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Ethereum: Wiegt JPMorgan schwerer als 1,08 Mrd. US$ Abflüsse?

Widersprüchliche Krypto-Signale

JPMorgan hat seinen Einlagen-Token JPM Coin auf die Ethereum-Blockchain gebracht. Zugleich ziehen Anleger den vierten Handelstag in Folge Geld aus den US-Spot-Ether-ETFs ab. Ether gab am Dienstag um 2,05% auf rund 2.382 US$ nach. Damit stellt sich die Frage: Wiegt der Vertrauensbeweis von JPMorgan schwerer als die Abflüsse aus den Fonds?

JPMorgan wählt Ethereum

JPM Coin wurde von Kinexys entwickelt, der Blockchain-Einheit von JPMorgan. Der Token bildet US-Dollar-Einlagen bei der Bank digital ab und ist seit Montag, dem 19.10.2026, auf dem Ethereum-Mainnet verfügbar. Seit November 2025 lief er bereits auf Base, dem Layer-2-Netzwerk von Coinbase. Zugelassene institutionelle Kunden können damit rund um die Uhr Dollar überweisen, Wertpapiergeschäfte abwickeln und Zahlungen für Sicherheiten leisten.

Ausschlaggebend für Ethereum waren laut JPMorgan die vorhandene Liquidität auf der Blockchain und die vielen tokenisierten Vermögenswerte im Netzwerk. Getestet wurde der Start unter anderem mit Coinbase, Mastercard und dem Handelshaus B2C2. Auch auf der öffentlichen Blockchain bleibt der Token zugelassenen Kunden vorbehalten.

Reale Nutzung zählt

Für Ether ist die Nachricht vor allem ein Signal für die Rolle als Plattform. Eine Großbank nutzt das Netzwerk für Zahlungen und die Abwicklung von Geschäften und stärkt damit das Argument, dass Ethereum als Infrastruktur für tokenisiertes Geld taugt. Weil JPM Coin den Dollar abbildet, profitiert Ether davon allerdings nur indirekt. Den Wert treibt erst eine deutlich höhere Aktivität im Netzwerk, und die baut sich bei einem Angebot nur für geprüfte Institutionen eher langsam auf.

Technisch steht der nächste Termin bereits fest. Am 26.10.2026 soll das Glamsterdam-Upgrade im Testnetz Hoodi starten, nachdem es am 6. Oktober bereits im Testnetz Sepolia aktiviert wurde. Das Gaslimit soll dabei von 60 Millionen auf 200 Millionen steigen. Außerdem bringt das Upgrade eine im Protokoll verankerte Trennung von Block-Vorschlag und Block-Bau (Proposer-Builder Separation) sowie Zugriffslisten auf Blockebene. Für die Kapazität im Hauptnetz ist das zunächst nur ein Test, der zeigen soll, ob der Fahrplan für die Skalierung aufgeht.

ETF-Anleger ziehen Geld ab

Die Fondsdaten zeigen eine deutlich schwächere Stimmung. Am 19.10.2026 verloren die US-Spot-Ether-ETFs netto 103,3 Millionen US$, in der Vorwoche waren es bereits 320,1 Millionen US$. Die Abflussserie hält seit dem 14. Oktober an.

Im Oktober summieren sich die Abflüsse aus den Ether-ETFs damit auf 1,08 Milliarden US$. Das ist der höchste Monatswert des Jahres 2026. Die Bitcoin-ETFs sammelten am Montag dagegen 527 Millionen US$ ein. Der Rückzug trifft also gezielt Ether und weniger den Kryptomarkt insgesamt.

Seit Jahresbeginn hat Ether rund 19,7% verloren, auf Jahressicht sind es rund 38%. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 260 Milliarden €, womit Ether weiterhin die zweitgrößte Kryptowährung ist. Vom Rekordhoch bei 4.953,73 US$ ist der Kurs mehr als die Hälfte entfernt.

Fazit

Aus meiner Sicht ist der Start von JPM Coin ein langfristig positives Signal für Ethereum als Basis für tokenisiertes Geld. Kurzfristig dürfte er den Kurs aber kaum tragen, weil die anhaltenden ETF-Abflüsse direkt auf Angebot und Nachfrage wirken. Den scheinbaren Widerspruch zwischen Wall Street und ETF-Anlegern erkläre ich mir mit unterschiedlichen Zeithorizonten: Banken bauen Infrastruktur für Jahre, Fondsanleger reagieren auf den Kurstrend.

Entscheidend wird nun sein, ob die Abflüsse in den kommenden Tagen versiegen und das Glamsterdam-Upgrade im Testnetz reibungslos läuft. Gelingt beides, könnte sich die Stimmung bei Ether wieder aufhellen. Hält die Abflussserie dagegen an, wäre ein weiterer Rückgang ein realistisches Risiko. Für bestehende Anleger mit langem Anlagehorizont könnte es sinnvoll sein, ihre Position zu halten. Wer neu einsteigen will, könnte die Entwicklung zunächst von der Seitenlinie aus beobachten, bis die ETF-Flüsse wieder ins Plus drehen.

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