Die Bayer-Aktie führt am Montag den Dax an und legt um 2,7% auf 45,17 Euro zu. Auslöser sind zwei Nachrichten aus dem Pharmageschäft: Studiendaten zum Prostatakrebs-Mittel Nubeqa und die Zulassung des Gerinnungshemmers Asundexian in China. Reichen diese Impulse aus, um die Aktie aus ihrer Handelsspanne zu lösen?
Nubeqa überzeugt in Studie
Am Wochenende legte Bayer die Zwischenanalyse der Phase-III-Studie DASL-HiCaP zu Nubeqa mit dem Wirkstoff Darolutamid vor. Untersucht wurden Patienten mit hohem Rückfallrisiko. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 3,8 Jahren sank im kombinierten primären Endpunkt das Risiko für Metastasen oder Tod um 58% gegenüber Placebo. Beide Behandlungsgruppen erhielten begleitend eine Hormonentzugstherapie sowie eine Strahlentherapie.
Die Analystenstimmen fallen unterschiedlich aus. Michael Leuchten von Jefferies bezeichnete die Wirksamkeit in einer ersten Einschätzung als vielversprechend, sah darin aber eher eine Bestätigung des Bekannten als eine Disruption. Richard Vosser von JPMorgan liest aus den Daten heraus, dass sich bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs und sehr hohem Rezidivrisiko ein weiterer Wachstumstreiber für Nubeqa öffnet. James Quigley von Goldman Sachs traut dem Präparat nun ebenfalls mehr Umsatz zu als bislang.
Eine Milliarde Euro Potenzial
Vosser und Quigley halten in der Spitze zusätzliche Erlöse von einer Milliarde Euro für möglich. Nubeqa ist in Kombination mit der Hormonentzugstherapie bereits in vielen Ländern zur Behandlung von Prostatakrebs zugelassen, der Umsatz mit dem Medikament ist seit der Einführung sehr stark gewachsen.
China öffnet sich für Sunharbo
Am Montagvormittag folgte die zweite Meldung: China hat Asundexian unter dem Markennamen Sunharbo zur Schlaganfallprävention zugelassen, und zwar für Patienten nach einem nicht-kardioembolischen ischämischen Schlaganfall oder einer hochrisiko-transitorischen ischämischen Attacke. Der Schritt war weitgehend erwartet worden. Auch die US-Arzneimittelbehörde dürfte zeitnah über den dort vorliegenden Zulassungsantrag entscheiden.
Mit der Sunharbo-Zulassung erhält das Pharmageschäft einen weiteren potenziellen Wachstumstreiber, der helfen könnte, anhaltende Umsatzrückgänge beim Blutgerinnungshemmer Xarelto sowie dem Augenmedikament Eylea abzufedern. Die beiden Kassenschlager leiden nach Patentabläufen unter der Konkurrenz durch Nachahmerpräparate.
Die Handelsspanne hält
Charttechnisch bleibt die Aktie trotz des Kurssprungs gefangen: Seit Anfang Oktober bewegt sie sich zwischen gut 42 und rund 46 Euro. Vom Jahreshoch von knapp 54 Euro von Anfang Juli trennt sie noch ein gutes Stück. Mit einem Plus von knapp 22% gehört Bayer 2026 dennoch zu den besten Werten im Dax.
Fazit
Aus unserer Sicht liefern die beiden Nachrichten solide Argumente für die Pharmasparte, ohne die Lage grundlegend zu verändern. Die China-Zulassung war weitgehend erwartet worden, und die Nubeqa-Daten bestätigen nach Einschätzung von Jefferies vor allem Bekanntes. Entscheidend wird, ob die US-Behörde Asundexian ebenfalls freigibt und ob Nubeqa das von Goldman Sachs und JPMorgan skizzierte Milliardenpotenzial erreicht, denn nur dann ließe sich der Umsatzschwund bei Xarelto und Eylea kompensieren. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten, solange die Spanne bei gut 42 Euro nach unten hält. Ein Nachkauf könnte erst interessant werden, wenn die Aktie den Widerstand bei rund 46 Euro überwindet und die US-Entscheidung positiv ausfällt.
Quelle: dpa-AFX
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