Fresenius-Aktie wird zum Startup-Investor
200 Millionen für?
Fresenius gründet einen Wagniskapitalfonds und stellt dafür mindestens 200 Millionen € über fünf Jahre bereit. Der Name: Fresenius Ventures. Und investiert wird in junge Unternehmen und Technologien, die an das Kerngeschäft angrenzen. Also alles rund um Präzisionsernährung, Mikrobiom-Forschung, neuartige Therapien und digitale Gesundheitslösungen.
Das ist ganz schön schlau, denn statt jede Idee selbst im eigenen Labor zu entwickeln, kauft sich der Konzern früh bei Gründern ein und bringt Kapital, klinisches Know-how und regulatorische Erfahrung mit. Geleitet wird der Fonds von Thomas Michael Thestrup, der von Angelini Ventures zu Fresenius wechselt und über 15 Jahre Erfahrung in Health Tech und Pharma mitbringt.
Fresenius-CEO Michael Sen hofft mithilfe des Fonds frühzeitigen Zugang zu bahnbrechenden Technologien, neuen Ideen und unternehmerischem Talent zu bekommen. Das erste Venture-Investment von Fresenius lief bereits im Mai 2026 als Vorläufer an. Gemeinsam mit SAP investierte der Fonds in das Münchner HealthTech-Start-up Avelios Medical (Entwickler eines KI-gestützten Krankenhaus-Informationssystems). Der Anfang von etwas Großem.
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Der größere Gedanke dahinter
Große Pharma- und MedTech-Unternehmen stehen zunehmend vor demselben Dilemma: Eigene Forschungsabteilungen sind teuer, langsam und oft zu bürokratisch, um mit kleinen, agilen und risikofreudigen Start-ups mitzuhalten. Der Fortschritt geht nur halb so schnell voran wie in den USA.
Was wirklich einen Wendepunkt bringen könnte sind mehr solcher Venture-Capital-Fonds. Die Symbiose: Das Start-up liefert technologischen Vorsprung, Disruption und Geschwindigkeit. Fresenius liefert das Vertrauen des Marktes, regulatorisches Know-how und vor allem ein riesiges Test- und Distributionsnetzwerk.
Weitere Beispiele aus Deutschland gibt es on mass:
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- Bayer betreibt mit Leaps einen der aktivsten CVC-Fonds in Deutschland.
- Merck hat mit M Ventures bereits einen milliardenschweren, sehr erfolgreichen Corporate-Fonds etabliert.
- Siemens gründete 2016 eine eigene, weltweite Venture-Capital-Einheit namens Next47, um in B2B-Start-ups in den Bereichen künstliche Intelligenz, Industrie-Automatisierung, KI-Robotik und Cybersicherheit zu investieren.
Fresenius-Aktionäre: Attacke
Direkt investieren kann man als Privatanleger in einen VC-Fonds nicht. Wer trotzdem profitieren will, kann nur über die normale Fresenius-Aktie indirekt dabei sein. So groß wie die Chance ist, so hoch ist auch das Risiko: Gelingt einem der Portfolio-Start-ups der Durchbruch, stützt das langfristig den Unternehmenswert und Aktienkurs. Schlägt die Wette fehl, bleibt Fresenius auf dem Verlust sitzen und der Aktienkurs
Der Markt reagierte auf die Ankündigung selbst allerdings nüchtern, die Aktie gab am Tag der Meldung leicht nach um rund -1,6%. Denn Investoren sind sich bewusst, dass selbst bei erfolgreichen Beteiligungen es oft Jahre dauert, bis sich das spürbar in Umsatz oder Gewinn niederschlägt. Für Fresenius-Aktionäre ist der Fonds deshalb eher ein Baustein einer langfristigen Innovationsstrategie als ein kurzfristiger Kurstreiber.
In den ersten 5 Jahren investiert Fresenius schrittweise das Geld und baut das Portfolio auf. In dieser Phase fließt nur Geld ab. Gewinne gibt es hier in der Regel noch keine. Erst ab Jahr 5 ist mit ersten Exits oder einer breiten operativen Skalierung zu rechnen, die messbare Werte für den Konzern schaffen.
Fresenius macht das Warten wird mit einer Dividendenrendite von derzeit 2,4% deutlich angenehmer. Weitere spannendes Dividendenwerte findest Du kostenlos in unseren Top 10 Dividendenaktien
ℹ️ Fresenius in Kürze
- Die Fresenius SE & Co. KGaA (WKN: 578560) ist ein international tätiger Gesundheitskonzern. Das Unternehmen bietet Gesundheitsprodukte und Dienstleistungen an und betreibt mit Helios das größte Krankenhausnetzwerk Europas.
- Der Hauptsitz liegt im hessischen Bad Homburg. Der Konzern ist in Deutschland, Spanien sowie in Lateinamerika tätig.
- Die Aktie ist im DAX gelistet mit einem Börsenwert von derzeit 24,2 Milliarden €.
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Fazit
Fresenius Ventures ist ein kluger, aber kein revolutionärer Schritt und vor allem keine kurzfristige Wertsteigerung für den Konzern. Es wird Jahre dauern, bis der Fonds erste Früchte trägt. Dennoch stufe ich diesen Schritt als stark wachstumsfördernd ein und er stellt meiner Meinung nach ein klares Kaufargument dar.
Auch die Bewertung des Konzerns spricht eher für einen Kauf. Der europäische Gesundheitssektor wird im Schnitt mit einem KGV von etwa 16 bis 20 gehandelt. Fresenius notiert mit einem Forward-KGV von 11 deutlichen unter dem Schnitt, was wohl an den vergangenen Krisenjahren liegen mag.