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Autowerte: Warum sie trotz Protektionshoffnung jetzt fallen

Börse unter Druck
Redaktion | Börse

Der Automobilsektor in Europa stand heute unter erheblichem Druck. Was zunächst wie ein Befreiungsschlag wirkte, entpuppte sich am Ende des Handelstages als kurzes Strohfeuer. Der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts hielt sich bis zum Vormittag noch im Plus, rutschte dann aber in die Verlustzone und schloss zuletzt mit einem Minus von 0,6 Prozent.

EU plant Importbeschränkungen für chinesische Hybridautos

Der Auslöser war zunächst eine Bloomberg-Meldung, wonach die Europäische Kommission Maßnahmen zur Begrenzung chinesischer Hybridfahrzeug-Importe vorbereitet. Hintergrund: In China hergestellte Hybridautos machen laut dem Bericht mittlerweile ein Viertel des Gesamtabsatzes in Europa aus. Ein enormer Anteil. Oxcap Analytics deutet in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die EU einen schnelleren WTO-Schutzmechanismus in Erwägung zieht, der temporäre Strafzölle oder Quoten ermöglichen würde.

Besonders profitieren würden davon die Massenhersteller Renault, Stellantis und Volkswagen, die im direkten Wettbewerb mit chinesischen Anbietern stehen, sowie die europäischen Zulieferer. Stellantis schnellten in Paris zwischenzeitlich um bis zu gut sechs Prozent nach oben, Renault schossen ähnlich stark hoch. Am frühen Nachmittag lag Stellantis noch gut ein Prozent im Plus, Renault knapp drei Prozent. Volkswagen-Vorzüge gewannen 1,4 Prozent, die Porsche Automobil Holding SE legte 2,2 Prozent zu.

Mercedes und BMW unter Druck

Das Bild bei den Premiumherstellern war ein anderes. Mercedes-Benz verlor im Dax 3,6 Prozent, nachdem ein erneuter Einbruch im China-Geschäft die Verkäufe im dritten Quartal belastet hatte. BMW folgte mit einem Minus von 3 Prozent. Die Premiumhersteller profitieren von möglichen EU-Schutzmaßnahmen deutlich weniger als die Volumenhersteller, da ihre Käufer weniger preissensitiv auf chinesische Konkurrenz reagieren.

Unter den Zulieferern hielten sich Schaeffler und Aumovio im MDax wacker. Schaeffler stieg 2,7 Prozent, Aumovio sogar 4,8 Prozent. Die Porsche AG gab dagegen leicht nach. Der Stuttgarter Sportwagenbauer arbeitet unter dem Programm "Sportwagenschmiede '35" an einer Neuausrichtung mit stärkerem Fokus auf margenstarke Fahrzeuge und einem deutlichen Kostensparprogramm für die kommenden Jahre.

Auswirkungen auf die Aktien

Unserer Meinung nach ist der heutige Handelstag ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich Markthoffnungen in Luft auflösen. Sollten die EU-Importbeschränkungen tatsächlich kommen, wäre das ein handfester Katalysator vor allem für VW, Stellantis und Renault sowie die europäischen Zulieferer wie Schaeffler und Aumovio. Gleichzeitig dürfte das trübere Marktumfeld, geprägt von steigenden Ölpreisen und hohen Anleihrenditen, kurzfristig weiter auf konjunktursensiblen Autowerten lasten. Für Anleger könnte die Kombination aus möglichem politischem Rückenwind und makroökonomischem Gegenwind noch für einige volatile Handelstage sorgen.

Quelle: dpa-AFX

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