Die Infineon-Aktie hat am gestrigen Mittwoch einen Teil ihrer jüngsten Verluste aufgeholt. Am Nachmittag notierte der Chipkonzern bei 52,98 €, ein Tagesplus von +3,17%. Am heutigen Donnerstag bröckelt die Erholung schon wieder. Zuletzt wurde das Papier bei 51,52 € gehandelt, das sind -2,9% im Vergleich zum Vortag. Damit stellt sich die Frage: Leitet die Gegenbewegung bei den Techwerten eine Wende ein, oder bleibt es nach dem KI-Rücksetzer bei einem kurzen Aufatmen?
Rückenwind kam von außen
Den Schub lieferte am Mittwoch der gesamte Techsektor. Tesla gewann mehr als 3%, Supermicro legte um 10% zu. Elon Musk bestätigte zudem, dass SpaceX und Tesla einen Zusammenschluss prüfen. Mit Aixtron und Siltronic stiegen auch andere deutsche Halbleiterwerte. Eine eigene Unternehmensmeldung von Infineon gab es dazu nicht.
Davor war die Aktie deutlich gefallen. Am 15. Oktober verlor sie 5,20%. Belastet haben Sorgen um die KI-Branche und US-Inflationsdaten, die höher ausfielen als erwartet. Viele Anleger fürchten nun, dass die Zinsen länger hoch bleiben. In der vergangenen Woche landete Infineon am Ende des DAX, während der Leitindex um 2,28% auf 25.660 Punkte zulegte. Auf Monatssicht steht ein Minus von knapp 12%, seit Jahresbeginn liegt die Aktie trotzdem noch rund 40% im Plus.
Rechenzentren geben den Takt vor
Diese relative Schwäche zeigt für mich, wie eng die Aktie inzwischen an der Stimmung im KI-Sektor hängt. Zweifel an den Investitionen in Rechenzentren schlagen direkt auf den Kurs durch. Zusätzlich belasten Berichte über steigende Risiken bei der Finanzierung großer Rechenzentren. Das betrifft Infineon, weil die hohen Erwartungen an das Unternehmen zu einem guten Teil auf diesem Geschäft beruhen.
Operativ hat der Vorstand die Messlatte hoch gelegt. Für das vierte Geschäftsquartal stellt Infineon einen Umsatz von rund 4,7 Milliarden € und eine Segmentergebnismarge von etwa 23% in Aussicht. Im Vorquartal hatte der Konzern einen Rekordumsatz von 4,172 Milliarden € erzielt. Gegenüber dem Vorquartal entspräche das einem Plus von rund 13%. Die vorläufigen Zahlen sollen am 10. November kommen. Deutsche Bank Research hat seine Kaufempfehlung vor wenigen Tagen bestätigt, Analyst ist Johannes Schaller.
Bewertung wird greifbarer
Für das Geschäftsjahr 2026/27, das Ende September 2027 endet, erwarten Analysten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 2,84 €. Für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr liegt der Wert bei 1,75 €. Beim Kurs von 52,98 € ergibt sich für 2026/27 ein Forward-KGV von rund 19. Für das abgelaufene Geschäftsjahr sind es rund 30. Für 2027/28 rechnen die Analysten mit 3,81 € je Aktie, daraus folgt ein KGV von knapp 14.
Bei einem erwarteten Gewinnplus von rund 62% halte ich diese Bewertung für moderat. Der Haken: Diese Rechnung geht nur auf, wenn der Aufschwung im Halbleiterzyklus anhält und die KI-Nachfrage nicht nachlässt.
Fazit
Den Anstieg vom Mittwoch werte ich als reine Gegenbewegung, eine Wende sehe ich darin noch nicht. Er hing allein an der besseren Stimmung im Techsektor, und schon am Donnerstagmorgen ging ein großer Teil davon wieder verloren. Solange Zinsängste und Zweifel an der Finanzierung von Rechenzentren den Markt bestimmen, dürfte die Aktie stark schwanken. Bewertungsseitig ist die Aktie durch den Rücksetzer aus meiner Sicht aber attraktiver geworden.
Entscheidend wird nun sein, ob Infineon am 10. November den angekündigten Quartalsumsatz erreicht und ob der Ausblick den erwarteten Gewinnsprung für 2026/27 stützt. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten. Ein Neueinstieg könnte vor allem nach den Zahlen interessant werden, wenn der Vorstand die Erwartungen bestätigt. Wer früher einsteigt, setzt darauf, dass sich die Stimmung im KI-Sektor stabilisiert. Kräftige Rückschläge wie im vergangenen Monat wären dann aus meiner Sicht weiter möglich.
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