Die UBS hat ihr Kursziel für BMW von 70 € auf 60 € gesenkt, die Einstufung bleibt bei "Neutral". Hinter der Kürzung steht der wachsende Druck der chinesischen Konkurrenz, der nach Einschätzung der Schweizer Großbank die gesamte europäische Autoindustrie vor den anstehenden Quartalszahlen belastet. Damit stellt sich die Frage: Ist das nur eine Momentaufnahme vor der Berichtssaison oder der Auftakt zu einer längeren Phase sinkender Erwartungen?
China drückt die Schätzungen
Analyst Patrick Hummel hat in einem am Freitag vorliegenden Branchenausblick seine Gewinnschätzungen je Aktie und die Kursziele für die europäischen Autobauer breit angelegt reduziert. Begründet wird der Schritt mit dem Wettbewerbsdruck aus China. Bei den operativen Ergebnisprognosen ging Hummel ähnlich konsequent vor und kürzte durchgehend, ausgenommen blieben nur die Porsche AG und Ferrari.
Für die kommenden Wochen erwartet die UBS schwache Resultate und hält Prognosesenkungen für möglich. Der Blick der Investoren dürfte sich dadurch auf die Risiken des kommenden Jahres verschieben. Auch bei den Zulieferern sieht Hummel zunehmende Risiken, wobei Continental im Reifengeschäft aus seiner Sicht am besten für eine Anhebung der Prognose aufgestellt ist.
Was das für BMW bedeutet
Ein um 10 € gesenktes Kursziel bei unverändertem Votum signalisiert, dass die UBS die Gewinnbasis der nächsten Quartale niedriger ansetzt, ohne das Geschäftsmodell grundsätzlich infrage zu stellen. Dass der Analyst gerade Porsche AG und Ferrari von den Kürzungen beim operativen Ergebnis ausnimmt, zeigt, wo er die Preissetzungsmacht noch intakt sieht. BMW gehört in dieser Lesart nicht dazu.
Relevant ist zudem der Zeitpunkt kurz vor der Berichtssaison. Wenn die UBS bereits jetzt mit enttäuschenden Zahlen und möglichen Prognosesenkungen rechnet, liegt die Messlatte für die kommenden Veröffentlichungen niedriger. Das kann kurzfristig entlasten, verschiebt die eigentliche Belastung aber auf den Ausblick für das kommende Jahr.
Fazit
Für uns ist das neue Kursziel vor allem eine Aussage über die Verfassung der europäischen Autobranche. Entscheidend wird sein, ob BMW bei den Quartalszahlen die Jahresprognose bestätigen kann oder sich der Reihe der Unternehmen mit Korrekturen anschließt. Wir sehen in der Kombination aus chinesischem Preisdruck und einer sinkenden Erwartungshaltung vorerst wenig Anlass für eine Neubewertung nach oben. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten und die Zahlen abzuwarten. Ein Nachkauf könnte erst interessant werden, wenn BMW zeigt, dass es die Margen im China-Geschäft stabilisieren kann. Das Risiko bleibt, dass der Wettbewerbsdruck länger anhält als derzeit eingepreist.
Quelle: dpa-AFX
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