Die Friedrich-Vorwerk-Aktie springt am Mittwoch bis zum Mittag um gut 11% nach oben und erreicht damit das höchste Niveau seit Anfang September. Auslöser ist die erneute Anhebung der Jahresziele, von der auch Großaktionär MBB mit einem Plus von gut 7% profitiert. Trägt die operative Stärke den Kurs weiter, oder sprechen die rückläufigen Aufträge dagegen?
Prognose erneut angehoben
Der Pipeline- und Anlagenbauer für Erdgas-, Strom- und Wasserstoffanwendungen hat seine Jahresziele ein weiteres Mal nach oben gesetzt. Nikolas Demeter vom Bankhaus Metzler verweist darauf, dass das Unternehmen die von ihm erwarteten starken Quartalsergebnisse geliefert hat. Überrascht habe ihn jedoch das Ausmaß, in dem das operative Ergebnis gestiegen sei. Das neue Jahresziel für das Ebitda liegt laut Demeter sogar über seiner ohnehin schon optimistischeren Schätzung.
Leon Mühlenbruch von MWB Research lobt die Vorabzahlen zum dritten Quartal ebenfalls, insbesondere das Ebitda. Er führt das Ergebnis auf einen vorteilhaften Projektmix zurück, der gut umgesetzt worden sei.
Auftragseingang rückläufig
Die Kehrseite benennt Mühlenbruch deutlich: Der Auftragsbestand ist gefallen, und der Auftragseingang nimmt weiter ab. Mit fast 130 Millionen Euro liegt er nach seinen Angaben mehr als ein Drittel unter dem Vorjahresniveau. Entsprechend zweifelt Mühlenbruch daran, ob sich Profitabilität und Wachstum auf diesem Niveau halten lassen. Trotz angehobenem Kursziel bleibt er deshalb bei seiner Einstufung Hold.
Demeter sieht das anders und hält an seiner Kaufempfehlung fest. Sein Kursziel von 120 Euro signalisiert noch über 60% Spielraum nach oben und liegt damit über dem inzwischen ein Jahr alten Rekordkurs von gut 109 Euro.
Charttechnik spricht für Käufer
Mit dem Kurssprung hat die Aktie die einfache 200-Tage-Linie hinter sich gelassen. Dasselbe gilt für die Papiere der Beteiligungsgesellschaft MBB, die als Großaktionär an der Entwicklung bei Friedrich Vorwerk teilhat.
Fazit
Friedrich Vorwerk hat operativ geliefert, und die erneute Prognoseerhöhung ist ein belastbares Signal für das laufende Geschäftsjahr. Die Gegenrechnung steht allerdings schon in den Büchern: Ein Auftragseingang, der um mehr als ein Drittel unter dem Vorjahresniveau liegt, dürfte sich nicht beliebig lange durch einen guten Projektmix kompensieren lassen. Zwischen dem optimistischen Kursziel von Metzler und der zurückhaltenden Hold-Einstufung von MWB Research liegt genau diese Frage. Entscheidend dürfte sein, ob der Auftragseingang in den kommenden Quartalen wieder anzieht. Bestehende Anleger könnten die Position angesichts des Rücksprungs über die 200-Tage-Linie halten, während ein Neueinstieg nach dem kräftigen Tagesplus eher eine Beruhigung und die nächsten Auftragszahlen abwarten sollte.
Quelle: dpa-AFX
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