Direkthandel mit der Société Générale: sharedealsPlus-Community prüft rechtliche Schritte
Nach einer ersten rechtlichen Einschätzung ist eine Anspruchssituation grundsätzlich möglich. Gewichtige Argumente sprechen gegen die Einordnung eines klassischen Mistrades, der die Bank zu einer Stornierung der Geschäfte berechtigt. Aktive Trader von sharedealsPlus hatten im Vorfeld der Übernahme von Apogee Therapeutics hohe Gewinne erzielt.
Mistrade-Regeln sind nicht automatisch wirksam
Zwar seien sogenannte Mistrade-Regelungen im Wertpapierhandel von der Rechtsprechung grundsätzlich anerkannt. Entscheidend sei jedoch nicht ihre abstrakte Zulässigkeit, sondern ob sie im konkreten Einzelfall wirksam Bestandteil der Vertragsbeziehung geworden seien, ihre Voraussetzungen tatsächlich erfüllt wurden und Société Générale den behaupteten Referenzpreis nachvollziehbar und rechtlich überprüfbar bestimmt habe.
Nach der vorliegenden Ersteinschätzung bestehen insoweit mehrere mögliche Angriffspunkte gegen die Position der Société Générale.
Referenzpreis wirft Fragen auf
So habe die Bank selbst eingeräumt, dass zum Zeitpunkt der Geschäfte keine offiziell quotierten Preise der maßgeblichen US-Referenzbörse verfügbar gewesen seien und eine Fair-Value-Bestimmung auf Basis aktueller Börsenkurse nicht möglich gewesen sei. Damit gehe es gerade nicht um einen klassischen offensichtlichen Preisfehler, sondern um die Frage, ob und auf welcher Grundlage überhaupt ein rechtlich belastbarer Referenzpreis bestimmt werden konnte.
Nach Ersteinschätzung der Experten müsse Société Générale im Streitfall nachvollziehbar darlegen, wann welche Informationen vorlagen, weshalb diese nicht verarbeitet wurden und wie der behauptete Referenzpreis konkret ermittelt wurde. Ein pauschaler Hinweis auf einen nicht verarbeiteten Medienbericht dürfte hierfür allein nicht ausreichen.
Dauer der Kursstellung könnte eine Rolle spielen
Hinzu kommt, dass die betroffenen Kurse offenbar nicht nur für wenige Sekunden gestellt wurden. Nach den bislang vorliegenden Informationen wurden die Preise über einen längeren Zeitraum quotiert, zahlreiche Orders ausgeführt und zunächst ordnungsgemäß verbucht.
Je länger ein professioneller Market Maker verbindliche Kurse stellt und Geschäfte tatsächlich ausführt, desto weniger selbstverständlich erscheint nach Einschätzung der Experten die spätere Einordnung als bloßer technischer Fehler oder klassischer Mistrade.
Späterer Kursverlauf ist nicht entscheidend
Auch der von Société Générale angeführte Marktverlauf nach dem 19. Juni 2026 könne allenfalls ein Indiz sein. Maßgeblich sei vielmehr ausschließlich die Markt- und Informationslage im Zeitpunkt der jeweiligen Geschäftsabschlüsse. Gerade bei Biotech-Unternehmen könnten Übernahmegerüchte erhebliche Kursbewegungen auslösen, ohne dass sich daraus automatisch ein eindeutig bestimmbarer Fair Value ableiten lasse.
Darüber hinaus sei auch die Bestimmung des Referenzpreises nach "billigem Ermessen" rechtlich überprüfbar. Eine solche Entscheidung müsse methodisch nachvollziehbar und am tatsächlichen Marktgeschehen ausgerichtet sein.
So geht es weiter
Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich nicht seriös vorhersagen, wie Gerichte den konkreten Sachverhalt bewerten würden. Die Ersteinschätzung zeigt jedoch, dass gewichtige rechtliche Fragen offen sind und die Rechtmäßigkeit der vorgenommenen Stornierungen keineswegs als selbstverständlich angesehen werden kann.
Die sharedealsPlus-Community wird deshalb die betroffenen Fälle weiter bündeln und gemeinsam mit anwaltlicher Unterstützung prüfen, welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Betroffene Anleger, die ihre Unterlagen bislang noch nicht eingereicht haben, sollten dies zeitnah nachholen. Eine möglichst vollständige Dokumentation der Einzelfälle dürfte die Grundlage für das weitere Vorgehen bilden.
Was Anleger jetzt tun sollten
Mitglieder von sharedealsPlus erhalten weitere Informationen, darunter Kontaktdaten zu der mit der Angelegenheit vertrauten Kanzlei, im Rahmen unseres Live Chats. Wir werden den Fall weiter intensiv begleiten und uns wie gewohnt für Anlegerrechte stark machen.