D-Wave Quantum-Aktie: Sind 99,9% Milliarden wert?
Was die 99,9% wirklich bedeuten
D-Wave hat ein sogenanntes Zwei-Qubit-Gatter für seine Dual-Rail-Architektur entwickelt. Solche Gatter verknüpfen Qubits miteinander und sind eine Voraussetzung für universell einsetzbare Quantencomputer. Die Operation benötigt rund 500 Nanosekunden und erreicht laut Unternehmen eine Genauigkeit von ungefähr 99,9%.
Entscheidend ist jedoch nicht allein diese plakative Kennzahl. Die in „Nature“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen eine erkennbare Fehlerrate von rund 0,5% je Operation und verbleibende, schwerer zu korrigierende Fehler von weniger als 0,1%. Besonders problematische Bitfehler traten nur ungefähr einmal je 1 Million Operationen auf.
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Der eigentliche Fortschritt besteht darin, dass die häufigsten Fehler direkt von der Hardware erkannt werden können. Ein Quantencomputer weiß dadurch nicht nur, dass ein Fehler aufgetreten ist, sondern auch, wo er entstanden ist. Das könnte den Aufwand für die Fehlerkorrektur deutlich reduzieren.
D-Waves Simulationen zeigen eine mögliche Verringerung der logischen Fehlerrate um den Faktor 10 je zusätzlicher Korrekturstufe. Noch handelt es sich jedoch nicht um den Nachweis an einem großen, vollständig fehlerkorrigierten System. Bis Ende 2026 soll zunächst ein Modell mit 17 physischen Qubits folgen. Das Ziel von 100 logischen Qubits ist erst für 2032 vorgesehen.
D-Wave Quantum: Starkes Auftragsbuch mit Einschränkungen
Auch auf der wirtschaftlichen Seite gibt es Fortschritte. Die Buchungen stiegen im ersten Halbjahr um +1.120% auf 35,5 Millionen US$. Der vertraglich gesicherte, noch nicht realisierte Umsatz erhöhte sich um +668% auf 40,7 Millionen US$. Davon sollen rund 57% innerhalb der kommenden zwölf Monate als Umsatz erfasst werden.
Allerdings stammt ein erheblicher Teil der Buchungen aus dem Verkauf eines Advantage2-Systems für 20 Millionen US$. Weitere 2,3 Millionen US$ steuerte die übernommene Quantum Circuits bei. Im zweiten Quartal selbst kamen lediglich Buchungen über 2,1 Millionen US$ hinzu. Der Großteil des Halbjahreswachstums wurde somit bereits im ersten Quartal erzielt.
Positiv ist, dass produktive Anwendungen inzwischen 37,3% der Erlöse aus dem Cloud-Zugang zu D-Waves Quantencomputern ausmachen. Im Vorjahr waren es nur 9,8%. Kunden scheinen die Technologie damit zunehmend für reale Aufgaben und nicht nur für Experimente zu nutzen.
Umsatz und Kosten passen bei D-Wave noch nicht zusammen
Der Quartalsumsatz stagnierte bei 3,1 Millionen US$. Im gesamten ersten Halbjahr fiel er aufgrund eines außergewöhnlich großen Systemverkaufs im Vorjahr sogar um -67% auf 5,9 Millionen US$.
Gleichzeitig stiegen die operativen Kosten im zweiten Quartal um +93% auf 55 Millionen US$. Der bereinigte EBITDA-Verlust weitete sich von 20 auf 37,1 Millionen US$ aus. D-Wave investiert gleichzeitig in sein etabliertes Quantum-Annealing-Geschäft und die neue Gate-Technologie von Quantum Circuits.
Mit liquiden Mitteln von 546,2 Millionen US$ ist die Finanzierung vorerst gesichert. Die Börsenbewertung nimmt jedoch bereits ein kommerzielles Wachstum vorweg, das weit über den heutigen Umsatz und das vorhandene Auftragsbuch hinausgeht.
ℹ️ D-Wave Quantum in Kürze
- D-Wave Quantum (WKN: A3DSV9), kurz D-Wave, ist ein Hardwareunternehmen, das sich mit der Entwicklung von Quantencomputern beschäftigt.
- Das Unternehmen mit dem Hauptsitz in Burnabay, Kanada, wurde 1999 gegründet. Bekannt wurde es durch den Verkauf des ersten Quantencomputers 2011 an Lockheed Martin.
- Neben der Hauptbörse NYSE kann die Aktie auch über Tradegate gehandelt werden. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell etwa 7,78 Milliarden US$.
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Fazit
Die „Nature“-Veröffentlichung ist ein ernst zu nehmender technologischer Erfolg. Sie macht aus D-Wave aber noch kein profitables Unternehmen. Bei einer Bewertung von 7,78 Milliarden US$ ist sehr viel Zukunft eingepreist. Spekulative Investoren können bei der noch eher geringen Marktkapitalisierung zuschlagen, wenn sie der Überzeugung sind, dass D-Wave eine Schlüsseltechnologie im Megatrend-Markt des Quantencomputings besitzt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, bleibt zunächst an der Seitenlinie.