgewiesen.

Bewertung setzt Gewinnsprung voraus

Im dritten Geschäftsquartal bis Ende Juni steigerte Infineon den Umsatz auf 4,17 Milliarden €, nach 3,70 Milliarden € im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie stieg von 0,23 € auf 0,32 €. Für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 2026 erwarten Analysten im Schnitt 1,75 € je Aktie. Beim Schlusskurs von 51,88 € entspricht das einem KGV von knapp 30. Für das Geschäftsjahr 2027 liegt die mittlere Schätzung bei 2,84 € je Aktie, das ergibt ein Forward-KGV von gut 18.

Für 2027 wirkt das moderat. Es setzt aber voraus, dass der Gewinn um gut 60% steigt. Genau diese Erwartung wird am 10. November geprüft, wenn Infineon die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr vorlegt. Bis dahin hält sich der Konzern gegenüber dem Kapitalmarkt zurück. Am 15. Oktober bekräftigte mwb research sein Halten-Votum und ein Kursziel von 60 €.

Fazit

Der Ausverkauf der Vorwoche spiegelte meiner Einschätzung nach vor allem die Stimmung in der ganzen Branche wider. Die strategische Lage von Infineon hat sich dadurch kaum verschlechtert. Das wachsende Angebot für KI-Server und die gesicherte Versorgung mit größeren Wafern stärken die Position des Konzerns auf Jahre hinaus. Ein Schnäppchen ist die Aktie trotzdem nicht, denn ihre Bewertung beruht auf der Erwartung deutlich höherer Gewinne.

Eine echte Einstiegschance sehe ich im Rücksetzer deshalb nur bedingt. Entscheidend wird sein, ob Infineon mit den Jahreszahlen einen Ausblick liefert, der diese Erwartung stützt, und ob sich die Zinsängste legen. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie bis dahin zu halten. Ein Neueinstieg könnte erst interessant werden, wenn die Zahlen den erwarteten Gewinnsprung bestätigen und die Aktie wieder über die 200-Tage-Linie steigt. Wer vorher kauft, setzt auf einen Ausblick, den ich angesichts der anhaltenden Skepsis gegenüber KI-Investitionen noch nicht für sicher halte.

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