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Evonik-Aktie: Genügen BASF 24 € jetzt für die Übernahme?

Übernahmefantasie bei Evonik

Der Übernahmepoker um Evonik geht in die nächste Runde. Nach Berichten über ein höheres Gebot von BASF stieg die Evonik-Aktie am vergangenen Freitag um 3,4% und schloss auf Xetra bei 21,26 €. Das neue Gebot liegt bei rund 24 € je Aktie, der Kurs also 2,74 € darunter. Zugleich soll Evonik selbst den US-Konzern Ashland ins Auge gefasst haben. Damit stellt sich die Frage: Ist die Lücke von fast 13% eine Chance für Anleger oder ein Warnsignal?

BASF legt kräftig nach

Nach Angaben von Insidern hat BASF seine Offerte auf etwa 24 € je Aktie aufgestockt. Für das gesamte Unternehmen wären das mehr als 11 Milliarden €. Ende September hatten noch 22,15 € je Aktie im Raum gestanden, insgesamt rund 10,3 Milliarden €. Evonik lehnte diesen ersten Vorstoß als zu niedrig ab. Offiziell bestätigt haben weder BASF noch Evonik das neue Gebot, auch die RAG-Stiftung äußerte sich nicht. Einem Insider zufolge will Evonik die Offerte prüfen.

Um Widerstände abzubauen, bot BASF-Chef Markus Kamieth in einer Videobotschaft an, die bestehenden Standortvereinbarungen von Evonik zu übernehmen. Damit wären betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 ausgeschlossen, die Tarifverträge sollen bestehen bleiben. Außerdem soll mindestens ein Vorstandsressort in Nordrhein-Westfalen angesiedelt sein. Die Übernahme bezeichnete Kamieth als „starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb“. Ich sehe darin vor allem ein Signal an Belegschaft und Politik, deren Rückhalt für einen solchen Deal entscheidend sein dürfte.

Die Börse zweifelt

Dass die Aktie deutlich unter dem Gebot notiert, hat aus meiner Sicht einen klaren Grund: Bislang gibt es weder offizielle Verhandlungen noch eine Prüfung der Bücher. Mitte Oktober hieß es, BASF könne erst nach einem solchen Einblick über ein höheres Angebot sprechen. Ob das inzwischen geschehen ist, ist offen. Der Markt preist damit sowohl eine erneute Ablehnung durch Evonik als auch mögliche Verzögerungen durch die Fusionskontrolle ein.

Hinzu kommt der Faktor Ashland. Evonik soll die Investmentbanken Perella Weinberg Partners und JP Morgan beauftragt haben, nach geeigneten Übernahmezielen zu suchen. Der US-Konzern ist an der Börse rund 3,3 Milliarden US$ wert und sucht auf Druck des aktivistischen Investors Ancora einen Käufer. Mit einem Zukauf in den USA will Evonik seine Abhängigkeit von Europa verringern, die Portfolios ergänzen sich etwa bei Kosmetik-Inhaltsstoffen und Spezialadditiven. Allerdings gelten auch die Finanzinvestoren Advent, Apollo und Carlyle als interessiert, und der stark gestiegene Ashland-Kurs gilt als wesentliches Risiko. Eine größere Akquisition würde die Pläne von BASF deutlich verkomplizieren. Am Tag der Ashland-Berichte gab die Evonik-Aktie um rund 2,5% nach.

Gebot über allen Kurszielen

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 ergibt sich beim aktuellen Kurs ein KGV von knapp 12,9. Für 2027 erwarten Analysten allerdings einen geringeren Gewinn, das KGV steigt dann auf etwa 15,3. Gemessen am Gebot von 24 € würde BASF auf Basis von 2027 rund das 17-Fache des erwarteten Gewinns bezahlen. Für einen Spezialchemiekonzern in einer schwachen Branchenphase halte ich das für einen ordentlichen Preis. Die Dividende von zuletzt 1,00 € je Aktie entspricht beim aktuellen Kurs einer Rendite von etwa 4,7%.

Die Analysten lagen schon vor dem neuen Gebot unter dieser Marke. Die DZ Bank hob ihr Kursziel Ende September von 21 € auf 22 € an und rät zum Kauf. Berenberg stufte die Aktie Anfang Oktober von „Sell“ auf „Hold“ hoch, mit einem Kursziel von 20 €. Die Deutsche Bank bleibt bei „Hold“ und sieht den fairen Wert bei 18 €. Ohne Übernahmeprämie wäre die Aktie aus fundamentaler Sicht damit eher fair als günstig bewertet.

Fazit

Für mich ist die Evonik-Aktie derzeit eine reine Wette auf den Ausgang des Übernahmepokers. Wenn die Gespräche scheitern, könnte der Kurs spürbar in Richtung der Analystenziele zurückfallen. Entscheidend wird nun sein, ob Evonik die Tür für Verhandlungen und eine Buchprüfung öffnet oder mit einem Ashland-Gebot eigene Wege geht. Diesen Weg würde ich für Evonik-Aktionäre kurzfristig als Belastung einstufen, weil er die Chancen auf eine Einigung mit BASF schmälern dürfte.

Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten und auf ein offizielles Angebot zu warten. Die Dividende bietet dabei einen gewissen Puffer. Einen Neueinstieg bei rund 21 € halte ich dagegen für riskant, da dem möglichen Aufschlag bis zum Gebotspreis ein ähnlich großes Rückschlagrisiko gegenübersteht. Erst wenn beide Konzerne offiziell verhandeln oder BASF ein verbindliches Angebot vorlegt, könnte ein Einstieg aus meiner Sicht interessant werden.

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