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Garmin-Aktie +17%: 500 Euro für eine Fitness-Uhr?

King of Margins
Wer Garmin mal gehört hat, denkt bestimmt direkt an diese niedrigen Fitness-Uhren. Gestern feierte die Börse genau dieses Unternehmen, was oberflächlich nur für Fitnessuhren bekannt ist, aber eigentlich große Auto- und Flugzeugbauer beliefert. Die jüngsten Quartalszahlen waren exorbitant stark dank der Fitness-Sparte. Aber es steckt deutlich mehr hinter der Firma und das dürfte den Anlegern noch viel Rendite in Zukunft bescheren.

Im Hype (aber nicht wegen KI)

Wer Garmin auf seine Fitnessuhren reduziert, übersieht den wichtigen Rest. Zwar bleibt die Fitness-Sparte in Q2 2026 der größte Einzelposten (+25% Umsatzwachstum), doch das Gesamtergebnis ruht auf weiteren hochprofitablen Säulen. Der Outdoor-Bereich lieferte trotz eines leichten Erlösrückgangs dank starker Marken wie der Fēnix-Reihe oder den neuen Approach-Golfgeräten eine herausragende operative Marge von 34% ab.

Noch dynamischer entwickelte sich die Marine-Sparte: Mit einem zweistelligen Umsatzplus von 14% und einer Marge von 29% kletterte der operative Gewinn hier sogar um fast 59%.

Abgerundet wird das Portfolio durch das hochkomplexe B2B-Geschäft der Luftfahrt-Sparte (Aviation), die dank technischer Eintrittsbarrieren bei Cockpit-Systemen um 8% stieg und eine operative Marge von 27% verzeichnete. Einzig das Zuliefergeschäft für Automobilhersteller (Auto OEM) verzeichnete geringere Erträge, steht nach dem geschafften Turnaround aber vor dem Hochlauf eines Großprojekts für Mercedes-Benz ab 2027.

Insgesamt steigerte Garmin den Konzernumsatz im zweiten Quartal um 11% auf 2 Milliarden US$ – ein neuer Rekordwert für ein zweites Quartal. Das operative Ergebnis kletterte im selben Zeitraum um 30% auf 616 Millionen US$, wodurch die operative Marge von 26% im Vorjahr auf einzigartige 30,4% sprang.

Hohe Margen sind verlockend, aber manchmal können sie auch ein schlechtes Geschäftsmodell verdecken. Wir haben dir im Unlucky Seven Report sieben Aktien, die bedenklich sind, dort aufgelistet.

Das Margen-Geheimnis

Wie kommt eine Hardware-Firma auf eine Marge, von der Apple nur träumen kann? Dass Garmin in fast allen Sparten außergewöhnlich hohe operative Margen einfährt, ist in der Hardware-Welt extrem selten. Apples Hardware-Sparte insgesamt bewegt sich operativ deutlich darunter.

Der Grund liegt in Garmins Geschäftsmodell, in der Nischen-Fokussierung. Statt breiter Massenware (iPhones) verkauft der Konzern hochpreisige Spezialinstrumente für Triathleten und Sportpiloten, die kompromisslose Zuverlässigkeit suchen, die Garmin eben liefert. Dadurch haben sie eine extrem markentreue Zielgruppe, die 500 bis 1.000 € ohne zu zögern zahlt.

Zudem profitiert Garmin von einer tiefen vertikalen Integration: Durch eigene Fertigungsstätten in Asien kontrolliert das Unternehmen die Produktionskosten vollständig selbst, anstatt wertvolle Marge an Auftragsfertiger abzugeben.

Außerdem hat Garmin enorme Skaleneffekte bei der Entwicklung. Grundlegende Technologien für GPS, Sensoren oder Akkumanagement werden effizient in diversen Endgeräten quer durch alle Sparten eingesetzt. Wer einmal im Garmin-Ökosystem verankert ist, wechselt aufgrund der gesammelten Daten und der aufwendigen Systemintegration in Schiffen oder Cockpits kaum noch zur Konkurrenz, was dem Konzern einen nachhaltigen Burggraben sichert.

Prognose und Risiken

CEO Cliff Pemble begründete die Anhebung der Jahresprognose auf ca. 8 Milliarden US$ Umsatz mit dem starken ersten Halbjahr. Doch nicht alles ist Sonnenschein: Das Management warnte vor steigenden Speicherchip-Kosten für die Hardwares in der zweiten Jahreshälfte, die die Marge belasten könnten. Allerdings ist das laut eigener Aussage bereits in der Prognose eingepreist.

Zusätzlich droht eine kurzzeitige Durststrecke im Auto-Zuliefergeschäft von Garmin. Da ein auslaufender Liefervertrag für Infotainment- und Navigationssysteme mit BMW eine Umsatzlücke hinterlässt und das nachfolgende Großprojekt für Mercedes-Benz erst Anfang 2027 anläuft, fehlen dem Segment vorübergehend die gewohnten Volumina.

ℹ️ Garmin in Kürze

  • Garmin (WKN: A1C06B) ist ein 1989 gegründetes Technologieunternehmen mit Hauptsitz in Schaffhausen (Schweiz) und operativer Zentrale in Olathe, Kansas.
  • Garmin entwickelt, fertigt und vertreibt GPS-Technologie, Smartwatches, Wearables sowie Navigationsgeräte für Konsumenten und Spezialmärkte weltweit.
  • Das Portfolio konzentriert sich stark auf den hochprofitablen Fitness- und Outdoor-Bereich, ist jedoch durch die Luftfahrt-, Marine- und Automotive-Sparten breit diversifiziert.
  • Der Börsenwert liegt aktuell bei ca. 55,4 Milliarden US$.

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Fazit

Garmin ist das beste Beispiel, wie man als Nischenanbieter durch konsequente Zielgruppen-Fokussierung und Preismacht profitabler wachsen kann als deutlich größere Tech-Konzerne. Die Bewertung ist nach dem Kurssprung nicht mehr günstig (erwartetes KGV von 29), aber die Kombination aus Ökosystem-Ausbau, Markentreue und hoher Fitness-Nachfrage macht die Aktie für mich zu einem potenziellen Kaufkandidaten mit Wachstumscharakter, wenn auch zu einem teuren.

Die erhöhten Speicherkosten im zweiten Halbjahr dürften die Firma belasten, aber demnach auch in eine günstigere Bewertung Ende des Jahres drücken.

Auf welche Aktien Du noch dieses Jahr setzten solltest, verraten wir in unserem Jahresendspurt: 3 Trend-Aktien fürs Schlussquartal 2026. Das solltest Du nicht verpassen!