Bitcoin hat sechs Handelstage in Folge im Minus geschlossen. Am heutigen Dienstagmorgen kostete die Kryptowährung 79.568 US$. Sie notiert damit 8,0% unter dem Monatshoch von 86.490 US$ vom 5. Oktober und ist unter die Spanne von 80.000 bis 87.000 US$ gerutscht, in der sie rund einen Monat lang gependelt war. Noch in dieser Woche folgen der Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch und ein großer Optionsverfall am Freitag. Ist das schon eine günstige Gelegenheit zum Einstieg, oder kommt die eigentliche Belastungsprobe erst noch?
ETF-Anleger ziehen Geld ab
Den stärksten Druck sehe ich bei den US-Spot-Bitcoin-ETFs. Am vergangenen Donnerstag flossen 635,6 Millionen US$ ab, so viel wie an keinem Tag seit Juni. Am Freitag kamen weitere 137,9 Millionen US$ hinzu. Ausgerechnet BlackRocks IBIT stand am Donnerstag mit 254,1 Millionen US$ an der Spitze der Abflüsse. Gleichzeitig traf es die gehebelten Käufer: Wetten auf steigende Kurse im Umfang von 651 Millionen US$ wurden zwangsweise geschlossen. Ein solcher Abbau verstärkt eine Abwärtsbewegung in der Regel, weil Verkäufe weitere Verkäufe auslösen.
Am Montag drehten die ETFs mit Nettozuflüssen von 110 Millionen US$ wieder ins Plus. Für den Oktober steht trotzdem ein Minus von rund 202 Millionen US$. Dazu passt, dass Strategy als größter Unternehmensinvestor in der Woche vom 19. bis 25. Oktober keinen einzigen Bitcoin gekauft hat. Das Unternehmen hält rund 848.517 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von etwa 75.446 US$. Aus meiner Sicht fehlt dem Markt damit gerade ein verlässlicher Großkäufer, der Rücksetzer bisher regelmäßig abgefedert hat.
Die Fed bleibt restriktiv
Am Mittwoch um 19 Uhr MESZ verkündet die US-Notenbank ihren Beschluss. Der Markt rechnet mit einer Pause, der Leitzins dürfte also in der Spanne von 3,75 bis 4,00% verharren. Dorthin hatte das Offenmarktkomitee ihn am 16. September einstimmig um 25 Basispunkte angehoben. Das war die erste Zinserhöhung seit Juli 2023. Das Risiko einer weiteren Straffung sehen viele Marktteilnehmer erst bei der Sitzung im Dezember.
Für Bitcoin dürfte deshalb vor allem zählen, was die Notenbank über ihren weiteren Kurs sagt. Gibt sie Signale für weitere Erhöhungen, dürften riskante Anlagen weiter unter Druck geraten, und dazu zählt auch Bitcoin. Eine ruhigere Tonlage könnte dagegen die Stimmung stabilisieren, die durch die ETF-Abflüsse gelitten hat.
Optionsverfall erhöht die Spannung
Am Freitag um 8 Uhr UTC verfallen auf der Derivatebörse Deribit Bitcoin-Optionen im Wert von rund 10,8 Milliarden US$. Der sogenannte Max-Pain-Preis liegt bei etwa 78.000 US$. Bei diesem Kurs würden die Käufer der Optionen insgesamt am wenigsten verdienen. Die Kennzahl taugt allerdings kaum als Prognose, denn sie bildet lediglich die aktuelle Positionierung ab und verschiebt sich mit jedem neu eröffneten Kontrakt. Die größte einzelne Position ist eine Call-Option mit Basispreis 95.000 US$. Viele Händler hatten also auf deutlich höhere Kurse gesetzt.
Die Analysten von Bitfinex sehen die nächste wichtige Unterstützung zwischen 77.000 und 77.765 US$. Gemessen am Hoch vom 21. September bei 87.392 US$ hat Bitcoin nach ihrer Rechnung 9,3% verloren. Das ist die tiefste Korrektur seit dem Zyklustief im Juli. Zum Allzeithoch von 126.080 US$ vom 6. Oktober 2025 fehlen beim aktuellen Kurs rund 37%.
Fazit
Für mich ist die Lage bei Bitcoin in dieser Woche eher angespannt als günstig. Fed-Entscheid und Optionsverfall fallen in dieselben drei Tage, während der Kurs nur knapp über der Zone notiert, die Bitfinex als nächste Unterstützung sieht. Das kann die Schwankungen deutlich verstärken. Die Rückkehr der ETF-Zuflüsse am Montag halte ich für ein erstes Lebenszeichen. Eine Trendwende sehe ich darin noch nicht, solange die Oktober-Bilanz negativ bleibt und Strategy als Käufer pausiert.
Entscheidend wird nun sein, ob Bitcoin diese Unterstützung über den Freitag hinaus verteidigt. Hält sie und kommt von der Fed keine zusätzliche Verschärfung, könnte der Kurs in seine alte Handelsspanne zurückkehren. Rutscht er darunter, rechne ich mit weiteren Zwangsverkäufen gehebelter Positionen. Anleger könnten deshalb den Optionsverfall von der Seitenlinie aus abwarten. Interessant würde ein Einstieg aus meiner Sicht erst, wenn sich die ETF-Zuflüsse über mehrere Tage festigen und Bitcoin nach dem Verfall wieder innerhalb der alten Spanne schließt.
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