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Healthineers-Aktie: Rechtfertigt der Ausblick die 18%-Rally?

Siemens Healthineers im Fokus
Redaktion | Börse

Die Healthineers-Aktie gab am Donnerstag rund 0,6% nach, nachdem sie zu Handelsbeginn bereits fast 3% im Minus gelegen hatte. Seit Anfang Oktober hatte das Papier eine Rally mit einem Kursgewinn von 18% hinter sich und damit die zeitweise deutlichen Verluste seit Jahresbeginn aufgeholt. Nun kommen gleich mehrere Strukturentscheidungen zusammen: Namenswechsel, Abspaltung von Siemens, Trennung von der Labordiagnostik und ein neues Restrukturierungsprogramm. Reichen die vorgelegten Zahlen und der Ausblick aus, um das erreichte Kursniveau zu rechtfertigen?

Siemens verschwindet aus dem Namen

Der Erlanger Medizintechnikkonzern will künftig nur noch Healthineers heißen, mit einer Übergangsfrist von drei Jahren. Konzernchef Bernd Montag bezeichnete Siemens als Herkunft und als wichtigen sowie geschätzten Teil des Erbes, sieht im Namen Healthineers aber die treffendere Beschreibung des Unternehmens. Hinter dem Schritt steht die Entflechtung vom Mutterkonzern, der sich von der Mehrheit trennen will und mittelfristig eine reine Finanzbeteiligung anstrebt. Über die Abspaltung sollen die Aktionäre beider Unternehmen auf den Hauptversammlungen im Februar abstimmen.

In einem ersten Schritt sollen laut früheren Angaben 30% abgegeben werden. Siemens hält derzeit noch rund 67% an der 2018 an die Börse gebrachten Tochter. Aktionäre hatten die Trennung seit Längerem gefordert, weil Healthineers keine Synergien zu den übrigen Siemens-Geschäften aufweist und viel Kapital bindet. Bereits am Mittwoch kündigte Healthineers einen Umbau des Aufsichtsrats an, aus dem unter anderem Siemens-Chef Roland Busch und Finanzchefin Veronika Bienert ausscheiden.

Das Sorgenkind wird ausgegliedert

Das Geschäft mit Laborstraßen soll als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Olyrian Diagnostics firmieren und bis zur Mitte des Kalenderjahres 2028 aus dem Konzern herausgelöst werden. Bis dahin bleibt der Bereich Teil von Healthineers. Der Sparte setzen das schwierige China-Geschäft und das sukzessive Auslaufen älterer Analyse-Systeme zu, im Sommer musste der Konzern deswegen den Umsatzausblick senken. Künftig konzentriert sich Healthineers auf Bildgebung und Präzisionstherapie.

Der Umbau kostet zunächst Geld. Entflechtung von Siemens, Ausgliederung der Labordiagnostik und die bereits bekannte teilweise Einstellung des Ultraschallgeschäfts schlagen mit jährlichen Belastungen von rund 300 Millionen Euro zu Buche. Ein neues Restrukturierungsprogramm für die Geschäftsjahre 2028 bis 2030 soll die Strukturen anpassen und die Aufstellung schlanker machen.

Der Ausblick enttäuscht

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Healthineers einen Rückgang des bereinigten Gewinns je Aktie von 2,42 Euro auf 2,20 bis 2,40 Euro, während der Analystenkonsens bei 2,37 Euro liegt. Das vergleichbare Umsatzwachstum soll bei vier bis 5% liegen und damit unter den vom Markt erwarteten 5,5%. Analyst David Adlington von JPMorgan rechnet beim Ergebnis je Aktie mit einer Kürzung der Konsensschätzungen um 3%, hält die Umsatzvorgabe aber für konservativ. Am Markt hieß es, der Ausblick reiche nicht aus, um das hohe Kursniveau zu halten.

Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr fielen solide aus. Der vergleichbare Umsatz stieg um 4% auf 23,63 Milliarden Euro, nominal betrug das Plus 1,1%. Unter dem Strich verdiente der Konzern gut 2,2 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 3,5%. Im vierten Quartal zog das vergleichbare Wachstum auf 5,9% bei knapp 6,8 Milliarden Euro Umsatz an, getragen von einem zweistelligen Plus in der Bildgebung, wo sich wie angekündigt Umsätze in die letzten drei Monate verschoben hatten. Precision Therapie mit dem Krebsspezialisten Varian legte um 4,8% zu, die Labordiagnostik schrumpfte erneut. Die Dividende bleibt mit einem Euro je Aktie unverändert.

Fazit

Der strategische Zuschnitt erscheint folgerichtig: Ein fokussierter Konzern aus Bildgebung und Präzisionstherapie ohne das margenschwache Laborgeschäft wäre das klarere Investment. Der Preis dafür fällt allerdings zuerst an, über jährliche Belastungen von rund 300 Millionen Euro und ein Restrukturierungsprogramm, das erst ab 2028 greift. Dass der bereinigte Gewinn je Aktie im laufenden Jahr sinken dürfte, passt schlecht zu einer Aktie, die seit Anfang Oktober 18% zugelegt hat. Entscheidend dürfte sein, ob die Bildgebung ihr zuletzt zweistelliges Wachstum fortsetzt und die Ausgliederung bis Mitte 2028 ohne zusätzliche Belastungen gelingt. Für bestehende Positionen könnte sich Abwarten anbieten, bis die Abstimmung im Februar und die weitere Entwicklung der Prognose mehr Klarheit bringen.

Quelle: dpa-AFX

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